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Kapitalanlage Schwarmfinanzierung: Kleines Geld für große Rendite

Unternehmer beteiligen sich gern an anderen Unternehmen - mit dem Unternehmertum kennen sie sich aus und erzielen oft gute Renditen. Meist gilt: Umso jünger ein Unternehmen, desto höher die Rendite. Gleichzeitig ist das Risiko, sein Kapital vollständig zu verlieren aber jungen Unternehmen höher als bei etablierten. Auf diesen Plattformen werden Beteiligungen angeboten.

Themenseite: Crowdfunding

Schwarmfinanzierung ist eine inzwischen etablierte Art, Geld für eine Unternehmensgründung oder ein Vorhaben über eine Plattform einzusammeln: Der Unternehmer oder Gründer legt eine Mindestkapitalmenge fest, die er einsammeln möchte und startet eine Aktion auf einer Plattform. Investoren können ihre Bereitschaft zur Kapitalbereitstellung anzeigen. Ist das gewünschte Kapital erreicht, wird die Aktion geschlossen und die Finanzierung kommt zustande. Eine dieser Plattformen ist Startnext. Über das Unternehmen wurden seit 2010 rund 77,5 Millionen Euro in über 8.100 Projekten finanziert. "Wir sehen ein zunehmendes Interesse am Crowdfunding", sagt Denis Bartelt, Mitbegründer von Startnext.

Jeder Kapitalgeber (Crowdfunder) erhält eine definierte Gegenleistung - Zinsen, Sachleistungen, Beteiligungen am Unternehmen oder am Verkaufserlös, das Projektergebnis oder das finanzierte Produkt zu einem günstigeren Kaufpreis. Auf der Seite crowdfunding.de/plattformen gibt es einen Überblick über rund 120 Plattformen, die Projekte vorstellen und zur Finanzierung anbieten. „Im Bereich Handwerk sehen wir viele Projekte rund um die Themen Holz, Mode, Fotografie oder Kunsthandwerk, die für neue Produktideen und die dazugehörige Gründung Geld einsammeln,“ so Denis Bartelt. Das Gute am Handwerk sei, dass etwas Anfassbares entstehe - das werde von Unterstützern gern finanziert.

Crowdinvesting ist nicht gleich Crowdfunding

Im Alltag werden Crowdfunding und Crowdinvesting oft synonym verwendet. Die Finanzbranche jedoch unterscheidet diese Formen: Beim Crowdfunding erhält der Geldgeber kein Bares als Ertrag. Als Lohn für diesen Einsatz erhält er ein Dankeschön - ein Produkt oder eine Dienstleistung. Dies wird auch als reward-based Crowdfunding bezeichnet. Ist kein Dankeschön vereinbart, handelt es sich um donation-based Crowdfunding - die Einlage ist eine Spende. Für Start-ups ist das Funding besonders interessant, da sie keinen Geldabfluss in Form von Zinsen oder Gewinnbeteiligung verbuchen müssen, um Kapital zu erhalten.

Beim Crowdinvesting (seltener: equity-based Crowdfunding) wird der Unternehmensgewinn den Anteilen am Eigenkapital entsprechend aufgeteilt. Wer investiert wird zum Miteigentümer und hat anhand seines Anteils am Eigenkapital auch ein Mitspracherecht. Da es eine große Summe an Anlegern gibt, ist der Einfluss des Einzelnen meist minimal.

Wer kein Eigenkapital geben mag, sondern lieber einen Kredit gewährt, kann per lending-based Crowdfunding junge Unternehmen unterstützen. Kreditlaufzeit und Zinsen sind festgelegt. Geldgeber tragen das Zinszahlungs- und Kapitalrückzahlungsrisiko.

Vor- und Nachteile der Schwarmfinanzierung

Vorteile des Crowdinvestings

  • Kleinst-Investitionen möglich
  • geringe Investitionskosten, hohe Renditechancen
  • große Auswahl an Projekten
  • Transparenz, da die Präsentation des Unternehmens und Abwicklung der Beteiligung digital erfolgen
  • Finden sich nicht ausreichend Kapitalgeber, erfolgt kein Investment. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass die Geschäftsidee offenbar nicht ausreichend überzeugend war.

Nachteile

  • Der Totalverlust des Investments ist möglich
  • Die Vorbereitung, bis ein Projekt auf eine Plattform kommt, ist aufwendig und der Finanzierungserfolg ist nicht gesichert. Kommt die genannte Summe nicht zustande, war der erhebliche Aufwand für die Finanzierungsrunde ohne jeden Erfolg. Darüberhinaus: Während bei erfolgreiche Finanzierungen meist keine Gebühren an die Plattform gezahlt werden müssen, verlangen die Betreiber bei fehlgeschlagenen Projekten eine Aufwandsentschädigung.
  • Um die Förderwürdigkeit von Produkt- oder Geschäftsideen überzeugend zu präsentieren, muss die Idee ins Netz gestellt werden – mancher Initiator hat Angst vor dem Ideenklau. Und die (vielen) Investoren möchten über Social Media-Kanäle auf dem Laufenden gehalten werden – das kostet Zeit.

