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Nachfolge Der Countdown bis zur Übergabe

Es ist nie zu früh, die Nachfolge im eigenen Betrieb zu regeln. Die meisten Unternehmer unterschätzen den Zeitbedarf und verschenken damit wertvollen Gestaltungsspielraum. Erschwerend kommt hinzu, dass die Übergabe in der Familie laut Analyse der KfW-Mittelstandsbank nur noch bei jedem zweiten Betrieb funktioniert.

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Handwerkmeister Rolf Steffen (56) aus Alsdorf schult seit über zwei Jahrzehnten Berufskollegen in Managementfragen. Im Mai 2016 hat er die Führung seines Sanitär-Heizungs- und Elektrobetriebes abgegeben, um sich ganz der von ihm gegründeten Akademie Zukunft Handwerk widmen zu können. Hier seine Schritt-für-Schritt-Anleitung in Sachen Nachfolge.

Phase 1: Erkennen der eigenen Endlichkeit

Idealer Zeitpunkt: Beim Start in die Selbstständigkeit

Höchste Zeit: 5-6 Jahre vor dem geplanten Ausstieg

Wann möchten Sie die Führungsverantwortung im eigenen Betrieb abgeben? Erarbeiten Sie, um diese Frage fundiert zu beantworten, gemeinsam mit Ihrer Partnerin/ Ihrem Partner eine private wie geschäftliche Lebensplanung. Welche Träume und Wünsche möchten Sie verwirklichen? Untersetzen Sie den Weg zu diesen Lebenszielen mit Meilensteinen. Aktualisieren Sie die Planung alle zwei Jahre.

Phase 2: Orientierung im Nachfolge-Dschungel

Idealer Zeitpunkt: 10 Jahre vor dem geplanten Ausstieg

Höchste Zeit: 3-5 Jahre vor dem geplanten Ausstieg

Wie möchten Sie die Führungsverantwortung abgeben? Für die ganze Firma oder nur einen Teil? Innerhalb der Familie oder extern? Soll die Firma verkauft oder lediglich der Chefsessel neu besetzt werden? Ist die Firma für potenzielle Nachfolger schon attraktiv? Existieren persönliche Bürgschaften oder andere (zum Beispiel familiäre) Verflechtungen, die eine Nachfolgelösung behindern können?

Phase 3: Konzeption des Nachfolgeprozesses

Idealer Zeitpunkt: 8-10 Jahre vor dem geplanten Ausstieg

Höchste Zeit: 3 Jahre vor dem geplanten Ausstieg

Sind Veränderungen an der Firmenstruktur oder an der Rechtsform notwendig? Müssen Firmenteile oder Vermögenswerte wie zum Beispiel Immobilen ausgegliedert werden? Erarbeiten Sie einen Businessplan für die Übergabephase. Formulieren Sie ein Bewerberprofil für Ihren Wunsch-Nachfolger: Welche Eigenschaften sollte er mitbringen, welches Wissen, welche Erfahrungen, Fähigkeiten - und welche finanziellen Mittel? Holen Sie, wo immer notwendig, steuerrechtlichen, juristischen und betriebswirtschaftlichen Rat ein.

Phase 4: Suche geeigneter Nachfolger

Idealer Zeitpunkt: 5-8 Jahre vor dem geplanten Ausstieg

Höchste Zeit: 2-3 Jahre vor dem geplanten Ausstieg

Sorgen Sie dafür, dass potenzielle Nachfolger von Ihren Plänen erfahren! Bedenken Sie dabei: Je stärker Know-how, Kundenbeziehungen und Management der Firma auf Ihre Person zugeschnitten sind, desto empfindlicher könnten Kunden auf Ihre Rücktrittsabsichten reagieren. Veröffentlichen Sie in diesem Fall eher chiffrierte Anzeigen (zum Beispiel in Online-Datenbanken) als offene. Binden Sie persönliche Vertraute, Berater, Freunde und zum Beispiel Mitarbeiter ein. Sorgen Sie dafür, am Ende mehr als einen Bewerber zu haben!

Phase 5: Erprobung in der Unternehmenspraxis

Idealer Zeitpunkt: 2-5 Jahre vor dem geplanten Ausstieg

Höchste Zeit: 1 Jahr vor dem geplanten Ausstieg

Eine Testphase, in der der potenzielle Nachfolger im Betrieb mitarbeitet, bietet allen Beteiligten die Chance, eigene Vorstellungen mit der Wirklichkeit abzugleichen. Übertragen Sie Ihrem Nachfolger dafür einen klar definierten Aufgabenbereich. Gewähren Sie ihm möglichst umfassende Handlungsfreiheit – gepaart mit dem Angebot, bei Bedarf beratend und unterstützend zur Seite zu stehen. Stellen Sie den „Neuen“ Mitarbeitern und wichtigen Geschäftspartnern als Führungskraft vor, (noch nicht jedoch als Nachfolger). Sprechen Sie mit ihm auch schon über Finanzierungsfragen.

Phase 6: Übergabe des Unternehmens

Idealer Zeitpunkt: 1-2 Jahre vor dem geplanten Ausstieg

Höchste Zeit: 3 Monate vor dem geplanten Ausstieg

Wenn Ihre Entscheidung für einen Kandidaten gefallen ist, gilt es, das Übergabekonzept aus Phase 3 in die Tat umzusetzen. Verträge auszuarbeiten, steuerliche Fragen zu klären, die Finanzierung auszuhandeln kostet oft mehr Zeit als gedacht! Auch Lieferanten, Banken gilt es als aktive Unterstützer zu gewinnen. Kommunizieren Sie die Übergabe nun offensiv nach innen und außen!

Phase 7: Konsolidierung der neuen Firmenleitung

Idealer Zeitraum: bis ca. 2 Jahre nach dem Ausstieg

Nach einer Unternehmensübergabe tauchen fast immer unerwartete Klippen auf. Das Wissen des Seniors, seine Kontakte und Erfahrungen sind dabei oft wertvoll. Statt gleich nach der Übergabe „vom Erdboden zu verschwinden“, sollten Sie dem Nachfolger weiterhin als Vertrauensperson, vielleicht auch als Vermittler und Ratgeber zur Verfügung stehen.

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