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EEG 2018 Die Umlage sinkt auf 6,792 Cent

Erstmals seit 2015 sinkt die Umlage für Ökostrom wieder. Sie wird 2018 bei 6,792 Cent pro Kilowattstunde liegen. In diesem Jahr liegt die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) bei 6,88 Cent.

Themenseite: EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz)

Die Umlage für Ökostrom (EEG-Umlage) sinkt im nächsten Jahr. Sie wird 2018 bei 6,792 Cent pro Kilowattstunde liegen, darauf haben sich die vier Übertragungsnetzbetreiber verständigt. In diesem Jahr liegt die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) bei 6,88 Cent. Ob das für Verbraucher Einsparungen beim Strompreis bringt, ist noch nicht zu beurteilen, da neben dem Einkaufspreis für Strom, Steuern, Abgaben und Umlagen auch die Gebühren zur Nutzung des Stromnetzes den Endpreis bestimmen.

Keine Freude beim Handwerk

„Es ist erst einmal eine gute Botschaft, dass die EEG-Umlage im kommenden Jahr geringfügig sinkt, nachdem sie in den vergangenen Jahren nahezu durchgängig und mit hoher Dynamik gestiegen ist", erklärt dazu Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Freude könne darüber allerdings nicht aufkommen, weil das Netzentgelt umso deutlicher steige, und zwar teilweise im zweistelligen Prozentbereich, so Schwannecke. Außerdem ließen alle Prognosen erwarten, dass die EEG-Umlage bereits 2019 wieder steigen werde.

Nach dem Willen des Handwerks sollte die Förderung der Erneuerbaren Energien generell aus den Mitteln des Bundeshaushaltes erfolgen. Die gesamte EEG-Umlagesumme von derzeit rund 25 Milliarden Euro jährlich sollte schrittweise in den jährlichen Bundeshaushalt überführt werden, ohne dass Privathaushalte und Unternehmen an anderer Stelle durch höhere Öko-, Strom- oder eine neue CO2-Steuer belastet werden. Für erneuerbare Energien-Anlagen, die neu errichtet werden, sollte die Förderung rasch abgeschafft werden. Was die Netzentgelte anbelangt, kann es aus ZDH-Sicht nicht sein, dass regional anfallende Mehrkosten der Erdverkabelung bundesweit über steigende Netzentgelte auf die Betriebe und Privathaushalte umgelegt werden.

Die wichtigsten Änderungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, wurde im Jahr 2000 eingeführt und in der Zwischenzeit mehrfach reformiert. Das Ziel ist aber immer gleich geblieben: die Weiterentwicklung von Technologien zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien zu fördern.

Seit Anfang des Jahres ist das EEG 2017 mit wesentlichen Neuerungen in Kraft. Die gute Nachricht: Mehr Wettbewerb soll die staatliche Förderung verringern, weil künftig Projekte ausgeschrieben werden und nur die wirtschaftlichsten Subventionen erhalten. Die schlechte Nachricht: Die EEG-Umlage, mit der die erneuerbaren Energien gefördert werden, wird nicht sinken, Strom wird also sowohl für Privatkunden als auch für Unternehmen durch die Gesetzesreform nicht billiger. Derzeit beträgt die Umlage 6,88 Cent pro Kilowattstunde, sie wird von den Energieversorgern auf den Strompreis draufgeschlagen. Im Schnitt zahlt ein Unternehmen zurzeit 15,04 Cent pro Kilowattstunde (bei einem Jahresverbrauch ab 160 MWh), da schlägt die EEG-Umlage schon kräftig zu Buche.

Der Billigste kommt zum Zug

Bisher wurden Erneuerbare-Energien-Anlagen, die Sonnen- und Windenergie oder Biogas in Strom umwandeln, über staatlich festgelegte Vergütungen gefördert. Jetzt wird die Höhe dieser Förderung durch Ausschreibungen am Markt ermit-telt. Dabei gilt: Wer am wenigsten für den wirtschaftlichen Betrieb einer neuen Erneuerbare-Energien-Anlage fordert, wird gefördert.

Dadurch soll Geld gespart werden. Schon seit 2015 wurden als Pilotprojekt neue Solarparks über Ausschreibungen gefördert. Das Ergebnis laut Bundeswirtschaftsministerium: Die Höhe der Förderung ist durchschnittlich von 9,17 Cent pro Kilowattstunde auf 7,25 Cent gesunken. Der niedrigste Zuschlagswert für einen Solarpark auf einer Ackerfläche lag sogar knapp unter sieben Cent pro Kilowattstunde.

Wichtig für Handwerker

Interessant für Handwerksbetriebe ist, dass das neue EEG darauf abzielt, auch kleineren Anbietern im Wettbewerb mit den großen eine Chance zu bieten. So werden erstmals im Gesetz sogenannte Bürgerenergiegesellschaften definiert, diese können unter erleichterten Bedingungen an den Ausschreibungen teilnehmen.

