Finanzierung -

Gute Chancen für günstige Angebote Elektrotransporter: Modelle für Finanzierung und Leasing im Check

Die staatlichen Förderungen steigern die Nachfrage nach leichten Elektro-Nutzfahrzeugen. Zusätzlich pushen die ­Herstellerbanken vor allem das Leasing für kleine und ­mittlere Unternehmen. Handwerksbetriebe haben daher gute Chancen, ein passendes Angebot zu finden.

Topic channels: TS Elektromobilität, TS Fuhrpark und TS Leasing

Der Trend hin zu leichten E-Nutzfahrzeugen zeigt klar nach oben. Das belegen die Zahlen des European Alternative Fuels Observatory (EAFO). Demnach haben sich die Neuzulassungen der elektrisch betriebenen Lastenträger der Fahrzeugklasse N1 bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamt­gewicht (zGG) im Jahr 2020 hierzulande um fast 90 Prozent auf 9.752 Einheiten (2019: 5.202) erhöht Davon sind 9.633 Transporter (2019: 5.192) mit reinem E-Antrieb und 119 mit Plug-in-Hybrid (2019: 10) gewesen. Auch wenn sich die Gesamtzahl noch auf einem überschaubaren Niveau bewegt: Dieses Jahr dürften die Neuzulassungen der Stromer weiter steigen. Handwerksbetriebe werden dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Darauf lässt etwa die Resonanz auf den speziellen Förderaufruf des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) schließen.

Leasingoffensive der Banken

Die herstellernahen Banken flankieren die staatlichen Zuschüsse mit Finanzierungs- und Leasingangeboten für Small Commercials (Angebots-Übersicht: siehe Download). Insbesondere das Leasing wird forciert. Über Volkswagen sind die E-Fahrzeuge nur im Leasing verfügbar. Auch MAN und Opel fokussieren sich auf diese Finanzierungsform.

Daneben bietet beispielsweise die Mercedes-Benz Bank seit 1. März in einer Aktion Handwerkern und KMU für Leasingverträge mit einer Laufzeit von mindestens 24 Monaten neben dem herstellerseitigen Anteil am Umweltbonus Förderbeträge aus dem Aufruf „elektrische Nutzfahrzeuge“. Diese werden direkt geleistet und sind merklich höher als der staatliche Anteil zum Umweltbonus, der dafür entfällt. Beim Mercedes-Benz E-Vito sind es nach Unternehmensangaben 10.400 Euro, beim E-Sprinter mit kleiner Batterie 8.566 Euro und mit großer Batterie 11.515 Euro. Dadurch kommt es bei Laufzeiten über 48 Monate und einer Gesamtlaufleistung von 40.000 Kilometern über die Vertragslaufzeit zu einer monatlichen Leasingrate von 323 Euro netto für den E-Vito, 331 Euro netto für den E-Sprinter mit 35-kW-Batterie und 356 Euro netto für den E-Sprinter mit 47-kW-Batterie. Die Aktion läuft allerdings nur bei Bestellung bis Ende Juni und Auslieferung bis Ende November.

Kombi-Förderungen

Unabhängig davon steht den Betrieben die Möglichkeit staatlicher Doppel­förderung offen. Nachdem die Bundesregierung im vergangenen Jahr ­ zeitweise eine Kumulation aus Umweltprämie und regionalen Fördermaßnahmen für Elektrofahrzeuge verboten hatte, ist diese seit Mitte November wieder möglich. Der Umweltbonus ist laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit einer weiteren öffentlichen Förderung kombinierbar. Voraussetzung: eine Verwaltungsvereinbarung zwischen dem jeweiligen Fördermittelgeber und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Außerdem erläutert das BAFA, dass sich der Umweltbonus nun mit den Förderrichtlinien Elektromobilität und Markthochlauf NIP2 des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie dem Sofortprogramm „Saubere Luft“ und dem Flottenaustauschprogramm „Sozial und Mobil“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) koppeln lässt. Da­rüber hinaus sei geplant, die Möglichkeiten durch weitere Vereinbarungen zu verbreitern.

Eine weitere Neuerung: Bei Leasing kann der volle Umweltbonus generell erst ab einer Vertragslaufzeit von über 23 Monaten fließen.

Gestaffelte Umweltprämie: Leasingdauer bestimmt Förderhöhe
Gestaffelte Umweltprämie Leasingdauer bestimmt Förderhöhe

Die Bundesregierung hat Ende vergangenen Jahres eine Neuerung beim Leasing von Elektrofahrzeugen eingeführt. Hier richtet sich die Höhe des Umweltbonus jetzt nach der Leasingdauer. Erst ab 24 Monaten ist der volle Fördersatz beziehbar.

.

.

.

