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Branchencheck Elektrohandwerk Klimaschutz, Energiewende und Elektromobilität: Elektrohandwerk trotz Corona im Aufwind

Man könnte den Eindruck gewinnen, die Coronapandemie ziehe nahezu spurlos an den Elektrohandwerken vorbei. Ganz so ist es nicht. Dennoch: Digitalisierung, Klimaschutz und Energiewende sowie der Ausbau der Elektromobilität lassen beste Prognosen zu.

Topic channels: TS Branchencheck, TS Zukunftsperspektiven im Handwerk, TS Smart Home, TS Elektromobilität und TS Energieeffizienz

Die Pandemie entpuppt sich als Brennglas, was Defizite etwa bei der Digitalisierung anbelangt. Aber auch andere Zukunfts­themen rücken aktuell in den Vordergrund: Klimaschutz, Energiewende oder der Ausbau der Elektromobilität – zum Vorteil der Elektrohandwerke. Denn ohne die 49.949 Unternehmen (in den Handwerken Elektrotechnik, Infomationstechnik und Elektromaschinenbau) mit insgesamt 515.715 Beschäftigten würden diese Themenkomplexe keine Umsetzung finden. Entsprechend gut gestimmt blickt die Branche in die Zukunft. ZVEH-Hauptgeschäftsführer Ingolf Jakobi: „Um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen und Deutschland bis 2050 klimaneutral zu machen, braucht es die Elektrohandwerke.“ Strom werde zum Hauptenergieträger und elektrohandwerkliches Know-how stark nachgefragt.

Unverdrossen und Optimistisch

Die jüngsten Umfragen des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) spiegeln den Optimismus und die Unverdrossenheit der Betriebe trotz Pandemie wider. Für 2021 rechnet die Branche mit einem erneuten Umsatzanstieg. Auch dürften die Beschäftigtenzahlen weiter steigen, da die Betriebe die Suche nach Fachkräften wieder aufgenommen haben. Selbst Unternehmen, die sich bislang noch verhalten geben, werden ihren Personalstand ausbauen. Auch die Zahl der Auszubildenden soll laut ZVEH weiter zunehmen vor dem Hintergrund der genannten Wachstumsmärkte. Nach Pandemie-Ende gebe es für die Unternehmen wieder bessere Akquisemöglichkeiten und für junge Menschen Optionen für die Berufsorientierung, wie etwa Praktika, Aus­bildungsmessen und Vorstellungsgespräche. Zudem versucht die Branche mit dem neu geschaffenen Beruf des Elektronikers/der Elektronikerin für Gebäudesystemintegration das Aufgabenfeld „Gebäudeautomation“ weiter zu erschließen. Die Zahl der Betriebe allerdings wird künftig weiter zurückgehen, was mit dem Wandel der Branche zu tun hat: Die Betriebsgöße nimmt zu, während sich die Zahl der Betriebe konsolidiert.

Diese Trends befeuern das E-Handwerk

  • Elektromobilität
    Durch den Ausbau der Elektromobilität, der aktuell durch die Klimadebatte und staatliche Förderprogramme Rückenwind erhält, verzeichnet die Branche eine hohe Nachfrage für die Installation von Ladeinfrastruktur, inzwischen auch im privaten Sektor. Mittelfristig ist laut ZVEH mit der Wartung und Reparatur dieser Anlagen zu rechnen.
  • Smart Home
    Gebäudeautomation und vernetzte Haustechnologien sind kein Nischenmarkt mehr. Datenökonomie und datenbasierte After-Sales-Services wie Predictive Maintenance (übersetzt: vorausschauende Wartung/Instandhaltung) werden immer wichtiger.
  • Digitalisierung/Wirtschaft 4.0
    Dienstleistungen der Elektrohandwerke bringen den digitalen Wandel voran und legen die Basis für die Märkte der Zukunft. Gut für die Branche: Dank Digitalisierungsinitiative steigt die Nachfrage im Breitbandausbau, aber auch bei der weiterführenden Inhouse-Verkabelung.
  • Energiemanagementsysteme
    Das Bewusstsein für den Energieverbrauch steigt vor dem Hintergrund des Klimawandels und steigender Energiepreise. Immer häufiger werden im Rahmen von Smarthome auch Energiemanagementsysteme nachgefragt und auf Wunsch installiert.
  • Fotovoltaik
    Auch steigt das Interesse, den Energiebedarf in Eigenheim oder Betrieb selbst zu decken. Erneuerbare Energien erleben einen Boom, Kunden fragen leistungsfähige Fotovoltaikanlagen nach und passende Speichertechno-logien, etwa für den so produzierten Strom.
  • Sicherheitstechnologien
    Sicherheitstechnologien sind ein großes Thema – ob Einbruchschutz für Haus oder Wohnung oder Schutz vor Cyberkriminalität für das Gebäudenetzwerk. Auch Privatkunden fragen inzwischen nach, wie sie ihre Daten vor Hackerangriffen schützen können.
  • Ambient Assisted Living/Smart Health
    Die Elektrohandwerke unterstützen zunehmend bei Ambient Assisted Living und Smart Health, was soviel heißt, wie das alltägliche Leben älterer oder behinderter Menschen zu erleichtern oder bei der Gesundheitsvorsorge zu unterstützen.

Konjunkturindikatoren: Es geht wieder bergauf, belegt der Vergleich der Daten aus den letzten Umfragen der Branche (Februar 2020 bis März 2021)

Konjunkturindikatoren

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Der Umsatz wächst, die Beschäftigtenzahl steigt, nur die Anzahl der Betriebe geht zurück

Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) rechnet mit weiter steigenden Umsätzen. Klimaschutz, Energiewende und Digitalisierung rücken stärker in den Vordergrund. Hinzu kommt der Ausbau der E-Mobilität. Die Folge: mehr Personalbedarf. Die Betriebsgrößen nehmen zu, die Anzahl der Betriebe dagegen sinkt.

Umsatz
Jahr Umsatzentwicklung (in Mrd. Euro)
2017 59,2
2018 62,2
2019 66,1
2020 68,4
Beschäftigte
Jahr Beschäftigte
2017 497.544
2018 509.833
2019 510.977
2020 515.715
Auszubildende im Elektrohandwerk
Jahr Auszubildende im Eelektrohandwerk
2017 41.511
2018 43.250
2019 44.746
2020 45.284
Anzahl der Betriebe
Elektrohandwerk

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