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Branchencheck Augenoptiker Die Filialisten sind auf dem Vormarsch

Das Augenoptikerhandwerk verzeichnet wachsende Umsätze. Aber die Einzelbetriebe verlieren immer mehr Marktanteile an die großen Ketten. Positiv ist die Lage bei den Auszubildenden.

Wo die Augenoptik zum Jahreswechsel wirtschaftlich steht, lässt sich zu diesem frühen Zeitpunkt nicht abschließend sagen“, erklärt e Thomas Truckenbrod, Präsident des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen (ZVA), auf der Fachmesse opti Ende Januar in München.

Gleichwohl zeichnet sich in einem Marktsegment bereits eine verhalten positive Entwicklung ab: Im Rahmen der „ERFAlight-Statistik“ erhebt der ZVA monatlich die betriebswirtschaftlichen Daten von rund 300 überwiegend mittelständisch strukturierten Augenoptikbetrieben. Aus diesen Daten ergab sich für 2017 (ohne Dezember) kumuliert ein Umsatzplus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016. Der Brillenabsatz nahm allerdings um 1,2 Prozent ab.

Der ZVA weist jedoch darauf hin, dass sich die großen Filialunternehmen der augenoptischen Branche nicht an der ERFAlight-Statistik beteiligen. Deshalb dürften diese Zahlen nicht mit der Entwicklung der Gesamtbranche gleichgesetzt werden. Erfahrungsgemäß liege deren durchschnittliche Umsatz- und Stückzahlenentwicklung höher, also sei eindeutig ein positiver Indikator für die Gesamtbranche zu sehen, so der Zentralverband.

Wieder mehr Auszubildende

Nach einer repräsentativen Umfrage, die der ZVA im März 2017 unter Betriebsinhabern durchführte, suchten knapp ein Drittel der Betriebe Personal. Rund 20 Prozent der Befragten empfanden die Personalsuche als problematisch. Gleichzeitig meldeten die Landesverbände des ZVA steigende Auszubildendenzahlen. Berufsschulklassen seien oft überfüllt, und die überbetrieblichen Ausbildungsstätten arbeiteten an der Kapazitätsgrenze.

Nach Zahlen, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im November 2017 veröffentlichte, gab es 2016 mit insgesamt 2.622 Neuabschlüssen bei den Ausbildungsverträgen sogar den höchsten Wert seit 2001. Diese Auszubildenden werden 2018 auf den Arbeitsmarkt kommen und die große Nachfrage nach Personal somit in Teilen decken können, rechnet der Augenoptik-Zentralverband.

Filialisierung nimmt zu

Die Augenoptikbranche in Deutschland ist mittelständisch geprägt. Laut Branchenreport Augenoptik, akuell neu herausgegeben von Spectaris Consumer Optics zusammen mit dem ZVA, ist der Filialisierungsgrad mit Ketten wie Fielmann oder Apollo im europäischen Vergleich zwar noch gering, aber die Filialisten haben in den letzten Jahren immer mehr Marktanteile hinzugewonnen. Die zehn größten Filialisten in Deutschland erzielen über 45 Prozent des stationären Branchenumsatzes. Eine Fielmann-Filiale verkauft im Durchschnitt 35 Brillen am Tag, der traditionelle Augenoptiker verkauft im Durchschnitt knapp zwei pro Tag.

Zweigeteiltes Online-Geschäft

Das Online-Geschäft der Branche ist zweigeteilt. 4,1 Prozent des Branchenumsatzes werden online erzielt, das Gros dieser Umsätze entfiel 2016 auf Kontaktlinsen und Pflegemittel. Bei Kontaktlinsen wird inzwischen jeder dritte Euro im Internet umgesetzt. Dagegen kaufen die Kunden ihre Brillen nach wie vor lieber im Fachgeschäft vor Ort. Von den in Deutschland gekauften Korrektionsbrillen wurden 2016 gerade einmal 6,1 Prozent online erstanden.