Hängepartie für Unternehmer

Ein Unternehmer, dem das Hin und Her bei der Vergabe von Zuschüssen viel Geduld abverlangt hat, ist Jörg Tappeser. Der Geschäftsführer der Solartechnik Tappeser in Schwerte hatte vergangenes Jahr einen VW E-Crafter bestellt, als die Doppelförderung noch erlaubt war. Die Zulassung erfolgte jedoch mit der Auslieferung im Oktober, als es vorübergehend nicht mehr zulässig war. Da der Zulassungstag wiede­rum Stichtag für die Prämien ist, hatte Tappeser keine Planungssicherheit mehr. Er stellte dennoch beim Land Nordrhein-Westfalen den Antrag auf den regionalen Zuschuss von 8.000 Euro aus dem Programm Progres.nrw sowie beim BAFA den Antrag für den Umweltbonus von 5.000 Euro.

Während die Landesbehörden das Geld im Dezember überwiesen, hieß es für ihn beim Bundeszuschuss: warten. Erst Ende Januar bekam der Unternehmer ihn dann auch vom BAFA aus­gezahlt. „Nur mit der Doppelförderung hat die Anschaffung des teuren Fahrzeugs Sinn gemacht. Es hätte gut sein können, dass es sich nicht rechnet, wenn die Förderung nicht gekommen wäre. Wir hätten das noch kompensieren können“, sagt der Unternehmer heute erleichtert. Er ergänzt: „Aber andere Unternehmen hatten 2020 und dieses Jahr nicht so viel Glück. Da kann so etwas nach hinten losgehen.“

Individuelle Entscheidung

Jetzt befinden sich insgesamt drei E-Transporter bei Tappeser im Fuhrpark. Neben dem VW E-Crafter mit 38-kWh-Batterie setzt er seit dem Jahr 2017 auf zwei Nissan E-NV200 mit jeweils 24-kWh-Batterie. Alle Stromer sind in einem Umkreis von etwa 50 Kilometern rund um den Betrieb unterwegs. Die Reichweiten beziffert der Elektrotechniker auf mindestens 100 Kilometer, im Sommer auf 160 Kilometer. Mit den beiden Nissan legten er und das fünf Mitarbeiter große Team jeweils schon rund 28.000 Kilometer zurück. Auch der VW-Stromer hat bereits rund 3.000 Kilometer auf dem Tacho. Machte der Handwerksunternehmer schlechte Erfahrungen im täglichen Fuhrpark­alltag? Nein. Tappeser kann weder feststellen, dass sich der Ausbau zum ­Servicefahrzeug noch eine zusätzliche Ladung negativ auf die Reichweite auswirken. „Das macht sich nicht bemerkbar. Viel wichtiger ist bei Elektrofahrzeugen der Fahrstil“, so Tappeser. Übrigens entschied sich der Unternehmer auch bei den Modellen des japanischen Herstellers für den Kauf. „Wir haben diese als Vorführwagen erworben, weil es damals noch eine regionale Hilfe von 8.000 Euro für Fahrzeuge mit weniger als 1.000 Kilometern Fahrleistung gab und sie deutlich unter dem Neupreis lagen“, erläutert Tappeser. Der Erwerb war zudem Bedingung, um die Förderung zu erhalten.

Leasen oder kaufen

Jenseits der Förderungen berücksichtigt der Solartechnik-Spezialist aber weitere Faktoren bei seiner Entscheidung, ob er kauft, finanziert oder least. „Es kommt wie bei den Verbrennern auf die Liquidität an“, sagt der Planer von Fotovoltaikanlagen. Für ihn war der Kauf die richtige Wahl, weil die Liquidität hoch und mit der Sonder-AfA für den gewerblich genutzten E-Transporter eine zusätzliche Abschreibung von 50 Prozent des Neuwagenpreises im ersten Jahr möglich war. Tappeser resümiert: „Ansonsten hätten wir sicherlich finanziert oder geleast.“

Liquidität schonen

Dass Liquidität in Handwerksbetrieben immer ein großes Thema ist, bestätigt Dennis Küster, Steuerberater mit dem Schwerpunkt KMU in der Kanzlei Quattek & Partner in Göttingen. Aus seiner Erfahrung kann die gewählte Finanzierungsform für die Firmenwagen eine wichtige Rolle spielen, um diese Kennzahl positiv zu beeinflussen.
Er registriert daher bei seinen Mandanten aus dem Handwerk in den vergangenen gut fünf Jahren den Trend weg von Kfz-Finanzierungen hin zum Leasing. „Denn die Leasingraten sind bilanzneutral. Die Kosten fließen lediglich als Betriebsausgaben ein“, begründet Küster.

Die insgesamt rund 60 Klienten von Quattek reichen von Bäckereien über Bauunternehmen bis hin zu Metall­bauern. Viele von ihnen kaufen aber nach wie vor aus den liquiden Mitteln ihre Fahrzeuge. „Bei denjenigen, die nicht leasen, macht der Fuhrpark je nach Unternehmensgröße und -branche zwischen zwei und 30 Prozent der ­Bilanzsumme aus“, so der Betriebswirt.

