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Wohnraumproblem und Individualisierung Wohnungsbau: Serielle Bauweise bekommt Konkurrenz durch elementiertes Bauen

Schnell, kostengünstig und in Serie: Mit diesen Vorzügen soll das serielle Bauen dem Wohnraumproblem beikommen. Das elementierte Bauen ermöglicht dagegen eine individualisiertere Bauweise, die Deutsche klar bevorzugen.

Topic channels: TS BIM, TS Zukunftsperspektiven im Handwerk und TS Baustoffe

In Deutschland mag man es, sein Häuschen ganz individuell zu bauen – doch machen solche Einzelprojekte Bauen und Wohnen teuer. Noch dazu gibt es insgesamt zu wenig Behausungen im günstigeren bis mittleren Preissegment, wie sich spätestens seit der Flüchtlingskrise gezeigt hat. Mit der Wohnungsbauoffensive setzt die Bundesregierung seit einigen Jahren daher stärker auf die Vorteile des seriellen Bauens: Dabei sollen in Ergänzung zur Einzelfertigung auch Prototypen entwickelt werden, die deutschlandweit schnell und kostengünstig in Serie umgesetzt werden können.

Über das standardisierte Bauverfahren ist es möglich, Wohnungen einheitlich zu gestalten und mit industriell oder seriell vorgefertigten Teilen aus unterschiedlichen Materialien zu bauen. Im Fokus steht damit nicht die Art der Bauweise, sondern die Quantität der Wohnungen.

Beim seriellen Bauen gibt es zwei Wege:

  1. die konventionelle Bauweise mit optimierten Wohnungsgrundrissen und hohem Wie­derholungsgrad, bei der Fertigelementen verbaut werden
  2. die Modul- bzw. Systembauweise auch für Wohngebäude

Noch steckt das serielle Bauen in den Kinderschuhen. Von den rund 300.000 neuen Wohnungen, die im vergangenen Jahr gebaut wurden, liegt der Anteil der in serieller Bauweise erstellten Wohnungen bei unter einem Prozent. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), zweifelt daher daran, ob das serielle Bauen tatsächlich der Schlüssel ist, um das aktuelle Wohnungsproblem zu lösen. Zudem eckt die Bauweise an, weil sie oftmals mit der Gleichförmigkeit des Plattenbaus in Verbindung gebracht wird.

Elementiertes Bauen: Wunsch nach Individualisierung wird erfüllt

Als geeignete, genauso effiziente Alternative für bezahlbares Bauen und Wohnen liegt daher elementiertes Bauen im Trend, bei dem einzelne Bauteile wie zum Beispiel Wände, Decken, aber auch komplette Fassaden überwiegend im Werk vorgefertigt werden. Auf der Baustelle werden die Bauteile dann nur noch montiert. "Elementiertes Bauen kann dazu beitragen, qualitativ hochwertige Wohnungen schneller an den Markt zu bringen", sagt Pakleppa. "Die digital gestützte Vorfertigung von Bauteilen im Werk und kurze Montagezeiten auf der Baustelle verkürzen die Bauzeit insgesamt." Werde elementiertes Bauen mit einer Typisierung von Gebäuden verbunden, könne über höhere Effizienz noch kostengünstiger gebaut werden.

Projekte belegen die schnelle und günstige Bauweise beim elementierten Bauen. Bei der Deutschen Modulhausfabrik beträgt der Vorfertigungsgrad seiner industriell mit BIM hergestellten Stahlbeton-Raummodule über 90 Prozent. In der Fabrik werden Module wie auch Steckdosen produziert, elektrisch und hydraulisch vorgeprüft, verpackt und mit dem Tieflader zur Baustelle gefahren. Eine Montagekolonne kann laut Angaben der Deutschen Modulhausfabrik pro Tag rund 360 Quadratmeter Bruttogeschossfläche montieren. Die Restarbeiten vor Ort dauern dann noch wenige Wochen.

Als weiterer Vorteil entsteht bei der Vorfertigung weniger Lärm, Schmutz und Dreck am Bau. Auch dem Wunsch nach Individualisierung kann elementares Bauen nachkommen. Die Vorfertigung von gleichförmigen Einzelkomponenten schließt letztlich nicht aus, die Teile unterschiedlich zu verbauen.

Die drei wichtigsten Vorteile beim elementierten Bauen:

  • individuelle Fertigung durch verschiedene einzelne vorgefertigte Bauelemente
  • zeit- und kostensparend
  • lästige Begleiterscheinungen beim Bauen wie Lärm, Dreck und Schmutz werden von der Baustelle in die Fabrik verlagert

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