Geschäftsidee Die wichtigsten Trends für Gründer im Handwerk

Die Flaute an der Gründerfront bietet beste Chancen für engagierte Einsteiger. Vor allem dann, wenn sie ihr Angebot an aktuellen Trends ausrichten. Wie Sie die ideale Marktnische finden.

Die Faszination für das Heizen mit Erdwärme hat Oliver Nick vom Vater. Schon früh experimentierte der Inhaber von „Nick Wärmepumpen und Elektrotechnik“ in Leonberg im elterlichen Betrieb mit der Technik. Nach dem Studium nutzte er sein Spezialwissen als Sprungbrett in die Selbständigkeit. „Das ist das Alleinstellungsmerkmal meines Betriebes und das Plus für unsere Kunden“, erklärt Nick das Konzept.

So kann er durch seine langjährige Erfahrung sowie ein eigenes patentiertes Regelsystem nicht nur effizienter arbeiten als die Konkurrenz, sondern deckt durch seine Ausbildung insgesamt alle drei mit der Wärmepumpentechnologie verbundenen Gewerke ab.

Perfekten Service bieten

Das Angebot aus einer Hand kommt gut an: 2011 konnte Nick die Millionengrenze beim Umsatz knacken, 2012 belegte er beim Topgründer-Wettbewerb von handwerk magazin, Signal Iduna und Würth den ersten Platz.

Zufallstreffer in der Nische oder systematischer Erfolg eines marktorientierten Junghandwerkers? Friederike Müller-Friemauth, Trendforscherin für mittelständische Betriebe im rheinischen Odenthal (siehe Interview Seite 11), hat dazu eine klare Antwort: „Eine Gründung im Handwerk lohnt auch weiterhin, da es noch sehr viele Nischen gibt, die Unternehmer für sich nutzen können.“ Neben dem großen Bereich Energie (siehe Trend 1, rechts), ist es vor allem das gestiegene Bedürfnis der Kunden nach Transparenz, Nähe und Individualität (siehe Infos auf den Seiten 12 und 14), aus dem sich gute Marktchancen für innovative Gründer ergeben.

Vorteile als Spezialanbieter

Oliver Nick hat sich ganz bewusst dafür entschieden, sein Angebot auf das zu beschränken, was er und sein Team am besten können. „Dazu gehört natürlich Mut“, räumt Nick ein, „doch als Spezialanbieter kann ich effizienter und preiswerter arbeiten.“ Ein Wettbewerbsvorteil, der sich für die Kunden auch in einem besseren Service niederschlägt. „Meine Kunden müssen nicht lange auf irgendeinen Werkskundendienst warten“, erklärt er sein Plus als Spezialanbieter.

Julia Dankworth und Ike Formen, im vergangenen Jahr ebenfalls beim Topgründer-Wettbewerb ausgezeichnet, wollen sich durch außergewöhnliche Möbel und Raumkonzepte vom üblichen Massenangebot abgrenzen. Der Erfolg ihres Unternehmens „handwert möbeldesign“ beruht auf der eigenen Kreativität und der engen Einbindung der Kunden in den Gestaltungsprozess. Hinzu kommt der Wunsch, angesichts der Hektik und der Unsicherheiten ringsum das Zuhause zum Rückzugsort auszugestalten.

Was Trendexperten wie Friederike Müller-Friemauth „Homing“ nennen, begegnet Danckworth und Formen häufig bei ihren Kundengesprächen: „Wenn das eigene Zuhause zum Lebensmittelpunkt wird, erhöht das die Ansprüche an die Wohneinrichtung, und die Kunden sind bereit, dafür auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen.“ Für sie als Unternehmer heißt dies aber auch, die Individualität des Auftraggebers von Anfang zu akzeptieren: „Der Kunde stellt uns die Aufgabe, in seiner Wohnumgebung etwas zu ändern. Wir versuchen dann, ihn kennenzulernen, seine Ideen zu begreifen und umzusetzen. Danach erst machen wir einen Entwurf für das Möbel.“ Die Festlegung von Formen, Farben und Materialien geschieht dann zusammen mit dem Kunden, abgestimmt auf seine Persönlichkeit und sein Umfeld.

Für Trendexpertin Müller-Friemauth ist die Weitergabe von Fachwissen ein idealer Weg, Vertrauen aufzubauen. Schließlich sei der Wunsch der Verbraucher nach Transparenz durch die undurchsichtigen Ereignisse im Rahmen der Finanzkrise massiv gestiegen: „Kurze, nachvollziehbare Wege vom Erzeuger bis zur Verarbeitung, vertraute Rohstoffe und Materialien sowie akzeptable Herstellungs- und Arbeitsbedingungen - all dies schätzen die Kunden heute.“

Transparenz als Geschäftsmodell

Johannes Steineshoff hat die „totale Transparenz“ gar zum eigenen Geschäftsmodell erhoben. Der 24 Jahre alte Metzgermeister aus Mülheim/Ruhr hat im Herbst 2010 den Hofladen seiner Eltern um eine „Landfleischerei“ ergänzt, in der er das auf dem Bauernhof gezogene Geflügel, Rinder, Lämmer und Schweine aus dem näheren Umkreis sowie Wurst aus eigener Herstellung verkauft. „Die Lebensmittelskandale der letzten Monate spielen mir in die Hand“, freut sich der Gründer. Jede neue Skandalmeldung lässt seinen Kundenstamm wachsen: „Die Kunden wollen wissen, woher die Tiere stammen, die ich verarbeite.“ Nicht zuletzt durch die beruhigende Antwort, dass alle Produkte vom eigenen Hof oder benachbarten Bauern stammen, hat sich die „total transparente“ Landfleischerei in nur drei Jahren zu einem florierenden Betrieb mit sieben Mitarbeitern entwickelt.

Sich bewusst und klar in seiner Region zu verankern hält Johann Steineshoff auch in anderen Branchen für ein Erfolg versprechendes Gründungskonzept. Erste Nachahmer hat er bereits: Seine Schwester setzt im Hofladen neuerdings ausschließlich auf regionales Obst und Gemüse. Und wird nach den ersten Erfahrungen auch damit viel Zuspruch von den Kunden erhalten.

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