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Customized Videos: Technische Möglichkeiten, Filme zu individualisieren

Moderne Internet- und Bildverarbeitungstechnologien erweitern die Möglichkeiten des Videomarketings für Unternehmen in zwei Richtungen. Die folgenden Lösungen sollten Handwerksunternehmer im Blick haben.

Themenseite: Videomarketing

Einerseits können damit Kosten minimiert und technische Hürden der Produktion, teilweise auch der Verbreitung von Filmen leichter überwunden werden. Andererseits eröffnen sie ganz neue Wege des Marketings – bis hin zur personalisierten Ansprache von Kunden.

Variante 1: Einsatz kompletter vorgefertigter Filme

Nutzen: Zulieferer, Branchenverbände, Großhändler und andere Partner des Handwerks setzen im Marketing zunehmend auf hochwertig produzierte Videos. Handwerksbetriebe können diese unter gewissen Voraussetzungen nutzen– oft sogar kostenfrei.

Praktische Umsetzung: Informieren Sie sich auf den Internetseiten Ihrer Partner, ob und welche Videomaterialien diese bereitstellen und in welcher Form Sie sie für Ihr Marketing nutzen dürfen. Wichtig: Nehmen Sie in Zweifelsfällen telefonisch oder persönlich Kontakt mit dem Anbieter auf, um Details zu Nutzungsrechten und dem technischen Vorgehen zu klären!

Technische Details: Die Filme können häufig als Datei heruntergeladen und dann je nach Nutzungsbedingungen auf der firmeneigenen Internetseite, im eigenen Youtube-Kanal oder zum Beispiel im E-Mail-Marketing publiziert werden. Werden die Filme durch den jeweiligen Anbieter bereits auf einem Videokanal auf Youtube & Co bereitgestellt, ist die Einbettung durch Kopieren einiger Codezeilen in die eigene Homepage möglich.
In einigen Fällen kann sogar das Videomaterial selbst angepasst werden. So hat der Farbenhersteller Caparol in seinem Film „Helden des Alltags“ Platz für individuelle Firmenangaben im Abspann vorgesehen. Logo, Kontaktdaten und andere Informationen können mit gängiger Videosoftware, etwa von Magix, Sony oder anderen Herstellern, am PC selbst in die Videodatei eingefügt werden. Auf Wunsch übernimmt das in diesem Fall auch die Produktionsfirma  gegen ein Entgelt von 99 Euro.

Beispiele:

Variante 2: Erwerb rechtefreier Filmsequenzen

Nutzen: Manche Aufnahmen sind mit vertretbarem Aufwand kaum zu produzieren. Zum Beispiel, weil ein Filmteam zu bestimmten Orten reisen, Models engagieren (für Gruppenszenen), seltene Motive (zum Beispiel bestimmte Tiere, Wetterszenen) vor die Kamera bekommen oder hochspezialisierte Technik (zum Beispiel für Superzeitlupen, Überflüge und ähnliches) einsetzen müsste. Dann vor allem empfiehlt es sich, auf lizensierte Filmsequenzen (so genanntes Footage-Material) zurückzugreifen.

Praktische Umsetzung: Zahlreiche Bild- und Videovermarkter bieten heute professionell produzierte Clips zu verschiedensten Themen an. Die Footage-Datenbanken können online durchsucht, die Filmsequenzen nach dem Kauf in der bezahlten Auflösung herunter geladen werden. Wichtig: Befolgen Sie die AGB genau! Nicht nur bei der Nutzung, vor allem auch bei der Art der vorgeschriebenen Kennzeichnung unterscheiden sich die Anbieter sehr stark.

Technische Details: Gekaufte Clips können als Datei heruntergeladen und mit jeder aktuellen Videosoftware in Filmprojekte eingebunden werden. Achten Sie beim Kauf unbedingt auf die für Ihr Projekt passende Auflösung des Materials. Nicht alle Clips sind zum Beispiel in HD verfügbar, 4K ist noch vergleichsweise selten.  

Anbieter (Beispiele):

  • Framepool: Deutscher Footage-Pionier mit ca. 750.000 Clips.
  • Clipdealer: Deutsches Portal mit etwa 330.000 Clips und einer wachsenden Bilderdatenbank.
  • Fotolia , iStockPhoto , gettyimages und andere, als Bilderdatenbanken gestartete Portale haben in zunehmendem Umfang auch Videos im Angebot.

