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Finanzierung und Leasing Elektrotransporter: Finanzierungsmodelle für E-Nutzfahrzeuge auf einen Blick

Mit der wachsenden Modellpalette an batteriebetriebenen ­Nutzfahrzeugen bis 3,5 Tonnen kommen die Leasing- und ­Finanzierungsangebote ins Rollen. Förderprogramme und ­Unterstützung der Hersteller machen die E-Transporter auch für kleine und mittlere Handwerksbetriebe interessant. Nutzen Sie unsere große Übersicht für KMU.

Topic channels: TS Fuhrpark, TS Elektromobilität und TS Leasing

Elektro Obernauer aus Ladelund hat etwas geschafft, was hierzulande kaum einem Unternehmen gelingt: Die Nordfriesen haben ihren Fuhrpark komplett auf Elektrofahrzeuge umgestellt. Darunter befinden sich seit Ende 2015 zwei Nissan E-NV200 sowie seit Juni vergangenen Jahres ein E-Vivaro, ein Umbau auf Opel-Basis der Firma I See Electric Trucks.

Der Wandel rechnet sich zumindest schon bei den beiden Nissan. „Im Vergleich zu den vorher gefahrenen Verbrennern habe ich ein fünfjähriges Mittel der Gesamtkosten gebildet und festgestellt, dass wir jetzt zwischen 1.500 und 2.000 Euro pro Fahrzeug im Jahr sparen – ohne Förderungen“, sagt Betriebsinhaber Jan Obernauer. Mit den E-Transportern legten er und die Mitarbeiter bisher rund 50.000 Kilometer zurück. „Wir laden die Fahrzeuge an den Ladesäulen auf unserem Gelände. Das reicht für 98 Prozent unserer Wege.“

Subventionen nutzen

Bei der Beschaffung hat der Elektromeister die verschiedenen Varianten abgewogen und sich bei den drei leichten Nutzfahrzeugen für Finanzierungen entschieden. Dabei zahlt er über 60 Monate in Raten jeweils einen Betrag abzüglich der Förderungen. Während die Nissan bei der Herstellerbank laufen, ist der E-Vivaro über die Hausbank finanziert. Laut Obernauer haben beide im Vergleich zu anderen Anbietern das beste Angebot gemacht.

Interessant: Einen Umweltbonus bekam er für kein Modell. „Bei den Nissan gab es zum Zeitpunkt der Anschaffung noch keinen Umweltbonus, und der E-Vivaro wird als Sonderfahrzeug geführt, weshalb auch kein Umweltbonus erhältlich war“, erläutert der Firmenchef. Dafür erhielt er Gelder aus Förderprogrammen des Bundes. Für die Nissan gab es aus einem Topf des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) 50 Prozent der Mehrkosten gegenüber den vergleichbaren neuen Verbrennerfahrzeugen und damit jeweils 8.250 Euro. Für den E-Vivaro flossen 32.000 Euro als Zuschuss. Das entspricht 60 Prozent der Mehrkosten gegenüber dem vergleichbaren Verbrenner. „Bei beiden Programmen ist es Bedingung gewesen, dass die Fahrzeuge erworben werden. Leasing ist daher von vornhe-rein ausgeschieden“, so Obernauer.

Alternativen zum Kauf abwägen

Gleichwohl wird auch das Leasing mit verschiedenen Instrumenten gefördert. Das beinhaltet zum Beispiel den Umweltbonus. Hier wird der Eigenanteil des Automobilherstellers für die BAFA-förderfähigen Fahrzeuge im Leasingvertrag zum Abzug gebracht. Für ein reines Batterieelektrofahrzeug sind das 3.000 Euro bei einem BAFA-Nettolistenpreis von maximal 40.000 Euro sowie 2.500 Euro bei über 40.000 bis 65.000 Euro. Bei Plug-in-Hybriden beläuft sich der Herstelleranteil auf 2.250 Euro bei einem BAFA-Nettolistenpreis von maximal 40.000 Euro und 1.875 Euro bei über 40.000 bis 65.000 Euro. Zudem ist die Gewerbesteuer für gemietete oder geleaste Elektro- und ­Hybridfahrzeuge sowie Räder bis 2030 halbiert.

Ein Argument für Finanzierungen kann wiederum die Sonder-AfA von 50 Prozent für E-Nutzfahrzeuge im ersten Jahr der Anschaffung sein – zusätzlich zur regulären linearen Abschreibung. Banken und Leasinggesellschaften unterstützen auch – je nach Strategie – die Alternativen zum Kauf. Hinzu kommen oft noch die Förderungen von Bund, Ländern und Kommunen.