Sie müssen im Gegensatz zu großen Unternehmen zum Beispiel keine immissionsschutzrechtliche Genehmigung vorlegen und sparen dadurch im Vorfeld der Ausschreibung Kosten. Die Ausschreibungen gelten für Windenergie an Land und auf See, Fotovoltaik und Biomasse. Ausgenommen sind kleine Anlagen. Bürgerenergiegesellschaften müssen aus mindestens zehn natürlichen Personen als stimmberechtigten Mitgliedern oder stimmberechtigten Anteilseignern bestehen. Die Personen müssen seit mindestens einem Jahr vor der Gebotsabgabe ihren gemeldeten Hauptwohnsitz in der Stadt oder im Landkreis haben, in der die Anlage errichtet werden soll. Handwerksbetriebe sollten sich also informieren, ob solche Anlagen in ihrer Region geplant sind, und mit den Akteuren ins Gespräch kommen.

Chancen durch MieterStrom

Auch sogenannte Mieterstrommodelle bieten Auftragschancen für das Handwerk. Für den Mieterstrom wurden im EEG noch im letzten Moment Nachbesserungen verankert. So soll die Belieferung mit Mieterstrom aus Fotovoltaikanlagen dem Eigenverbrauch – zum Beispiel von Eigenheimbesitzern – gleichgestellt werden. Dies muss allerdings noch in einer Verordnungsermächtigung umgesetzt werden. Der Eigenverbrauch wird nicht mit der vollen EEG-Umlage in Höhe von 6,88 Cent/kWh, sondern nur mit einer reduzierten Umlage von 40 Prozent belastet. Dadurch entsteht eine Preisdifferenz beim Strompreis von rund 4 Cent/kWh, die an die Privat- oder Gewerbekunden weitergereicht werden kann.

Hausbesitzer, die sich eine private Solaranlage anschaffen möchten, erhalten weiterhin eine feste, gesetzlich geregelte Zahlung pro erzeugter Kilowattstunde. Sie müssen nicht am Ausschreibungsverfahren teilnehmen. Die Anlage muss weniger als 750 kW Leistung haben, private Anlagen auf Ein- und Zweifamilienhäusern sind in der Regel deutlich kleiner. Auch Wasserkraftanlagen müssen nicht an den Ausschreibungen teilnehmen.
Das bedeutet, dass sich für das Privatkundengeschäft der Elektrohandwerksbetriebe in Sachen Fotovoltaik durch das neue Gesetz nichts ändert. Wer schon eine Fotovoltaikanlage besitzt, sollte einen Ausbau prüfen. „Das ist mitunter günstiger, als eine neue Anlage zu den Konditionen des EEG 2017 zu errichten“, rät Energie-Experte Marco Böttger von ISPEX, einem der bedeutendsten unabhängigen Energieberatungsunternehmen in Deutschland mit Sitz in Bayreuth.

Fragen und Antworten zum EEG 2017

Wesentliches ändert sich, aber eins bleibt sicher: Das neue Fördermodell wird nicht zu billigeren Strompreisen führen.

  1. Was bringt das neue Ausschreibungs­modell beim EEG?
    Die Ausschreibungen sollen den Wettbewerb zwischen Anlagenbetreibern fördern – und damit die Kosten des Erneuerbaren-Ausbaus gering halten. Erneuerbarer Strom aus Sonne, Wind oder Biomasse soll nur in der Höhe vergütet werden, die für einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen erforderlich ist.
  2. Kommen nur noch die Großen zum Zug?
    Allen Akteuren sollen faire Chancen eingeräumt werden – von der kleinen Bürger-Energiegenossenschaft bis zum Konzern. Deshalb wurde ein einfaches und transparentes Ausschreibungsmodell gewählt.
  3. Wie viel Geld bekommt man, wenn man Strom ins Netz einspeist?
    Das entscheidet das Ergebnis der Bietverfahren. Die Vergütung wird nach dem sogenannten „Pay as bid“-Verfahren ermittelt: Alle Bieter erhalten auf 20 Jahre den Fördersatz, mit dem sie erfolgreich ins Rennen gegangen sind. Ausnahme: Bürgerenergiegesellschaften erhalten nicht den Wert ihres Gebots, sondern den Wert des höchsten noch bezuschlagten Gebots.
  4. Gibt es Bestandsschutz?
    Ja, für bestehende Anlagen ändert sich im Prinzip nichts. Gezahlt wird 20 Jahre lang der Fördersatz, der zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme gültig war.
  5. Werden weiter Unternehmen von der EEG-Umlage ausgenommen?
    Ja, stromintensive Unternehmen aus Branchen, die im internationalen Wettbewerb stehen, sind teilweise weiter von der Umlage ausgenommen. Laut Wirtschaftsministerium sind das vier Prozent der Industrieunternehmen. Handwerksbetriebe zahlen die Umlage weiterhin in vollem Umfang.
  6. Wird Strom jetzt billiger?
    Mit der Umstellung auf Ausschreibungen trägt das EEG 2017 dazu bei, die Förderung von Neuanlagen kostengünstiger zu gestalten. Dadurch lässt sich die EEG-Umlage stabilisieren, sinken wird sie jedoch nicht. Denn die Förderung aller bereits bestehenden Anlagen gilt für jeweils 20 Jahre und ist nicht veränderbar.



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