Wirtschaft -

Interview Konjunkturindikatoren 2013

Otto Kentzler hat sich für sein letztes Jahr als ZDH-Präsident einiges vorgenommen. Konjunktur anschieben, Energiewende verbessern, Ausbildung fördern. Welche Lösungen er jetzt vorschlägt.

Otto Kentzler steht seit acht Jahren an der Spitze des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Dieses Jahr hat wird sein letztes als Handwerks-Chef. Doch statt es ruhiger angehen zu lassen, hat sich der Dortmunder noch einiges vorgenommen, auch „Unbequemes“, wie er sagt. handwerk magazin sprach mit ihm über Konjunktur, Probleme und Image der Branche.

handwerk magazin: Herr Kentzler, Sie starten in Ihr letztes Jahr als ZDH-Präsident. Was haben Sie sich vor allem vorgenommen?

Otto Kentzler: Ich möchte mehr Verständnis bei den unterschiedlichen Berufen im Handwerk füreinander wecken. Die einzelnen Verbände können noch mehr zusammenarbeiten – auch bei der Modernisierung der Ausbildung. Mein Anliegen ist es, das Selbstwertgefühl des Handwerks weiter zu stärken. Wir sind Handwerker, wir können unsere Probleme lösen.

Schauen wir auf die aktuellen Themen. War 2012 ein gutes Jahr für das Handwerk?

Im Ergebnis ja. Wir haben weiterhin eine hohe Auslastung im Handwerk, die allerdings nicht alle Regionen und Berufsgruppen erreicht. Unterm Strich wird aber ein Plus herauskommen.

Die nationale Konjunktur stottert. Was erwartet das Handwerk für 2013?

Tatsächlich hängt die Konjunktur stark von der Euro-Staatsschuldenkrise ab, unter anderem davon, wie viel uns Griechenland kosten wird. Doch das Handwerk ist robust. Ich rechne auch 2013 mit einem positiven Ergebnis; etwa ein Prozent Zuwachs beim Umsatzwachstum.

In welchen Bereichen läuft es gut, wo machen sich die Betriebe Sorgen?

Das Ausbaugewerbe hat immer noch glänzend zu tun. Die Betriebe profitieren vom Trend zu Investitionen in Immobilien. Auch der Bau läuft gut, aber die öffentlichen Ausschreibungen gehen zurück. Kein gutes Zeichen. Eher negativ ist auch der Ausblick für das Kfz-Gewerbe. Sinkende Zulassungszahlen und ein nachlassendes Werkstattgeschäft lassen Übles ahnen.

Die Kfz-Betriebe könnten von der Elektromobilität profitieren. Doch der Fortschritt stockt. Braucht es öffentliche Förderung?

Ich glaube, das sollte besser der Markt regeln. Eine Förderung wie seinerzeit die Abwrackprämie halte ich nicht für sinnvoll. Eine durchdachte Initialzündung wie die Schaufenster Elektromobilität in vier Bundesländern ist aber richtig.

Braucht auch die Energiewende mehr Schub? Das Thema kommt nicht voran – zulasten des Handwerks?

Richtig, es fehlt noch eine ganze Menge. Wir sind uns mit der Politik einig, dass es weiterer Anreize für die energetische Sanierung bedarf. Die Bevölkerung wird nicht richtig mitgenommen. Für die bedeutet Energiewende bisher steigende Strompreise. Auch die Umlagebefreiung für Großunternehmer wird vielfach als unfair betrachtet.

Wie sollte die Bundesregierung Haushalte und Firmen besser für das Thema Energiewende gewinnen?

Es sollten nur die Firmen von der Umlage befreit werden, die ihren Verbrauch nachweislich reduzieren. Darüber hinaus sind wir dafür, dass es für Privathaushalte einen stromsteuerbefreiten Verbrauchssockel von 2000 Kilowattstunden pro Jahr gibt, für Gewerbebetriebe sollte der Sockel 4000 Kilowattstunden betragen. Das wäre eine schnell wirksame Kostenbremse, bis eine grundlegende EEG-Reform umgesetzt ist.

Eine andere Baustelle für die Betriebe könnte mit den neuen Eigenkapitalregeln für Banken – Basel III – ab 2013 entstehen.

Ich glaube nicht, dass die Betriebe sich Sorgen machen müssen. Und grundsätzlich gilt: Wer offen mit seiner Bank spricht, erhält anständige Zinsen. Auch morgen noch.

Was macht Sie da so sicher?

Der ZDH hat frühzeitg erkannt, dass die verschärften Regeln aus Brüssel für die Banken zu höheren Zinsen führen könnten. Wir haben uns dann – im Übrigen gemeinsam mit den Volksbanken und Sparkassen – in Brüssel dafür eingesetzt, dass Mittelstandskredite auch künftig genauso günstig eingestuft werden wie bisher. Wenn das so beschlossen wird, werden die Handwerksbetriebe unter Basel III kaum mehr für Fremdkapital zahlen müssen als vorher.

Ein Problem sind für viele Betriebe hingegen fehlende Azubis. Wie hilft der ZDH?

Nach wie vor bildet das Handwerk die meisten jungen Leute aus. Richtig ist aber, die Ausbildungsleistung sinkt. Da steuern wir mit unserer Imagekampagne gegen. 2013 geht sie in ihr viertes Jahr, das Motto der Aktivitäten für Jugendliche heißt „Wir bringen Dich überall hin“. Wir zeigen Jugendlichen, wie interessant das Handwerk sein kann.

Was bedeutet das konkret?

Auch das Engagement der Handwerkskammern bei der Berufsorientierung greift, die Zahl der Ausbildungsberater mit Migrationshintergund steigt, Betriebe werben mit Karriereplänen erfolgreich um Abiturienten. Wichtig war, dass wir die Anerkennung der Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung durchsetzen konnten – das überzeugt Jugendliche. ◇

holger.externbrink@handwerk-magzin.de

Online exklusiv

Hier gibt es das Video zum Interview: handwerk-magazin.de/01_2013

Video Interview Otto Kentzler

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