Automation -

Interview mit Dr. Rainer Albath, Inhaber Goldschmiede Albath "Der 3D-Drucker ist für den Handwerker wie ein neues Werkzeug"

Die Goldschmiede Albath in Aachen druckt Schmuck: Seit einem Jahr nutzt sie einen 3D-Drucker für Ringe und Ketten. Inhaber Rainer Albath erklärt, worauf es bei der Umstellung ankommt.

Themenseite: 3D-Drucker
handwerk magazin: Herr Albath, warum sollte Schmuck künftig aus dem 3D-Drucker kommen?

Rainer Albath: Der 3D-Drucker eignet sich vor allem für Schmuck mit komplexen Strukturen. Zum Beispiel ist ein Ring mit mehreren Diamanten sehr aufwändig herzustellen, weil mehrere Fassungen auf einmal eingearbeitet werden müssen. Über einen Drucker können wir, also die Goldschmiede Albath, solche Spezialaufträge leichter planen und umsetzen. Damit werden sie für uns und den Kunden günstiger. Dazu kommt, dass wir unser Angebot erweitern und verfeinern können.

Abgesehen von der Produktion: Warum lohnt es sich noch, Prozesse im Unternehmen zu automatisieren?

Albath: Kunden bekommen eine bessere Vorstellung davon, wie ihr Schmuckstück später aussehen wird. Bei den komplizierten Aufträgen können wir jetzt Anschauungsmodelle am Bildschirm zeigen oder mal eben im 3D-Drucker ausdrucken. Der Kunde vertraut uns mehr, wenn er sich seinen gewünschten Ring vorher als Kunststoffmodell schon einmal an den Finger stecken kann.

Ihr Tipp für Unternehmen, die einen ähnlichen Schritt machen wollen?

Albath: Gerade im Handwerk sind Kunden skeptisch, wenn die Produktion automatischer laufen soll. Handwerker müssen deshalb klar kommunizieren, dass ihr Angebot durch die neue Technik nicht beliebiger wird. Stattdessen ist der 3D-Drucker wie ein neues Werkzeug, das dem Kunden noch mehr Möglichkeiten bietet. Ich führe Kunden den Drucker zum Beispiel gerne vor und zeige am Bildschirm, wie eine Vorlage aussieht.

Wie stemmen Sie Kosten und Aufwand solch einer Investition?

Albath: Kein Betrieb sollte überstürzt reagieren. Wir haben uns etwa zwei Jahre vorbereitet, bevor wir den Drucker gekauft haben. Metalldrucker sind noch zu teuer, wir haben stattdessen einen für Kunststoffprodukte gewählt. Einige Förderprogramme unterstützen Handwerker dabei: Wir haben zum Beispiel vom Land NRW über den Projektträger Jülich eine „Innovationsassistentin“ gefördert bekommen. Sie kümmert sich um Themen rund um Digitalisierung, CAD und 3-Druck, sodass sich die anderen Mitarbeiter auf das klassische Handwerk konzentrieren können.

Hat sich der 3D-Drucker bisher für Sie gerechnet?  

Albath: Für Maschine und Zubehör haben wir insgesamt rund 7.000 Euro investiert. Wir nutzen den 3D-Drucker jetzt seit Anfang 2018. Dadurch haben wir diverse Aufträge mehr bekommen, die wir sonst nicht gehabt hätten. Ich rechne mit insgesamt zwei bis drei Jahren, bis sich die Anschaffung nachhaltig lohnt.

© handwerk-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen