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Energie Bundesweite Erdgasumstellung von L- auf H-Gas

Bei hunderttausenden Unternehmen und Haushalten muss die Erdgasversorgung von L-Gas auf H-Gas umgestellt werden. Betroffen sind Unternehmen in West-, Mittel- und Norddeutschland. Gasnetzbetreiber überprüfen Gasgeräte von allen betroffenen Unternehmen – von der Gasheizung bis zur gasbetriebenen Industrieanlage.

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Bei hunderttausenden Unternehmen und Haushalten muss die Erdgasversorgung von L-Gas auf H-Gas umgestellt werden. Davon sind auch Handwerksbetriebe betroffen. Hintergrund ist das von den Niederlanden erklärte Ende des L-Gasexports nach Deutschland. Deshalb müssen bei Kunden, die bisher L-Gas erhalten haben, vorhandene Gasgeräte auf das alternative H-Gas umgerüstet werden. Dieses H-Gas stammt vorwiegend aus Norwegen und Russland. Betroffen sind Unternehmen in West-, Mittel- und Norddeutschland. Gasnetzbetreiber überprüfen Gasgeräte von allen betroffenen Unternehmen. Nur wenn Gasgeräte an H-Gas angepasst werden, ist gewährleistet, dass diese Geräte auch nach der Erdgasumstellung weiter sicher funktionieren. Nicht angepasste Gasgeräte müssten zum Start des H-Gases gesperrt werden. Das erklärt einer der größten von der Umstellung betroffenen Netzbetreiber, die Oldenburger EWE Netz GmbH (www.ewe-netz.de). Die Niedersachsen starten jetzt mit dem Großprojekt „Erdgasumstellung“. Für das Handwerk, speziell die Branchen Sanitär Heizung Klima und Elektro, kann die Umstellung zusätzliche Aufträge bringen, zum Beispiel wenn Geräte ausgetauscht werden müssen. Wichtig: Das Unternehmen, das an der Erfassung und Umstellung der Gasgeräte beteiligt ist, darf laut Bundesnetzagentur nicht an einer späteren oder gleichzeitigen Erneuerung der betroffenen Gasgeräte teilnehmen. In der Regel sind die Netzbetreiber zuständig für Umstellungen, spätere Neuanschaffungen könnten dann vom Handwerk überneommen werden. Wenn ein Gerätetausch erforderlich ist, wird der Netzbetreiber den Kunden informieren. Der Kunde muss sich dann um ein Ersatzgerät kümmern.

Niederlande steigen aus der Lieferung aus

Auslöser für das Großprojekt ist ein zunehmendes Schwinden der Förderkapazitäten des L-Gases in den Niederlanden, aber auch in Deutschland. Spätestens ab 2029 soll von den Niederlanden nahezu kein L-Gas mehr nach Deutschland exportiert werden. Das alternative H-Gas stammt vorwiegend aus Russland und Norwegen. Die Kapazitäten sind hier auf Jahrzehnte gesichert. Bei den zwei Gassorten liegt der Unterschied im Energiegehalt: H-Gas (High Calorific Gas) hat einen höheren Methangehalt und setzt daher bei der Verbrennung mehr Energie frei als L-Gas (Low Calorific Gas).

Seit Mai 2015 ist in Deutschland eines der größten Infrastrukturprojekte der deutschen Erdgasversorgung, die Umstellung von L-Gas auf H-Gas, im Gange. Der kontinuierliche Rückgang der L-Gas-Aufkommen macht den Wechsel auf H-Gas notwendig. L-Gas wird vorwiegend in Teilen von Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt sowie in Bremen verbraucht. Der überwiegende Teil Deutschlands wird bereits seit mehreren Jahrzehnten mit H-Gas aus Norwegen, Russland und Großbritannien versorgt.

Viele Gasgeräte können nur ein bestimmtes Erdgas nutzen: L- oder H-Erdgas. Von dem faktischen Ende des L-Gasexports aus den Niederlanden sind daher in Nord-, Mittel- und Westdeutschland insgesamt mehrere Millionen Gasgeräte betroffen. Denn diese Landesteile beziehen zum Teil seit Jahrzehnten L-Gas. So auch die Region Elbe- Weser-Ems der EWE Netz GmbH. Allein dieser Netzbetreiber muss jetzt insgesamt geschätzte 700.000 Gasgeräte manuell erfassen, überprüfen und eventuell an das alternative H-Gas anpassen.

Betroffen sind nicht nur Gasheizungen aller Marken, sondern auch alle gasbetriebenen Herde, Wäschetrockner, Durchlauferhitzer und die großen Industrieanlagen. Bei Bedarf bestellt der Netzbetreiber für die Kunden alle notwendigen Original-Umrüstsätze bei den Geräteherstellern. Diese werden dann auch installiert.

Wer zahlt die Kosten?

Laut EWE Netz sind die Servicebesuche der Gasmonteure und auch die Umrüstsätze zunächst für Kunden kostenlos. Die Kosten der Erdgasumstellung legen Netzbetreiber über eine Umlage bundesweit auf alle Gasverbraucher um. Ausnahmen gibt es aber doch: Muss ein Gasgerät zum Beispiel ohnehin repariert oder gewartet werden, dann trägt das Unternehmen wie gewohnt diese Kosten. Und wenn ein Gerät gar nicht auf H-Gas umrüstfähig ist, dann muss der Kunde auf eigene Kosten in ein neues Gerät investieren.

Kein Problem bei Erdgasfahrzeugen

Die Gasumstellung der bisherigen L-Gas-Regionen betrifft etwa 30 Prozent aller in Deutschland mit Erdgas betriebenen Endgeräte. Die Heizkosten sollen sich durch die Umstellung nicht wesentlich verändern. Auskunft, wer konkret von der Umstellung betroffen ist, geben die lokalen Netzbetreiber. Für Besitzer von Erdgasfahrzeugen besteht nach Auskunft des Branchennetzwerks "Zukunft Erdgas" (erdgas.info), in dem mehr als 120 Energie- und Tech-Unternehmen organsiert sind, in der Regel kein Handlungsbedarf. Der Motor der Fahrzeugs passe sich automatisch an und reguliere das Verbrennungsverhältnis. Erdgasfahrer könnten wie gewohnt an den Tankstellen Erdgas tanken.


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