Erfahrene Partner wählen

Dass insbesondere Leasing ein probates Mittel für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist, um E-Transporter nutzen zu können, meint Arno Städtler. Der Leasingexperte und vormals Investitionsforscher am Ifo Institut in München begründet: „Durch die permanente Weiterentwicklung der Elektroantriebe kommt es zu Innovationssprüngen, wodurch Modelle schnell veralten können.“ Dieses Risiko minimiere ein Handwerksbetrieb mit Leasing, weil das E-Fahrzeug nach Ende der Vertragslaufzeit zurückgeht und der Leasinggeber das Vermarktungsrisiko trägt. Bei der Auswahl des Geschäftspartners rät Städtler dazu, sich einen erfahrenen Experten an Bord zu holen. Dieser sollte wissen, wohin bei den neuen Technologien die Reise geht, und dazu auch Dienstleistungen anbieten. Für ihn ist damit etwas Wichtiges gewährleistet: „Da die Leasinggeber dann über die gesamte Laufzeit im Risiko stehen, werden sie darauf achten, dass die Fahrzeuge laufen und praxistauglich sind.“

Wer sich für nachhaltige Mobilität bei den Nutzfahrzeugen interessiert und diese fördern will, sei mit Leasing daher auf der sicheren Seite – auch wenn es im Vergleich zur Finanzierung vielleicht den einen oder anderen Euro mehr koste. Die volle steuerliche Absetzbarkeit der Leasingraten sollte man dabei nicht außer Acht lassen.

Bedarf bestimmt die Beschaffung

Ein Unternehmen, das die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten für KMU durchleuchtet und auch Angebote für Elektronutzfahrzeuge einholt, ist Fincompare aus Berlin. Die digitale Plattform kooperiert dazu mit über 250 Banken, Leasinggesellschaften und anderen Finanzdienstleistern. Doch bevor Martin Junker, Leiter Leasing bei Fincompare, mit Anfragen startet, ermittelt er Kenndaten. „Wie viele Kilometer fährt der Nutzer pro Tag? Für was wird das Fahrzeug eingesetzt? Und will er es zum Ende der Vertragslaufzeit übernehmen? Das sind die ersten Fragen an meine Kunden“, betont Junker.

Gute Option für Handwerker

Bisher hat er kaum einen Handwerker kennengelernt, der mehr als 100 Kilometer pro Tag fährt. Deshalb sind seiner Meinung nach E-Transporter nicht zuletzt durch steigende Reichweiten und der Förderungen eine reelle Option. Junker: „Ziel der Analysen ist es, die individuellen Kosten-Nutzen-Faktoren zu identifizieren, um die beste Finanzierungsform zu finden.“

Ob es nun Finanzierung, Leasing, Mietkauf oder Langzeitmiete wird: Die Betriebe möchten ihre Liquidität schonen. Laut Junker wollen viele das Fahrzeug mit Ende der Fremdfinanzierung aber übernehmen. „Warum sollte der E-Transporter auch nicht länger gefahren werden? Die Praxis zeigt ja, dass E-Fahrzeuge 500.000 Kilometer und mehr schaffen“, betont der Finanzexperte.

Die Anforderungen lassen ihn meist Leasingvarianten empfehlen, die dem Kunden Entscheidungsspielraum gewähren. Damit steht es dem Kunden nach Ablauf der Vertragslaufzeit frei, ob er den E-Transporter kauft, den Leasingvertrag noch mal um zwölf oder 24 Monate verlängert, das Fahrzeug zurückgibt und ein neues bestellt oder es selbst veräußert. Die Vermarktung in Eigenregie sieht Junker nicht kritisch: „In drei bis vier Jahren wird es für die Modelle einen Gebrauchtwagenmarkt geben.“

E-Transporter als Rental testen

Jan Obernauer hält die Modellpalette der Hersteller im Handwerk ebenfalls für einsatzbereit. „Mittlerweile sind sowohl die Reichweiten für viele Betriebe ausreichend als auch die Haltbarkeit der E-Transporter so langlebig, dass sie wie bei uns über fünf Jahre finanzierbar sind und die Mehrkosten dafür über die Laufzeit durch den geringen Serviceaufwand wieder eingespart werden können.“ Interessierte sollten daher keine Scheu haben und die Stromer im Arbeitsalltag für längere Zeit testen. Im Bereich der batteriebetriebenen Nutzfahrzeuge können Unternehmen dazu auf Autohäuser, -vermieter oder spezialisierte Anbieter wie Maske Fleet zurückgreifen. „Man muss sich einfach mal mit der Elektromobilität beschäftigen und sie erfahren, sonst wird das nichts“, resümiert Jan Obernauer.

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