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Branchencheck Elektro Elektrohandwerke: Weiter unter Hochspannung

Die über 50.000 Betriebe der Elektrohandwerke brechen alle Rekorde. Nie war die Stimmung besser als zurzeit. Megatrends wie Digitalisierung, Elektromobilität und Energiesparen bringen Aufträge.

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Das konjunkturelle Hoch in den Elektrohandwerken hält weiter an. Nie zuvor erreichte die Stimmung bessere Werte. Das geht aus der letzten Frühjahrsumfrage des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) hervor, an der sich 2.000 Elektro-Innungsfachbetriebe in ganz Deutschland beteiligten. Befragt wurden Unternehmen aus den drei Handwerken Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektromaschinenbau.

98,1 Prozent der E-Handwerksunternehmen sehen ihre gegenwärtige Geschäftslage positiv. Der Vergleichswert vom Frühjahr 2018 (97,8 % positiv) wurde damit noch einmal gesteigert. Die Branche erwirtschaftete 2018 einen Rekordumsatz von 61,1 Milliarden Euro, ein Plus von 5,8 Prozent. Projekte in der Energie- und Gebäudetechnik sind für gut zwei Drittel des Umsatzes bei den Betrieben verantwortlich. Mit großem Abstand folgen die Informations- und Telekommunikationstechnik (11,8 %) sowie die Automatisierungstechnik (5,5 %). Die meisten Aufträge erhalten die E-Handwerksbetriebe aus der gewerblichen Wirtschaft (38 %) und von privaten Auftraggebern (36 %).

Es wird noch besser

Grundsätzlich blicken die E-Handwerke zuversichtlich auf das nächste Halbjahr: 28 Prozent gehen davon aus, dass sich die geschäftliche Lage verbessern wird. In der Summe erwarten die Unternehmen eine weitere Zunahme der Aufträge. Allerdings liegen diese Werte geringfügig (0,1 %) unterhalb der Aussichtsprognose aus dem vergangenen Frühjahr.

Wie auch in anderen Branchen öffnet sich die Schere zwischen Klein- und Großbetrieben. „Die Großen werden größer und die Kleinen werden kleiner“, resümiert Unternehmensberater Ulrich Heckner die Ergebnisse aus dem aktuellen „Busch-Jaeger Betriebsvergleich“, den Heckner für den Marktführer im Bereich Elektroinstallationstechnik mit Sitz in Lüdenscheid auswertet. Zahlen aus dem Betriebsvergleich stehen unten.

Branchentrends für Elektrohandwerke

Building Information Modeling (BIM)

Auch wenn viele BIM-Standards noch nicht definiert sind, wächst die Nutzung digitaler Werkzeuge zur Erhöhung der effektiven Planung und Durchführung von Bauprojekten. Die E-Handwerksunternehmen setzen sich zunehmend damit auseinander, welche Anforderungen die Ausweitung von BIM an sie stellen wird und welche Folgen für ihre Wertschöpfung entstehen.

Cybersicherheit

Technik muss funktionieren, aber auch sicher sein. Dies gilt auch für mit dem Internet verbundene intelligente Gebäude, denn Cyberangriffe sind nicht auf die klassischen Zielobjekte, wie den Computer oder die mobilen Kommunikationsgeräte beschränkt. Private und gewerbliche Kunden interessieren sich verstärkt für die Risiken. Die E-Handwerke bieten dafür Beratung und Sicherheitslösungen. Die Ist-Analyse erfolgt über den E-CHECK IT.

Energiemanagement

Der Einsatz von Batteriespeichern für Fotovoltaik-Strom hat aufgrund des Preisrückganges stark zugenommen. Mit einem intelligenten Energiemanagement lassen sich verstärkt Energien aus erneuerbaren Quellen und Speicherlösungen in das Energiesystem einbinden. Damit sinkt die Abhängigkeit von den öffentlichen Versorgern.

Elektromobilität

Ohne funktionierende Ladeinfrastruktur hat die Elektromobilität keine Zukunft. Nachdem der Fokus in den vergangenen Jahren stark auf den Aufbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur ausgerichtet war, wird nun – zum Hochlauf des Marktes – die Errichtung privater Ladeinfrastruktur stärker fokussiert. Dies ist eine Domäne der E-Handwerke.

Smart Home / Smart Building

Aufgrund des gewachsenen Kundeninteresses hat sich das Angebot an vernetzten Technologien stark verbreitert. Die E-Handwerke beraten über Technik, die zuverlässig funktioniert und sicher betrieben werden kann.

Qualifizierung

Die E-Handwerke haben gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium in einem Pilotprojekt die Integration moderner digitaler Inhalte in die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) mit positivem Ergebnis erprobt. In einem Neuordnungsverfahren wird auf die Schaffung eines speziell auf die neuen Anforderungen zugeschnittenen Berufes „Gebäudesystemintegrator“ hingewirkt, der mit erhöhten Eingangsanforderungen neben die bewährten Berufe treten, diese aber nicht ersetzen soll.

Softwareentwicklung

Elektrohandwerksunternehmen entwickeln zunehmend aus eigenem Bedarf Software-Lösungen (zum Beispiel neutrale Universalkonfiguratoren, Kommunikations-, Wissensvermittlungs- oder Lern-Apps). Diese Entwicklungen haben den Vorteil, dass sie die Erfahrung der Unternehmer in die Entwicklung einfließen lassen und sich an einem konkreten, praxisnahen Bedarf orientieren.

Betriebsvergleich: Die Kleinen werden kleiner, die Großen werden größer

Die Tabelle zeigt nach Betriebsgrößenklassen, dass in den Jahren 2012 bis 2016 kleinere Betriebe ein Umsatzminus von acht Prozent hatten, während größere Betriebe ein Umsatzplus von mehr als 36 Prozent hatten. Jahresleistung bedeutet Umsatz unter Berücksichtigung der Bestandsveränderung teilfertiger Arbeiten.

Entwicklung der Jahresleistung nach Betriebsgröße
(I–IV) in % I in % II in % III in % IV in % V in %
2012 100 100 100 100 100 100
2013 97,3 100 99,8 103,9 93,1 107
2014 98,6 89,1 96,2 106,9 95,2 115,2
2015 106,2 94,2 104,2 110,8 104,6 122,3
2016 110,6 92,0 108,0 119,7 107,2 136,6

Die Größenklassen (nach Jahresleistung in Euro): I = bis 500.000, II = 500.000 bis 1 Million, III = 1 bis 2,5 Millionen,
IV = 2,5 bis 10 Millionen, V = über 10 Millionen; Quelle: Busch-Jaeger Betriebsvergleich 2018

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