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Diebstahlsverdacht: Auch Auszubildende können gekündigt werden

Verdächtigt ein Handwerksunternehmen einen Auszubildenden des Diebstahls von Betriebsvermögen, kann er ihn auch ohne rechtskräftige Verurteilung kündigen. Was dabei rechtlich zu beachten ist, hat das Bundesarbeitsgericht in einer neuen Entscheidung klargestellt.

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Der Fall betraf einen Banklehrling, der nach rund einem Jahr Ausbildung fristlos gekündigt worden war. Der Grund: Nachdem er das Nachttresorgeld gezählt hatte, fehlten 500 Euro. Der Arbeitgeber konfrontierte ihn mit dieser Tatsache in einem Personalgespräch, nannte aber die konkrete Höhe des Fehlbetrags nicht. Die plauderte der Auszubildende im Laufe des Gesprächs selbst aus. Daraus zog der Arbeitgeber den Schluss, dass der Auszubildende den Betrag geklaut haben könne und schmiss ihn raus.

Fortsetzung der Ausbildung objektiv unzumutbar

Recht so, meinten sowohl die Vorinstanzen als auch das Bundesarbeitsgericht (Az.: 6 AZR 845/13). Der dringende Verdacht einer schwerwiegenden Pflichtverletzung des Auszubildenden kann danach einen wichtigen Grund zur Kündigung des Berufsausbildungsverhältnisses nach § 22 Abs. 2 Nr. 1 Berufsbildungsgesetz darstellen, wenn der Verdacht auch bei Berücksichtigung der Besonderheiten des Ausbildungsverhältnisses dem Ausbildenden die Fortsetzung der Ausbildung objektiv unzumutbar macht.

Das bejahten die Richter im vorliegenden Fall.  Die Verdachtskündigung habe das Ausbildungsverhältnis beendet. Es bedurfte weder einer vorherigen Bekanntgabe des Gesprächsthemas noch eines Hinweises bezüglich der möglichen Kontaktierung einer Vertrauensperson. Auch Datenschutzrecht stand der Beweiserhebung und –verwertung des Inhalts des Personalgesprächs nicht entgegen.

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