Unternehmerfrauen im Handwerk UFH -

Zweite Frauenfachtagung auf derIHM Das Handwerk ist ein exzellenter Platz für Frauen!

München. Nach der erfolgreichen Premiere im Frühjahr 2017 folgte am 9. März 2018 die zweite Auflage der Frauen-Fachtagung des Bundesverbandes der UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse in München. Gastrednerinnen waren Autorin und Coach Sabine Asgodom sowie Spitzenköchin und Unternehmerin Cornelia Poletto. Durch das Programm führte Moderatorin Petra Bindl.

UFH-Bundesvorsitzende Heidi Kluth dankte in ihrer Begrüßungsrede der Signal Iduna und der IKK Classic, die durch ihre Unterstützung diese Veranstaltung wiederum möglich gemacht haben. „Die Tatsache, dass weit über 200 Frauen an unserer Tagung teilnehmen, zeigt, dass unsere Ziele und Anliegen zunehmend als wichtig erkannt werden“, so Heidi Kluth. So habe man zwar steigende Frauenzahlen im Handwerk, nicht jedoch in den männerdominierten Gewerken. Das Muster ‚Fachkraft-ist-gleich-Mannsei historisch bedingt noch tief in den Köpfen der Menschen verankert. Zudem müsse nachgeforscht werden, warum viele Frauen nach Abschluss einer handwerklichen Ausbildung das Handwerk wieder verlassen.

Exzellenter Platz für Frauen

Carola Greiner-Bezdeka, Vizepräsidentin der Handwerkskammer für München und Oberbayern, betonte, wie wichtig es sei, dass die Frauen auf der Leitmesse des Handwerks vertreten seien: „Wo, wenn nicht hier, können wir die Leistungen der Frauen im Handwerk besser in den Fokus der Öffentlichkeit und der Politik rücken!“ In der gesamten Gesellschaft müsse noch viel mehr wahrgenommen werden, dass das Handwerk ein exzellenter Platz für Frauen sei. Um den Frauen-Anteil im Handwerk zu erhöhen, forderte Greiner-Bezdeka politische Unterstützung ein, wie sie nun immerhin im Koalitionsvertrag festgeschrieben sei.

Wer ist hier der Boss?

„Wer ist hier der Boss? Partnerschaftlich führen im Betrieb“ lautete der Titel des anschließenden Impulsvortrags von Sabine Asgodom. Mitreißend und humorvoll analysierte die Unternehmerin die täglichen Herausforderungen des „härtesten 24-Stunden-Belastungstests für Ehen“. Anhand von fünf Selbstcoaching-Tools zeigte sie Strategien auf, um den Arbeitsalltag gelassen zu bewältigen.

Im zweiten Impulsvortrag “Food-Future-Female“ skizzierte die erfolgreiche Fernsehköchin und Unternehmerin Cornelia Poletto ihren Werdegang, für den „ein dickes Fell und Stressresistenz“ nötig war. Sich rund 20 Jahre lang auf Sterne-Niveau zu halten, forderte von ihr auch persönliche Opfer, die ihren eisernen Erfolgswillen jedoch nicht brechen konnten. Als eine von wenigen Sterneköchinnen unter vielen Männern plädierte sie für familienfreundlichere Rahmenbedingungen für angestellte Köchinnen.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen eines hochkarätig besetzten Podiumsgesprächs. UFH-Bundesvorsitzende Heidi Kluth und Pressesprecherin Margit Niedermaier diskutierten mit Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Franz-Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), sowie Karl-Wilhelm Steinmann, Vorsitzender der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen.

Frauen-Handwerksprojekte

Letzterer stellte zwei erfolgreiche niedersächsische Frauen-Handwerksprojekte vor: „Handwerk mit FiF - Frauen gehen im Handwerk in Führung“ lautet der Titel eines Projekts, das Frauen im Handwerk dabei unterstützen soll, auf der Karriereleiter weiter nach oben zu klettern. Das Projekt K.O.N.E.K.T. richtet sich an junge Handwerkerinnen, die sich mit Gleichgesinnten austauschen und ihre beruflichen Ziele erreichen wollen.

Frauen als Zielgruppe

ZDH-Generalsekretär Schwannecke teilte mit, dass die erfolgreiche Imagekampagne des Handwerk s weitergeführt und im Jahr 2019 erneut ausgeschrieben wird. Vor dem Hintergrund kritischer Anmerkungen zum aktuellen Imagefilm nahm er die Bitte der UFH auf, Frauen künftig stärker als Zielgruppe zu definieren. Konkret sagte er zu, den Verband der UFH in die Planungen zur kommenden Kampagnen-Staffel einzubeziehen, um eine gezielte Ansprache von jungen Frauen und eine klischeefreie Darstellung der Handwerksberufe zu erreichen.

UFH-Pressesprecherin Margit Niedermaier forderte darüber hinausgehend eine eigens auf die Zielgruppe Frauen ausgerichtete, bundesweite handwerkspolitische Kampagne. „Einzelaktionen verpuffen in ihrer Wirkung und sind nicht nachhaltig.“ Es sei notwendig, alle an der Berufswahl beteiligten Akteure ins Boot zu holen, angefangen bei den Eltern über die Lehrkräfte bis hin zu Betrieben und den regionalen Handwerks-Organisationen.

Heidi Kluth ergänzte: „Deutschland braucht einen Modernisierungsschub mit frischen Ideen und Denkmustern.“ Es fehle eine Dauerlösung, um Frauen für das Handwerk zu begeistern, sie zu integrieren und in diesem Wirtschaftsbereich zu halten. Eine plakative Erstansprache sei nicht ausreichend. Wichtig sei, erfolgreiche Frauenkarrieren im Handwerk – und zwar in den verschiedensten Funktionen und Positionen – darzustellen und sichtbar zu machen.

Neben dem weiteren Aspekt der Wertschätzung müsse das Handwerk in der Öffentlichkeit außerdem eine deutliche Aufwertung gegenüber der akademischen Bildung erfahren – auch das gehe nur mit Beteiligung der Frauen.

BHT-Präsident Franz Xaver Peteranderl bekräftigte die Bestrebungen der UFH, auch in den Gremien des Handwerks den Frauenanteil zu erhöhen. Es sei ihm bewusst, dass er in seiner Funktion dafür sensibel zu machen habe, und setze dabei gerne auf die Unterstützung der Unternehmerfrauen im Handwerk.

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