Variante 3: Video-Poolproduktion

Nutzen: Ein komplett eigenes Video, von Profis produziert, ist für viele Firmen unerschwinglich. Eine Alternative dazu bietet die Poolproduktion. Vor allem für Firmen eines Verbunds (oder einer Branche), deren Märkte und somit Kundenkreise sich nicht nennenswert überschneiden, ist das eine durchaus prüfenswerte Alternative.

Praktische Umsetzung: Ein Pool von „Standard“-Videosequenzen mit wiederkehrenden Inhalten wird vorproduziert und für mehrere Unternehmensfilme wiederverwendet. Ergänzt um einige individuelle Aufnahmen und gegebenenfalls mit automatisiertem Videoschnitt, entstehen Unternehmensfilme mit individueller Note zu deutlich günstigeren Preisen.

Technische Details: Der Berliner Videodienstleister Wonderlandmovies hat für die Poolproduktion eine Spezialsoftware (Magic Movie Creator) entwickelt. Sie verwaltet den Pool aus vorproduzierten Filmsequenzen und schneidet aus diesen sowie individuell gedrehten Szenen komplette Videos zusammen - vollautomatisch. Die Reihenfolge der Szenen, die Inhalte von Tonelementen und Texteinblendungen werden dabei von einer Datenbank gesteuert, in der die für den Film relevanten Firmendaten (z.B. Standort, Inhaber, Serviceangebote, Spezialitäten) archiviert sind.

Beispiel:

  • Werkstatt-Tube: Sämtliche Videos auf der Seite wurden mit dem Magic Movie Creator von Wonderlandmovies nach dem oben beschriebenen Prinzip hergestellt. Das Projekt wurde vom Kfz-Teile-Großhändler Wessels & Müller initiiert und finanziert. Die Videos waren für die beteiligten Handwerksbetriebe kostenlos.

Variante 4: Personalisierte Videos

Nutzen: Serienbriefe fühlten sich in den Anfängen des PC-Zeitalters fast an wie Zauberei: Vorgefertigte Schreiben wurden automatisch mit persönlicher Anrede, Adresse und individuellen Textelementen versehen – heute längst Standard. Nach ganz ähnlichem Prinzip lassen sich mittlerweile sogar Videos personalisieren. Ein Weg, um Kunden auf Websites zu locken, zur Interaktion in sozialen Netzwerken zu animieren oder einfach mit einer persönlichen Anrede zu überraschen.

Praktische Umsetzung: In Video-Newslettern werden Adressaten heute mit ihrem Namen begrüßt. Auf Firmen-Homepages oder auch bei Live-Veranstaltungen haben Kunden immer öfter Gelegenheit, persönliche Videogrüße an Freunde zu kreieren oder ihr eigenes Konterfei in die Actionszene eines Abenteuerfilms hinein zu kopieren und diese dann über soziale Netzwerke zu posten. Virale Werbung, die bislang allerdings vor allem Konzernen vorbehalten ist. In den nächsten Jahren ist aber mit Baukastenlösungen zu rechnen, die diese Formen des Marketings auch für kleinere Unternehmen erschwinglich werden lassen.

Technische Details: Für personalisierte Videokampagnen bedarf es in der Regel mehrerer Komponenten: Wichtigste Voraussetzung ist ein speziell komponiertes Video. Zweitens eine Software, die die Personalisierung beispielsweise von Gesichtern, Schriftzügen oder Gegenständen steuert. Drittens bedarf es leistungsfähiger Server, die die Videobearbeitung schnell erledigen und das Ergebnis zum Empfänger übertragen. Bei Serien-Videos bedarf es schließlich noch einer Datenbank, die die Veränderungen automatisiert erledigt.

Beispiele:

  • DirectSmile: Die Software für Crossmedia-Marketing enthält ein Tool zur einfachen Personalisierung vorgefertigter Videoclips. Auf der Seite lässt sich der Effekt durch Eingabe von Text testen.
  • Rama: Auf der Homepage der Unilever-Margarine können Nutzer einen persönlichen Videogruß erstellen und über soziale Netzwerke versenden.
  • Wonderlandmovies: Die Berliner Agentur produziert Personal-Videos für Coca Cola, Playboy oder Alfa Romeo. Einige Resultate sind auf dieser Seite zu sehen. Unter 10.000 Euro ist eine solche Kampagne allerdings nicht zu haben.
 
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