Management -

„Die Mitarbeiter sind stolz auf ihre Firma“

Alltags-Organisation | Sie arbeiten rund um die Uhr, doch trotzdem drückt ständig Unerledigtes auf Ihre Nerven? Bevor Sie die Nacht zum Tag machen, ändern Sie besser andere Dinge. Wie Sie Lebensqualität und Betriebserfolg gleichermaßen erhöhen, lernen Sie Schritt für Schritt beim hm-Managementseminar.

Wie viel sich wirklich getan hat, ist Günther Müller so richtig beim alljährlichen Betriebsausflug aufgefallen: „Früher haben sich die Mitarbeiter bei solchen Gelegenheiten vor allem über Dinge beklagt, die aus ihrer Sicht nicht so gut liefen; in diesem Jahr gab es viel Lob und Anerkennung.“ Dabei ist es gerade mal ein knappes halbes Jahr her, dass der Inhaber des SHK-Betriebs Müller + Sohn in Frechen gemeinsam mit dem „zweiten“ Chef, Andreas Stach von Goltzheim, das Steinseifer Management-Seminar besucht hat. Ursprünglich war der Trip in den Schwarzwald laut Müller vor allem als Belohnung und Anerkennung für die Leistung seines wichtigsten Mitarbeiters gedacht. Doch im Unterschied zu vielen Seminaren vorher „haben wir hier das Handwerkszeug bekommen, wie man notwendige Veränderungen Schritt für Schritt umsetzt“, erklärt Stach von Goltzheim.

Seit 1989 führt Günther Müller den Familienbetrieb, der mit 18 Mitarbeitern 1,3 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Als er vor drei Jahren ein Ladenlokal in der Innenstadt eröffnete, brachte dies die verbesserungswürdige Betriebsorganisation an ihre Grenzen: „Wir haben uns fast zu Tode gearbeitet, doch es gab kein System“, erinnert sich Müller. Weil das auch bei den Mitarbeitern für Missstimmung sorgte, suchten Müller und Stach von Goltzheim einen Weg, um die Betriebsstrukturen zu verbessern. Den von der Kreishandwerkerschaft empfohlenen Berater interessierte beim Eingangsgespräch aber nur die Bilanz. Weil das, so Müller, „nicht unser Thema war“, suchte das Führungsteam eine Alternative: „Nach einem Telefonat mit Klaus Steinseifer, der uns sagte, dass wir nach Besuch des Seminars keinen Berater brauchen, haben wir uns angemeldet“, erinnert sich Stach von Goltzheim.

Die drei Tage im Schwarzwald erwiesen sich für die Firmenchefs als der Schlüssel, den sie schon lange gesucht hatten. „Das Beispiel des Unternehmensturms“, so Müller, „hat mir vor Anfang an eingeleuchtet, denn wenn auch nur ein Klötzchen fehlt, bricht der ganze Turm zusammen.“ Anschaulich und gewürzt mit vielen Beispielen aus seiner früheren unternehmerischen Praxis erklärte Seminarleiter Klaus Steinseifer den Teilnehmern, dass sie zunächst ein solides Fundament für ihren Unternehmensturm schaffen müssen: „Es bringt nichts, beim Marketing anzufangen, wenn es schon beim persönlichen Auftritt hapert.“

Dies war nur eine von vielen Erkenntnissen, die die beiden Firmenchefs direkt nach ihrer Rückkehr in die Tat umgesetzt haben: „Wir haben gelernt, dass die Strickjacke gar nicht geht, und sofort blaue Oberhemden für das Büroteam sowie Poloshirts für die Monteure bestellt“, erklärt Andreas Stach von Goltzheim. Doch auch beim eigenen Auftritt haben die Chefs über die Strickjacke hinaus
Änderungsbedarf entdeckt: Zogen früher nur die Monteure die Überschuhe beim Kunden an, streifen jetzt auch Müller und von Goltzheim vor dem Betreten der Wohnung die Schmutzbremsen über. „Viele Kunden sagen, dass wir das gar nicht brauchen, doch wir bestehen darauf und streifen die Überschuhe bewusst vor den Augen der Kunden über.“ Das macht Eindruck und schafft Vertrauen, so dass sich letztlich auch die Auftragschancen erhöhen.

Obwohl die Unternehmer nach wenigen Monaten viele Veränderungen realisiert haben, läuft längst nicht alles perfekt. Das ist, so Andreas Stach von Goltzheim, auch nicht das Ziel: „Wir wollen nicht von heute auf morgen alles umwerfen, sondern die Struktur systematisch verbessern.“ Kleine Schritte und Maßnahmen, die dafür nötig sind, legen die beiden Unternehmer einmal im Monat während eines Planungstages fest. „Es nutzt nichts, sich nur ein Wochenende mit der Betriebsstruktur zu beschäftigen, sondern man muss ständig am Ball bleiben und die Mitarbeiter einbeziehen“, so Günther Müller.

Beim Seminar braucht es nach Einschätzung des zweiten Chefs von Goltzheim einen halben Tag, bis „einen die Aussagen von Klaus Steinseifer auch wirklich überzeugen“. Gemessen an der inzwischen 100-jährigen Firmentradition und den vielen vergeblichen Veränderungsmaßnahmen haben sich die drei Tage Seminar für das Führungsteam von Müller + Sohn mehr als gelohnt. Schließlich, so von Goltzheim, „haben wir uns dadurch auch noch die Kosten für den Berater gespart“.

kerstin.meier@handwerk-magazin.de

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