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Betrieb des Monats Solartechnik: Vorzeigebetrieb für energieautarke Häuser

Das Haus, in dem Rita und Markus Hörmann leben, produziert seine eigene Energie. So sparen die Gründer von Hörmann Solartechnik nicht nur Stromkosten, sie schonen auch die Umwelt. Und sie leben vor, was sie ihren Kunden empfehlen und verkaufen: Ein ganzheitliches ökologisches Engergiekonzept für ihr Haus.

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Igendwann zwischen Ende Oktober und Anfang November erhält Rita Hörmann meist eine Nachricht auf ihr Handy. Sie lautet: Die Brennstoffzelle hat die Stromversorgung ihres Hauses übernommen. Sämtliche benötigte Energie ihres Haushalts produzieren Rita und Markus Hörmann emissionsfrei selbst. Im Sommer wird aus überschüssiger Sonnenenergie Wasserstoff produziert und gespeichert, der im Winter mit einer Brennstoffzelle wieder in Strom gewandelt wird. Als “Abfallprodukt” wird Wärme erzeugt, die über eine zentrales Lüftungssystem im Haus verteilt wird.

Ein energieautarkes Haus ist machbar

Dieses Angebot richten die Hörmanns auch an ihre Kunden: Sie versprechen eine 100 %-ige Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz per Wasserstoff. Dies gelinge mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach und an der Fassade, einem Energiespeicher mit Lithium-Ionnen-Technologie als Backup-System, einem Wasserstoffspeicher und sinnvollen Ergänzungen, wie etwa guter Dämmung des Gebäudes oder Smart-Home-Technik, um die Verbräuche im Haus sinnvoll aufeinander abzustimmen.

So geht die Stromversorgung aus erneuerbaren Energien

Rita Hörmann und ihr Mann Markus sind die Gründer von Hörmann Solartechnik in Zusmarshausen und Pioniere im Bereich Hausversorgung durch erneuerbare Energien. „Unser Unternehmen“, sagt Rita Hörmann, ist ein Handwerksbetrieb Plus. Wir sorgen dafür, dass Stromversorgung aus erneuerbaren Energien für unsere Kunden machbar und bezahlbar ist – und wir treten mit unserem eigenen Haus den Beweis an, dass das auch funktioniert."

2002 starteten die Eheleute mit Photovoltaik-Modulen, dann kam die Speichertechnik hinzu und jüngst die Langzeitspeicherung. Die Technik, die sie einbauen und selbst benutzen, besteht aus Solarzellen, einem Akku, einem Elektrolyseur, einer Brennstoffzelle und Wasserstofftanks. Im Sommer produziert die Anlage überschüssigen Strom, der im Akku gespeichert und im Elektrolyseur in Wasserstoff umgewandelt wird. Im Winter erzeugt die Brennstoffzelle aus dem Wasserstoff wieder Strom.

Wie alles begann

Ausgangspunkt der Überlegungen zu einem energieautarken Haus war, dass mit einer PV-Anlage über den „Jahresverlauf“ mehr Energie produziert werden kann, als im Gebäude verbraucht wird. Die Energieverläufe sind jedoch gegenläufig. Im Sommer ist ein „Energieüberfluss“ vorhanden und im Winter wird deutlich mehr Energie benötigt, als produziert wird. Für dieses Problem hat Firma Hörmann Solartechnik eine Lösung gesucht und gefunden. An Tagen mit Überschussenergie kann die nicht benötigte Energie in den zwei Batterien oder durch den Elektrolyseur in Form von Wasserstoff gespeichert werden. Im Sommer wird die Energie fast ausschließlich durch die Photovoltaikanlage bereitgestellt. Die Brennstoffzelle wird deshalb im Sommer kaum benötigt. Tagsüber werden die Batterien aufgeladen und versorgen das Gebäude über die Nacht mit Strom. Während der Sommermonate wird der Strom, der weder verbraucht noch in die Batterien eingespeichert werden kann, mit Hilfe des Elektrolyseurs in Wasserstoff umgewande lt und dient als Langzeitspeicherung für die Wintermonate. Die beim Elektrolyseprozess entstehende Wärme wird über die Wasserkühlung des Elektrolyseurs mit Hilfe eines Wärmetauschers in den Pufferspeicher geleitet und dient so zusätzlich zur Erwärmung des Brauchwassers im Sommer.

Stromausfall Fehlanzeige

Das Haus der Hörmanns kommt ohne Anschluss an das öffentliche Stromnetz aus – einen Stromausfall gab es noch nie. Ganz im Gegenteil: Die Anlage produziert so viel Strom, dass auch die Elektroautos der Familie geladen werden können und Wasser und Heizung warm sind.

Die Umsetzung im Eigenheim brachte ihnen den Bundesinnovationspreis 2019 ein. Im f irmeneigenen Umwelt- und Energiezentrum informieren sich interessierte Besucher, Bauherren, Architekten und Handwerker über die Möglichkeit, Energie emissionsfrei zu erzeugen und zu speichern.

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