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Zukunfstorientierung Dialog und Perspektive Handwerk 2025

Was muss geschehen, wenn das Handwerk seine Wettbewerbsfähigkeit künftig erhalten soll? In Politik, Handwerksorganisation und bei den Betrieben. Baden-Württemberg will das herausfinden.

Topic channels: TS Zukunftsperspektiven im Handwerk und TS Digitalisierung

Ein heißer Junitag am Bodensee. In der Singener Bildungsakademie der Handwerkskammer Konstanz treffen sich an diesem Freitagnachmittag rund ein Dutzend Handwerksunternehmer aus dem gesamten Kammergebiet zur Gruppendiskussion. Bei schönstem Wetter und bilderbuchblauem Himmel.

Das Thema: Digitalisierung im Handwerk . Handwerksforscher Ewald Heinen vom Karlsruher Institut für Technik der Betriebsführung (itb) im Deutschen Handwerksinstitut moderiert die Runde. Man diskutiert Aspekte wie zunehmende Preistransparenz durch das Internet (vor allem im Kfz-Handel), Kundengenerierung durch Webseiten (vor allem bei Spezialhandwerken, Speziallösungen und im Premiummarkt), digitale Workflows (vor allem bei Betrieben mit feingranularen Auftragsstrukturen).

Und natürlich: Wo bleibt Breitband auf dem Land? Etwa im Südschwarzwald. Ewald Heinen schreibt jede Idee, jeden Aspekt, aber auch jede Klage auf einen Klebezettel und heftet ihn auf die umstehenden Flipcharts. Nichts soll verloren gehen. Jetzt sollen die Handwerker sprechen.

Die gut dreistündige Veranstaltung ist einer von zehn Workshops, die im vergangenen halben Jahr in ganz Baden-Württemberg stattfanden. Zu unterschiedlichen Themen. Der gemeinsame Nenner dabei: Wie kann sich das Handwerk besser für die Zukunft aufstellen? Dazu wurden jeweils eingeladen: erfolgreiche Betriebe aus der Region.

"Dialog und Perspektive Handwerk 2025"

Initiator der Reihe ist das Baden- Württembergische Wirtschaftsministerium zusammen mit dem Baden-Württembergischen Handwerkstag. Der Name des Projekts: „Dialog und Perspektive Handwerk 2025“. Das Ziel: Was muss in Politik, in der Handwerksorganisation und bei den Betrieben geschehen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern? Wie lassen sich die Herausforderungen der Zukunft meistern?

Auf den ersten Blick wirke das Jahr 2025 noch weit entfernt, geben Handwerksunternehmer vor den Workshops immer wieder zu. Doch in Wahrheit sind das nicht einmal neun Jahre. Verhaltensforscher wissen: Wir tendieren dazu, Veränderungen kurzfristig zu überschätzen, aber langfristig zu unterschätzen. Deshalb soll es auch keine Denktabus geben. Und so kommt an diesem Tag in Singen das Gespräch auch auf die Ausbildungssituation im Handwerk, mit der einige Betriebe ganz und gar nicht zufrieden sind.

Probleme und Chancen benennen

Um das Thema Zukunftsorientierung auch umfassend anzugehen, hatten die Marktforscher von itb sowie vom Göttinger ifh, dem Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen, die relevanten „Problemzonen“ und „Chancenbereiche“ definiert. Bei jedem Workshop soll über ein anderes Thema gesprochen werden. Zur Internationalisierung lud im April die Handwerkskammer Stuttgart ein.

Die Sicherung von Fachkräften wurde im Mai bei der Handwerkskammer Ulm besprochen. Die Marktchancen des demografischen Wandels verhandelte man im Juni in der Kammer Mannheim sowie im September mit den Fachverbänden Elektro, Schreiner und Sanitär in Tübingen. Im hochsommerlichen Juli ballten sich dann die Termine: Ressourceneffizienz in der Kammer Karlsruhe.

Gewinnung von Nachwuchs und Fachkräften in der Reutlinger Kammer. In Heilbronn die Innovationsfähigkeit. Marktchancen durch die Energiewende wurden im September in der Kammer Freiburg besprochen. Die letzte Runde zum neuen Planungsstandard „BIM – Building Information Modeling“ war bei der Bauwirtschaft Baden-Württemberg in Stuttgart.

Zentrale Handlungsfelder definieren

Entstanden war die Idee bei einem der Treffen zwischen dem Mittelstandsbeauftragten der alten Grün-Rot-Koalition, dem SPD-Landtagsabgeordneten Peter Hofelich, und dem Hauptgeschäftsführer des Baden-Württembergischen Handwerkstages, Oskar Vogel, schon im April 2015. Inspiriert war man einerseits von der Anfang 2015 vom Wirtschaftsministerium herausgegebenen Studie „Indu­strieperspektive Baden-Württemberg“, welche die zentralen Handlungsfelder der Industrie im Ländle für die kommenden Jahre beschreibt.

Andererseits sah man, dass die Forschungsprojekte der Handwerkskammer Erfurt zur Zukunft des Handwerks wertvolle Impulse Richtung Betriebe lieferten. Die neue grün-schwarze Landesregierung übernahm dann im Frühjahr das Projekt.

Die ersten Ergebnisse liegen vor

Nach Abschluss der Workshops analysierten die Marktforscher das vielfältige Datenmaterial. Im Oktober fand die erste Präsentation der Bestandsaufnahme und der ersten Befunde statt. Die vielfältigen einzelnen Ansätze, Ideen, Themen, Beobachtungen und Diskussionspunkte fassten die Forscher in zwei Handlungsfelder zusammen:

  • 1. Handlungsfeld: „Unternehmensstrategien, Geschäftsmodelle und Prozesse“ mit den Schwerpunkten strategische Betriebsführung, Innnovation und Digitalisierung“
  • 2. Handlungsfeld: „Führung und Motivation, Qualifizierung, Kompetenzen und Wissensmanagement“ mit den Schwerpunkten Nachwuchskräfte und Fachkräfte gewinnen und binden, Personalführung, Kompetenzen sowie Nachfolge und die Betriebsübergabe.
Handwerk 2025 Wissensmanagement

Die Vorstellung dieser endgültigen Ergebnisse erfolgt am 30. Januar 2017. Doch schon jetzt ist klar, dass sich die Politik stärker um Themen wie Breitbandausbau, Bürokratieabbau, Auslandsmarketing sowie zusammen mit den Handwerksorganisationen um die Weiterentwicklung der Ausbildung kümmern muss.

handwerk magazin wird dieses Projekt weiter begleiten und in lockerer Folge über die Ergebnisse und über die erfolgten Umsetzungen berichten.

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