Politik -

„Das Image muss sich ändern”

Unternehmerfrauen im Handwerk Als Bundesvorsitzende ist Heidi Kluth jetzt seit zwei Jahren im Amt. Über weitere Ziele und wichtige Pläne für das nächste Jahr sprach sie mit handwerk magazin.

Themenseite: Wettbewerb: Unternehmerfrau im Handwerk

Kolleginnen beschreiben Heidi Kluth als diplomatische Reformerin. Die Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH)ist auf einen gemeinsamen Konsens bedacht, pragmatisch in der Umsetzung ihrer Ziele. Wichtig ist ihr, die Unternehmerfrauen behutsam in eine neue Richtung zu lenken - hin zur selbstbewussten Führungskraft im Handwerk.


handwerk magazin: Frau Kluth, nach zwei Jahren an der Spitze der Unternehmerfrauen, welche Bilanz ziehen Sie?

Heidi Kluth: Das waren zwei tolle Jahre. Es hat viel Spaß gemacht, die Unternehmerfrauen auf ihrem neuen Weg zu begleiten - von der Meisterfrau zur Unternehmerin. Diese Richtungsänderung wurde gut aufgenommen, auch wenn sie noch nicht abgeschlossen ist.

Ein wichtiges Thema war für Sie die Mitgliederwerbung - was hat sich da getan?

Junge, gut qualifizierte Frauen engagieren sich nicht mehr so einfach wie früher in den Handwerksbetrieben. Viele tun sich schwer, ihre Unabhängigkeit aufzugeben. Und wenn die Frauen einsteigen, dann nur als gleichberechtigte Partnerinnen in einer Führungsrolle. Wenn wir unseren Mitgliederstand also stabil halten, dann ist das schon ein Gewinn.

Wie können die UFH hier helfen?

Wir arbeiten daran, das Image der Unternehmerfrauen im Handwerk zu ändern: von der guten Seele des Betriebs hin zur anerkannten Führungskraft im Handwerk. Früher war unser Schwerpunkt die Fort- und Weiterbildung der Meisterfrau. Das ist heute anders, denn wir wenden uns an Frauen, die bereits über eine sehr gute Ausbildung verfügen. Wichtig ist, dass die Betriebe diese jungen Frauen schätzen und ihnen auch ein entsprechend gutes Gehalt zahlen.

Sie wollten auch die übergreifende Zusammenarbeit zwischen den Landesverbänden fördern. Sind Sie da weitergekommen?

Ja, die Vorsitzenden der Landesverbände treffen sich jetzt bis zu drei Mal im Jahr und tauschen sich über ihre jeweiligen Aktivitäten aus.

Der größte Landesverband der Unternehmerfrauen ist Baden-Württemberg. Die Frauen haben sich vor neun Jahren aus dem Bundesverband verabschiedet. Sie würden die Frauen aus dem Süden gerne wieder im Bundesverband begrüßen. Stehen Sie auch weiter in Kontakt mit der Vorsitzenden Ruth Baumann?

Ja natürlich, der Kontakt ist nie abgebrochen. Ich war auch auf der diesjährigen Tagung des Landesverbandes in Baden-Württemberg und habe die Arbeit des Bundesverbands vorgestellt. Wie sich die Zusammenarbeit weiterentwickelt, weiß ich nicht. Aber ich würde mich freuen, wenn wir weiter aufeinander zugehen.

Ein wichtiges Ziel von Ihnen war auch eine klare Positionierung der Unternehmerfrauen in der Handwerksorganisation. Frauen in der Organisation sind oft nur ein „schmückende Beiwerk“.

Von außen werden wir als zusätzliche, starke Stimme der Organisation wahrgenommen, die sich nicht nur zu klassischen Frauenthemen äußert, sondern zu allen handwerksrelevanten Themen. Allerdings müssen wir uns als Unternehmerfrauen auch klar positionieren. Derzeit sind wir noch eine heterogene Gruppe: auf der einen Seite die mitarbeitenden Ehefrauen, auf der anderen die Unternehmerinnen.

Würde eine Frauenquote in der Handwerksorganisation Sinn machen?

Ich setze da eher auf den gesellschaftlichen Umbruch als auf eine verordnete Quote: Jede vierte Gründung im Handwerk ist weiblich, immer mehr Frauen absolvieren ihren Meister. Die jungen Frauen rücken nach. Irgendwann kommt die Handwerksorganisation nicht mehr an dieser neuen Generation von Frauen vorbei.

Was steht 2012 auf Ihrer Agenda, was sindIhre wichtigsten Ziele?

Die Unternehmerfrauen müssen sich mehr in die Handwerkspolitik einbringen: Das können wir zum Beispiel über Runde Tische mit Politikerinnen in Berlin oder in den Landesverbänden leisten. Es gibt aber auch wichtige EU-Diskussionen, an denen sich mehr Unternehmerfrauen beteiligen sollten. Ich wünsche mir da mehr Herzblut von der Basis. Ein weiterer Punkt ist für mich die Nachfolgefrage im Handwerk. Der Nachfolger im Betrieb ist nicht zwingend männlich, sondern kann auch weiblich sein. Dieses Potenzial der Töchter für den Wirtschaftsbereich Handwerk würde ich gerne viel deutlicher herausstellen.

Als Bundesvorsitzende sind Sie jetzt noch ein Jahr im Amt. Werden Sie noch mal zur Wahl als Bundesvorsitzende antreten?

Ja, ich werde noch mal kandidieren. Drei Jahre sind zu kurz, um die gesetzten Ziele zu realisieren.

- cornelia.hefer@handwerk-magazin.de

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Mehr Informationen zu den Unternehmerfrauen im Handwerk finden Sie auf den Verbandsseiten online unter
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