In Sachen Technologie wird der 3D-Druck laut der Studie von Spectaris Consumer Optics die Branche prägen. Brillenfassungen werden so bereits hergestellt, perspektivisch wird man auch einfache Brillengläser damit fertigen können. Sehtests sind mittlerweile in 3D-Anmutung möglich, gearbeitet wird an Technologien, die einen Sehtest direkt am Bildschirm ermöglichen.

Die größten Filialisten

Gemessen am Umsatz, ist Fielmann bei den Filialisten die Nummer 1. Die zehn größten Filialisten besitzen circa 17,3 Prozent aller augenoptischen Betriebsstätten in Deutschland.

Filialist Umsatz* Filialien
Fielmann 1.047 589
Apollo Optik 675 800
Pro Optik 123 137
Matt Optik 50,3 71

*Netto in Mio. Euro; Quelle: ZVA

Branchentrends

  • Optometrie
    Optometrische Dienstleistungen nehmen in der Augenoptik eine immer größer werdende Rolle ein. Entsprechend erfüllen die Augenoptiker, die über eine entsprechende Aus- oder Fortbildung verfügen, immer mehr Aufgaben in der primären Gesundheitsvorsorge für das Sehen. So gehören zur Optometrie verschiedene Tests und Messungen, die Auffälligkeiten an den Augen oder besondere Sehfehler erkennen lassen, die nicht mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen korrigiert werden können und frühzeitig eine augenärztliche Therapie erfordern.
  • Neue Messtechniken
    Die Möglichkeiten der Digitalisierung führen dazu, dass Augenoptiker ihren Kunden mit technisch noch besseren Lösungen zu einer gesteigerten Sehqualität verhelfen können. Beispielsweise gibt es in der Messtechnik viele Neuerungen, die das komplette Auge mittels Wellenfronttechnologie und anderer Verfahren innerhalb weniger Sekunden vermessen und dem Augenoptiker eine große Menge an Daten liefern.
  • Autofahrerbrillen
    33 Millionen Autofahrer sind Brillenträger. Speziell für diese Zielgruppe und Situationen mit schlechter Sicht haben Brillenglashersteller neue Lösungen entwickelt. Ein besseres und kontrastreicheres Sehen wird bei diesen Hightech-Produkten zum einen durch ein spezielles Design der optischen Flächen erreicht, zum anderen durch Veredelungen oder Beschichtungen des Brillenglases, die Blendungseffekte für den Autofahrer spürbar minimieren.
  • Bildschirmbrillen
    Smartphones, Tablets, Notebooks und stationäre PCs verlangen unseren Augen täglich Höchstleistungen ab. Rund 90-mal blicken Deutsche durchschnittlich pro Tag allein auf ihr Smartphone, die Hälfte der Bevölkerung arbeitet zudem überwiegend am Bildschirm. Dennoch sind die meisten Menschen für diese Zwecke noch immer „optisch unterversorgt“. So nutzten bei der letzten Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach zu den Sehgewohnheiten der Deutschen nach eigenen Angaben nur neun Prozent der Brillenträger bei der Bildschirmarbeit eine geeignete Brille.

Augenoptik in Kennzahlen

Bei einem Umsatzanstieg in Höhe von 8,1 Prozent im Jahr 2015 bei den am DATEV-Betriebsvergleich beteiligten Betrieben verbesserte sich die Ergebnissituation deutlich auf 6,0 Prozent (Umsatzerlöse minus betrieblich bedingten und kalkulatorischen Kosten). Noch besser ist das Ergebnis bei großen Betrieben.

Umsatzgrößenklassen1 125.000-250.000 250.000-500.000 500.000-750.000 über750.000 Durchschnitt
Materialkosten 32,4 % 32,5% 34,3% 31,1% 32,4%
Personlkosten 38,4% 35,5% 34,3% 34,0% 35,8%
Sachkosten 32,1% 25,2% 25,3% 24,4% 25,8%
Betriebsergebnis - 2,9% 6,8% 6,1% 10,5% 6,0%

1) in Euro; Quelle: DATEV-Betriebsvergleich 2015

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