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Fördermittel Digitalisierung: Diese finanzielle Förderung gibt es

Die bundesweite Initiative 'Digital jetzt' ist für kleine und mittlere Betriebe gedacht. Sie winkt mit Zuschüssen bis zu 50.000 Euro. Hier steht, wie Handwerker an die Gelder kommen: Voraussetzungen, Antragstellung, Förderhöhe.

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Martin Lundborg leitet die Begleitforschung von Mittelstand-Digital

Warum das Handwerk gefördert werden soll

"Mehrere aktuelle Studien belegen, dass eine Digitalisierungslücke im deutschen Mittelstand besteht", sagt Martin Martin Lundborg, Leiter der Begleitforschung von Mittelstand-Digital, einem Förderschwerpunkt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Dabei existiere ein deutlicher Abstand zwischen sogenannten Vorreitern der Digitalisierung und Nachzüglern. "Rund 52 Prozent der mittelständischen Unternehmen sind „durchschnittlich“, 29 Prozent „niedrig“ und nur 19 Prozent „hoch“ digitalisiert", erklärt Martin Lundborg. Der Mittelstand partizipiere zu wenig an den Möglichkeiten der Digitalisierung. Gleichwohl nehmen digitale Technologien, digitalisierte Wertschöpfungsprozesse und neue digitale Geschäftsmodelle (beispielsweise Plattformökonomien) immer mehr an Bedeutung zu: 60 Prozent der deutschen KMU und 75 Prozent der gesamten gewerblichen Wirtschaft geben an, dass digitale Technologien für sie eine mittelgroße bis sehr große Bedeutung haben. "Ein digitalisierter Betrieb ist ja auch spannender für den Nachwuchs - Handwerksunternehmer können so dem Nachwuchs- und Fachkräftemangel entgegenwirken", so Lundborg. Unternehmer könne es so gelingen, das Handwerk attraktiver zu machen.

Diese Vorhaben beschäftigen das Handwerk

Christoph Krause vom Kompetenzzentrum Digitales Handwerk weiß, womit sich die Handwerksunternehmer aktuell am meisten beschäftigen: " Prozessoptimierung und Automatisierung – das ist die größte Nachfrage bei uns", erzählt er. Aber auch Fragen zur digitalen Kommunikation mit dem Kunden werden ihm oft gestellt. "Die Handwerksunternehmer wollen Service mit Mehrwert für ihre Kunden. Bei der Zielerreichung helfen wir." Weitere Felder sind die Vernetzung der Beteiligten in einer Produktionskette sowie additive und digitale Fertigungsmethoden. "Nur rund 15 Prozent der Handwerker sind digitale Macher. Sie gehen einen Schritt weiter und bieten gleich ein digitales Geschäftsmodell an", erzählt Krause. Er wirbt für den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI): "Die muss kein Handwerker selbst entwickeln - aber viele könnten die weit über 1.000 KI-Anwendungen nutzen. "Eine Heizung weiß und kann heute alles. Woran es hapert, ist die Umsetzung in der Praxis. Das ist ein riesen Potenzial für Heizungsfachleute", so Krause.

Digital Jetzt - wer wird gefördert?

Zielgruppe für das neue Programm sind kleine und mittelständische Betriebe und das Handwerk. Der Betrieb sollte mindestens drei und maximal 499 Beschäftigte haben. Geld wird für die Digitalisierung des Betriebes vergeben: Handwerker, die in Soft- oder Hardware investieren oder ihre Mitarbeiter in digitalen Kompetenzen schulen wollen, sind antragsberechtigt. "Es gibt die Aktiven, die sprechen uns an", erzählt Christoph Krause. "Die wissen, was sie wollen." Sein Anliegen ist es aber, auch die anderen mitzunehmen. "Jeder Unternehmer sollte die digitalen Chancen nutzen - auch ein Zwei-Mann-Betrieb", sagt er. Wichtig ist ihm, dass keiner Angst davor hat, programmieren zu müssen: "Das übernehmen die Systeme", gibt er Entwarnung. Seine Aufgabe sei es, mit dem Unternehmer zu definieren, was er erreichen möchte, um dann mit ihm ein Modell zu entwickeln, das die Zielerreichung ermöglicht. "Wir reden auf Augenhöhe mit den Handwerkern, wir sind viel vor Ort, um zu verstehen, wie die Praxis des einzelnen Betriebes aussieht." Das Programm Digital jetzt gewährt Zuschüsse bis zu 50.000 Euro, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Sie sind nach Unternehmensgröße gestaffelt. Die Unternehmen haben in der Regel zwölf Monate Zeit, ihr gefördertes Digitalisierungsprojekt umzusetzen. Die Auszahlung des Zuschusses erfolgt nach erfolgreicher Verwendungsnachweisprüfung.

