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Ein Pass für jedes Haus

Gebäudeenergieausweis | Zeig mir Dein Haus, und ich sag Dir, wie viel Du verbrauchst! Ab 2008 wird das Energieeffizienzlabel für Vermieter und Verkäufer endgültig zur Pflicht.

„...und was braucht Deins auf den Quadratmeter?“ Der Werbespruch der Deutschen Energie-Agentur (dena) ist für den Isoliermeister Dieter Bindel aus Waiblingen bei Stuttgart der Schlüssel zu einem neuen Geschäftsfeld geworden. Mit der Weiterbildung zum Gebäudeenergieberater im Handwerk gelang es ihm, über den gewerkeeigenen Tellerrand zu schauen und sich energetisches Wissen anzueignen. Seit 1998 führt er Energieberatungen in Wohngebäuden durch. Vom aktuellen Referentenentwurf zur Energieeinsparverordnung (EnEV 2007) ist er wenig begeistert. Der Gebäudeenergieausweis, der ab 2008 für Vermieter und Verkäufer von Immobilien zur Pflicht wird, komme „wie ein zahnloser Tiger“ daher. Erlaubt der Entwurf doch die wahlweise Ausstellung des Ausweises auf Basis von Bedarfs- oder Verbrauchswerten, wenn auch nicht für Gebäude mit bis zu vier Wohneinheiten, die vor 1978 errichtet wurden. Bis zum Inkrafttreten der neuen Energieeinsparverordnung gilt die Wahlfreiheit allerdings auch für diese Gebäude.

Wenn Dieter Bindel ab dem kommenden Jahr bedarfsorientierte Energieausweise ausstellt, wird er dafür die vorhandene Gebäude- und Anlagentechnik unter energetischen Gesichtspunkten, unabhängig von der Art der Nutzung, dem Standort und den Witterungseinflüssen bewerten. Damit er den Ausweis ordnungsgemäß erstellen kann, benötigt er neben Grundriss- und Ansichtszeichnungen des Gebäudes Angaben zu Warmwasserversorgung und Heizung, optional Detailzeichnungen von Dachaufbau und Mauerwerk sowie Angaben zu bereits durchgeführten Modernisierungen. Für einen Verbrauchsausweis wird sich der 47-Jährige lediglich am Energieverbrauch des Objektes orientieren müssen, der sich einfach aus den Werten der Heizungskostenabrechnung errechnen lässt. Für Energieberater Bindel steht damit fest, dass „mit der Wahlfreiheit das energetische Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft wird, denn der Ausweis ersetzt keine Energieberatung“. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er bisher noch keinen einzigen Verbrauchsausweis ausgestellt hat, „schließlich liefert dieser Ausweis keine Grundlagen für eine spätere Sanierung“. Aber genau das sieht Paragraf 20 des Referentenentwurfs zur Energieeinsparverordnung vor: Sind Maßnahmen für kostengünstige Verbesserungen der energetischen Eigenschaften des Gebäudes möglich, hat der Aussteller des Energieausweises dem Eigentümer anlässlich der Ausstellung eines Energieausweises entsprechende begleitende Empfehlungen auszustellen (Modernisierungsempfehlungen). Für die zwei möglichen Ausweisvarianten heißt das konkret: Mit der Ausstellung des Bedarfsausweises hat der Berater die Möglichkeit, objektspezifische Hinweise zu geben, im Falle eines verbrauchsorientierten Passes wird sich das auf allgemeine Empfehlungen in Form von Checklisten beschränken.

Nur mit Zusatzqualifikation

Um einen der zehn Jahre gültigen Ausweise überhaupt ausstellen und entsprechende Modernisierungsempfehlungen geben zu können, benötigt man eine in der Energieeinsparverordnung vorgeschriebene Grundausbildung und eine Zusatzqualifikation. Dafür sieht der Referentenentwurf ein Zwei-Säulen-Modell vor. Demnach sind Hochschul- und Fachhochschulabsolventen sowie Innenarchitekten, Handwerksmeister und staatlich anerkannte Techniker ausstellungsberechtigt. Für die drei Letztgenannten legt die Verordnung einschränkend fest, dass die Energieausweise lediglich für bestehende Wohngebäude ausgestellt werden dürfen. Für alle ausstellungsberechtigten Berufsgruppen gilt aber, dass zusätzliche Qualifikationen zu erbringen sind. Dazu gehört für Absolventen entweder ein Ausbildungsschwerpunkt im Bereich des energiesparenden Bauens oder aber eine mindestens zweijährige Berufserfahrung. Handwerksmeister und Techniker müssen eine Weiterbildung auf dem Gebiet des energiesparenden Bauens oder aber eine Bauvorlageberechtigung vorweisen können. Die Weiterbildung zum Gebäudeenergieberater im Handwerk, wie sie Dieter Bindel absolvierte, wird von den Handwerkskammern berufsbegleitend oder in Vollzeit angeboten. Während der etwa 200 Stunden umfassenden Kurse werden den Teilnehmern unter anderem Inhalte zu den Themen Energieversorgung und regenerative Energietechniken, Bau-, Heiz- und Lüftungstechniken sowie Modernisierungsplanung vermittelt.

Test im Feldversuch

Wer umfassende Sanierungen an seinem Haus vornimmt, benötigt bereits nach der geltenden Energieeinsparverordnung (EnEV 2004) einen Energieausweis. Diese wurden von der Deutschen Energie-Agentur seit 2004 in einem Feldversuch in etwa 30 Testregionen ausgestellt. Als Teilnehmer im dena-Feldversuch konnte auch Dieter Bindel die Akzeptanz des dena-Energieausweises im Markt testen und so „einen Frühstart hinlegen“. Und als erster Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Gebäudeenergieberater Baden-Württemberg sieht er für die Zukunft eine große Nachfrage auf die Energieberater zukommen. Dieser Nachfrage wollen die Energieberater im Handwerk, die im Bundesverband der Energieberater organisiert sind, mit definierten Qualitätsstandards begegnen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden und weil die Berufsbezeichnung „Energieberater“ bisher nicht geschützt ist, haben die Verbände der Gebäudeenergieberater ein Zertifizierungssystem aufgesetzt. Neben einer Verpflichtung auf bestimmte Standards, orientiert sich der „Zertifizierte Gebäudeenergieberater“ an einen Ehrenkodex. Dieser verpflichtet ihn zu einer neutralen und unabhängigen Beratungstätigkeit gegenüber den Kunden. Aber ob zertifiziert oder nicht, die Ausstellung eines Energieausweises zu den von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee genannten Preisen von 40 bis 120 Euro hält auch Dieter Bindel nicht für möglich. „Für einen Bedarfsausweis sollte man schon um die 300 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer einkalkulieren.“

andrea.moerke@handwerk-magazin.de

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