    Tipp
  • Crowdfunding muss sowohl zum Projekt (wenig erklärungsbedürftig) als auch zum Unternehmer (Bereitschaft den Geschäftsverlauf mit Bildern und regelmäßigen Posts online zu begleiten) passen.

Der Ablauf auf den Plattformen

Der Unternehmer definiert, wie viel Geld er für welches Vorhaben benötigt. Dann sucht er sich eine Plattform aus, die für sein Projekt geeignet ist und präsentiert dort sein Vorhaben nach den Vorgaben der Plattform, meist mit Texten, Bildern und Videos. Er definiert auch, welche Gegenleistung er erbringt also die Gewinnbeteiligung oder ein konkretes Dankeschön.

Geldgeber suchen auf verschiedenen Plattformen nach Projekten oder Betrieben, die sie unterstützen möchten und von denen sie sich gute Erträge erhoffen. Haben sie ein Projekt gefunden, bei dem die Konditionen für sie stimmen, fließt ihr Beteiligungskapital in den Fundingtopf des Vorhabens. Wird das Fundingziel erreicht, also die zuvor definierte Gesamtsumme eingezahlt, erhält der Unternehmer den Gesamtbetrag und kann sein Vorhaben beginnen.

Die Plattformen im Überblick

Es gibt wirklich viele Plattformen, die Crowdfunding oder Crowdinvesting anbieten. Zu den bekanntesten gehören ...

Bergfürst ist eine vom Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassene Plattform, die Beteiligungen ab 10 Euro bis über 100.000 Euro anbietet.
Exporo ist auf die Immobilienbranche spezialisiert. Betreiligungen sind ab 500 Euro möglich.
Indiegogo stammt aus San Francisco, hat sich aber auch in Deutschland etabliert. Die Mindestbeteiligung liegt bei xx Euro.
Seedmatch ist der der europäische Crowdinvesting-Pionier. Große Anzahl unterschiedlicher Wachstumsunternehmen und Startups. Investments ab 250 Euro.
Visionbakery ist die wie Startnext eine Crowdfunding Plattform Made in Germany und hat ihre Wurzeln im sächsischen Leipzig. Die Plattform bietet überwiegend künstlerische und soziale Projekte zur Finanzierung an.
Zinsbaustein.de bietet Immobilienprojekte an. Es handelt sich um Lending Crowedfunding. Der aktuelle Zins liegt bei 5,25% p.a. bei einer kurzen Laufzeit von 18 – 36 Monaten.
Kickstarter bietet 15 verschiedene Kategorien an, in die das Projekt, das auf der Plattform starten will, hineinpassen muss. Die relevanten Kategorien für Handwerker sind Kunst, Comics, Kunsthandwerk, Design, Mode, Film und Video, Essen und Trinken, Spiele, Musik, Fotografie, Technologie und Theater.
Startnext ist die größte Crowdfunding Plattform im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen sitzt in Berlin und bietet dort eine Sprechstunde und Workshops für Projektstarter an. Es bietet ausschließlich Crowdfunding an.
99 Funken ist die Crowdfunding-Plattform der Sparkasse. Zielgruppen sind Vereine, Personen oder Unternehmen aller Art.

Das Kleinanlegerschutzgesetz - die wichtigsten Regelungen

Um private Investoren - insbesondere die unerfahrenen - vor Fehlinvestments und Verschuldung zu schützen, gibt es Regeln für diese Form der Kapitalanlage, festgehalten im Kleinanlegerschutzgesetz. Sie gelten auch für die Schwarmfinanzierung:

  • private Investitionen bis zu 1.000 Euro sind ohne Auflagen
  • private Investitionen zwischen 1.000 und 10.000 Euro erfordern eine Selbstauskunft des Anlegers. Er muss belegen, dass er
  • ein Vermögen in Höhe von mindestens 100.000 Euro besitzt oder
  • maximal das Doppelte seines monatlichen Nettoeinkommens investiert

Das Crowdfunding und der Fiskus

Fließt Geld aus der Crowd an den Geldsuchenden, wird dieses steuerlich wie ein Gewinn behandelt. Das heißt, es werden Einkommens-/Körperschaftsteuer und eventuell Gewerbesteuer fällig. Je nachdem, wie die Gegenleistung aussieht, kann auch Umsatzsteuer anfallen.

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