Voraussetzungen:

  • Der Betrieb muss eine Betriebsstätte oder Niederlassung in Deutschland haben, in der die Investition erfolgt.
  • Das Vorhaben darf zum Zeitpunkt der Förderbewilligung noch nicht begonnen haben.
  • Nach der Bewilligung muss es in der Regel innerhalb von zwölf Monaten umgesetzt werden.
  • Das Unternehmen muss die Verwendung der Fördermittel nachweisen können.

Die Antragstellung - so geht's

Um die Förderung zu erhalten, müssen Betriebe einen Digitalisierungsplan erstellen. Wer bei der Antragerstellung Unterstützung haben möchte, kann sich an das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk wenden. Die Zentren unterstützen KMU bei der Vernetzung und der Einführung von Industrie 4.0-Anwendungen. Durch Information, Demonstration, Qualifizierung, Konzipierung und Umsetzung werden die Anforderungen des Mittelstands berücksichtigt und existierendes Wissen, speziell zu digitalen Technologien, in der Sprache des Mittelstandes aufbereitet. Die Zentren werden vom BMWi gefördert, der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist Teils des Konsortiums des Zentrum Digitales Handwerk. Ihre Leistung bieten die Kompetenzzentren kostenlos an. "Wir wollen Mut machen, uns anzusprechen. Die Betriebe haben sehr unterschiedliche Digitalisierungsstände - wir können helfen. Und wir haben ein Netzwerk, das ist das Wichtigste für die Handwerker" wirbt Christoph Krause für seine Dienstleistung.

Der Antrag beschreibt

  • das Digitalisierungsvorhaben
  • die Art und Anzahl der Qualifizierungsmaßnahmen
  • den aktuellen Stand der Digitalisierung im Unternehmen und die Ziele, die mit der Investition erreicht werden sollen
  • stellt beispielsweise dar, wie die Organisation im Unternehmen effizienter gestaltet wird
  • wie sich das Unternehmen neue Geschäftsfelder erschließt
  • wie das Unternehmen ein neues Geschäftsmodell entwickelt und/oder seine Marktposition gestärkt wird.

Die Kompetenzzentren sollen weitergeführt werden

Die Kompetenzzentren helfen mit ihren über 130 Standorten dem Handwerk. "Wir kooperieren mit Unis, Kammern und Fachhochschulen. Rund 1000 Personen unterstützen uns, 500 von ihnen sind sehr aktiv. Das ist ein riesen Netzwerk, das vor Ort bei den Unternehmen ist", erzählt Krause. Doch die Finanzierung durch das BMWi läuft wie geplant zum Jahresende aus. Die neue Ausschreibung ist aber bereits da, so dass auch weiterhin das Angebot der Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren fortgeführt wird und das Handwerk bei der Digitalisierung unterstützt wird. "Für uns gibt es weiterhin viel zu tun und wir finden es wichtig, dass die Förderung unserer Arbeit weitergeht", sagt Krause.

Links, die Handwerkern weiterhelfen

  • Mittelstand-Digital
https://www.mittelstand-digital.de/MD/Redaktion/DE/Artikel/Themenbuehne/online-angebote.html
  • Orientierungshilfen bei den Hilfsprogrammen
https://www.estandards-mittelstand.de/artikel/n/coronavirus-hilfsprogramm/
  • Überblick über Sofortfinanzierungshilfen
https://gemeinsam-digital.de/finanzierung-in-der-coronakrise/
  • Homeoffice Erste-Hilfe-Kit für Mittelständler
https://www.kompetenzzentrum-usability.digital/angebote/demonstratoren/social-distancing-social-awareness/erste-hilfe-kit-fuer-erfolgreiches-verteiltes-arbeiten
  • telefonische Sprechstunden und E-Learning-Angebote, beispielsweise zu KI- Themen
https://gemeinsam-digital.de/anmeldung-ki-sprechstunde/
  • smarte Sensorik und vernetzte Produktion

https://www.kompetenzzentrum-textil-vernetzt.digital/presse/presse-artikel/details/textil-vernetzt-richtet-telefonische-sprechstunden-der-partner-ein.html

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