Gleichwohl kann der Kauf von Fahrzeugen negativ auf den Cashflow wirken. Gerade in diesen turbulenten Corona-Zeiten rät er daher, diese Strategie noch mal zu überdenken: „Es sind zwar noch keine merklichen Einbrüche zu registrieren. Es ist aber davon auszugehen, dass es im Herbst aufgrund der Nachwirkungen aus der zweiten Lockdown-Phase zu einem Rückgang bei den Aufträgen kommt.“ Umso wichtiger sei es, die ­Liquidität jetzt schon im Blick zu haben und zu erhalten.

Günstige Leasingraten

Steuerberater Küster nennt insbe­sondere bei den Stromern ein weiteres Argument pro Leasing: die monat­lichen Raten. Bei seinen Finanzierungsvergleichen für Mandanten hat er festgestellt, dass es im Moment günstige Leasingangebote für Elektrofahrzeuge gibt, weil etwa der Umweltbonus herstellerseitig direkt sowie der Kundenanteil als Sonderzahlung in die Kalkulation einfließen. „Aus kaufmännischer Sicht kann ein Unternehmen folglich bei vollelektrischen Fahrzeugen mit Leasing kaum etwas falsch machen, wenn ein solches benötigt wird“, sagt der Steuerberater. Zumal diese Angebote in der Regel auch deutlich besser seien als die Finanzierungen.

Seiner Meinung nach ist die Finanzierungsform auch flexibler und besser planbar. „Es wird eine feste Leasing­rate über die Laufzeit von zwei oder drei Jahren gezahlt, dann geht das Fahrzeug zurück und es gibt keine weiteren Verpflichtungen.“ Bei Kauf und Kreditfinanzierungen würde dagegen nicht nur die Liquidität stärker belastet, auch höhere Risiken und Aufwand seien damit verbunden. Beispielsweise die Vermarktung der leichten Elektro-Nutzfahrzeuge als Gebrauchtwagen in einem Markt, der für die Zukunft noch schwer einzuschätzen ist.

Förderaufruf Elektromobilität: Handwerksbetriebe nutzen Angebot

Im Herbst hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) einen Förderaufruf zur Beschaffung von Elektro-Nutzfahrzeugen und betriebsnotwendiger Infrastruktur für Handwerksunternehmen und KMU gestartet, die zeitnah auf batterie-­elektrische Fahrzeuge umstellen wollen.

Diesen Ball haben zahlreiche Betriebe aufgenommen und Anträge gestellt. Damit werden nun Investitionsmehrausgaben für elektrisch angetriebene Fahrzeuge im Vergleich zu einem Kfz mit Verbrennungsmotor bezuschusst. Bis zu 40 Prozent der Mehrausgaben werden dabei entsprechend den beihilferechtlichen EU-Vorgaben gefördert. KMU erhalten einen zusätzlichen Bonus von zehn respektive 20 Prozent bezogen auf die Förderquote, sofern sie sonst das Vorhaben nicht durchführen können.

Oliver Braune, Teamleiter Batterie und Programmleiter Elektromobilität bei der NOW GmbH (Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie) als ausführende Gesellschaft für die Bundesbehörde, nennt Zahlen.

Er berichtet, dass:
  • circa 120 Unternehmen Anträge gestellt haben
  • 112 Zuwendungsbescheide mit einem Volumen von insgesamt knapp 30 Millionen Euro bewilligt wurden
  • und pro Antrag Zuwendungen in Höhe von 10.000 bis circa 800.000 Euro für die Förderung der Investitionsmehrausgaben von Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur angefragt wurden.
  • Zudem sind die beantragten Kfz zu 73 Prozent und damit vorrangig in Firmenflotten der Handwerksbetriebe, im Lieferverkehr, als Dienstwagen oder in der Kombination der Einsatzkontexte unterwegs.
  • Auch sieben Leasinggesellschaften sind unter den Antragstellern vertreten, deren Auflage es ist, die Kfz an Handwerksbetriebe und KMU zu verleasen.
  • Beantragt wurden Elektro-Nutzfahrzeuge aus allen EG-Fahrzeugklassen N (Güterbeförderung), wobei die Gewichtsklasse N1 (bis 3,5 t zGG) überwiegt.
  • Insgesamt wurden circa 2.500 Fahrzeuge der Klassen N1 bis N3 und circa 500 Infrastruktureinheiten bewilligt, die in den nächsten Monaten in den Markt kommen.
  • Die Verteilung des Anwenderkreises ist breit gestreut und umfasst Gewerke aus vielen Bereichen – von SHK- über Elektro- und Malerbetrieben bis hin zu Bäckereien, Tischlereien, Glasereien und Firmen aus dem Baugewerbe.


Weitere Downloads zu diesem Artikel
  • E-Transporter: Leasing und Finanzierung (PDF, 88 kB)

    Vor allem auf der letzten Meile können E-Transporter ihre Stärke ausspielen. Demnach verwundert es kaum, dass die Modellpalette ständig wächst. Speziell für KMU bieten Banken und Leasinggesellschaften mehr...

© handwerk-magazin.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen