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Computer werden billiger

IT-Trends | Große Techniksprünge gibt es bei der Branchenmesse CeBIT 2008 in der neuen Computergeneration nicht. Feintuning ist angesagt. Hier die Trends 2008 bei Hard- und Software.

Ordentlich misslungen scheint der Auftakt der Computersaison 2008. Eine Vorausschau auf die Messe CeBIT in Hannover, einst wichtigstes Konjunkturbarometer, zeigt: In der IT-Branche hat sich das Wachstumstempo deutlich verlangsamt, in vielen Segmenten wird sogar ein Umsatzminus erwartet. Der PC-Markt wird nach Expertenmeinung dieses Jahr höchstens einstellig wachsen. Dabei sind Desktop-Computer rückläufig, nur die unverändert hohe Nachfrage für Notebooks hievt die Gesamtzahlen ins Plus. Auch die Software schwächelt und leidet seit Jahren unter einem Preisverfall, der durch höhere Stückzahlen nicht mehr wettgemacht werden kann. Branchensoftware für das Handwerk, früher nur ab 5000 Euro zu haben, liegt mittlerweile für einige Hunderter in den Händlerregalen. Um durchschnittlich 20 Prozent werden IT-Artikel jährlich günstiger – ein Minus, das die Branche kaum mehr durch höhere Stückumsätze ausgleichen kann.

Für die Kunden ist diese Situation auf den ersten Blick komfortabel. Die Preise sinken, andauernd ist irgendwo ein Sonderverkauf, und jeder Supermarkt hat mittlerweile wie selbstverständlich IT-Schnäppchen im Angebot. Computertechnik ab Palette und standardisierter Verkauf ohne Beratung haben aber auch das Kundenverhalten verändert. Im Büro und in der Werkstatt hat jeder Unternehmer bereits mehrere PCs. Der Markt ist gesättigt. Statistisch hat jeder Deutsche bereits mehr als zwei PCs und mindestens ein Handy. Die werden nur dann gegen neue Technik getauscht, wenn mit den alten Geräten nichts mehr geht. Kaum jemand will ein eingespieltes, gut laufendes System im Büro wechseln. Warum auch, es gibt kaum Neues und kaum Innovatives, das im Unternehmen wirklich die Organisation und das Geschäft merklich verbessert.

Prozessor mit vier Herzen

Die Zeit der großen Innovationen ist vorbei. Das zeigt die CeBIT (4. bis 9. März in Hannover) als größte IT-Frühjahrsmesse und das zeigen die großen IT-Firmen mit Ihrer Produktpolitik. Intel als Marktführer in Sachen Prozessoren tritt deutlich auf die Bremse. Die Duo-Core-Prozessoren haben seit einem Jahr die Single-Chips abgelöst. Zwei Rechner in einem Gehäuse – das ist annähernd doppelt so schnell. Das haben die Kunden verstanden und gekauft, zumal der Preis attraktiv war und ist. Die Doppelherzen sind so billig wie einst die Einfachprozessoren. Sie kosten rund 50 Euro.

Welche Entwicklung kommt nach dem Duo Core? Richtig, der Vierfach-Prozessor wird irgendwann die jetzigen Brot-und-Butter-Chips ablösen. Es gibt ihn bereits, allerdings zu einem hohen Preis. Knapp 900 Euro sind zu berappen für einen Chip mit vier Prozessorherzen, der zudem an einem Geburtsfehler leidet. Neben dem hohen Preis hat er ein technisches Problem: Der Quad Core ist nicht wie in Prospekten versprochen viermal so schnell. Denn nur ein einziges RAM ist in der Praxis ein gewaltiger Flaschenhals, der die parallele Arbeit aufwendig macht und letztlich verlangsamt, weil ein Gutteil der Rechenpower für die Eigenverwaltung draufgeht.

Intel hat sich also verrechnet. Zum Auftakt des neuen Betriebssystems Vista sollte auch neue Hardware die Kunden in die Läden ziehen. Der Vista-Start musste bekanntlich verschoben werden, die Duo-Core-Initiative ging ohne flankierende Softwareinnovation ins Leere. Die Branche musste erkennen: Niemand braucht und will einen Prozessor mit mehr Leistung, so lange der alte PC mit
Windows-XP-Betriebssystem ordentlich läuft. Auch die verspätete Vista-Einführung führte nicht zu einem Run auf die Computershops. Vielleicht deshalb richtet Intel als Marktführer sein Augenmerk noch stärker auf den Wettbewerb und versucht, dem einzigen Konkurrenten AMD das Leben schwer zu machen. Kartell-behörden in Japan, Korea, Europa und in den USA untersuchen bereits das Monopolverhalten von Intel. Wenn sich der Verdacht erhärtet, dass Intel sich den Markt mit verdeckten Provisionen und Drohungen gegenüber PC-Herstellern erkauft haben soll, kann das teuer werden.

Ähnlich könnte es auch im seit Jahren währenden Rechtsstreit der EU mit Microsoft ausgehen. Zum zweiten Mal ziehen EU-Behörden die große Keule und drohen mit drastisch hohen Bußgeldern. Sie wollen nachweisen, dass Microsoft ihre Wettbewerber behindert. Die Klage stützt sich auf den skandinavischen Anbieter des Internet-Browsers Opera. Der Hersteller sieht sich weiterhin durch die kostenlose Dreingabe des Microsoft-Explorers in XP und Vista behindert.


Software für kleine Betriebe
Die gleiche Strategie fährt Microsoft womöglich jetzt mit ihrem Zukauf Navision. Die Unternehmenssoftware, nach der Übernahme von Navision in Microsoft Dynamics umfirmiert, war bislang schon wegen des hohen Preises vorwiegend eine Lösung für größere Unternehmen. Nun drängt Microsoft in den bislang von mittelständischen Softwarehäusern dominierten Markt der kleineren Unternehmen. Mit Dynamics Entrepreneur richtet sich Microsoft speziell an Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern. Die kaufmännische Software soll Firmen besonders im Materialeinkauf, im Vertrieb, in der Rechnungsstellung und bei der Verwaltung von Kundenkontakten unterstützen. Der Preis ist attraktiv und unterbietet mühelos die meisten Wettbewerbsangebote: Nur 895 Euro pro Nutzer ist die unverbindliche Preisempfehlung für Dynamics Entrepreneur. „Damit geben wir kleinen Betrieben ein EDV-Werkzeug an die Hand, mit dem sie in kleinerer Dimension dieselbe Unternehmenssoftware nutzen können wie große Unternehmen“, sagte Microsoft-Geschäftsführer Robert Helgerth zum Vertriebsstart.

Die freien Softwarehäuser offerieren ihren Kunden eine Lösung, die ins marktbeherrschende Microsoft-Umfeld XP/Vista und Office eingebunden ist. Dazu sind sie meist besonders autorisierte Microsoft-Partner. Moser Software nennt sich Gold Certified Microsoft Partner, und Sage stellt wie nahezu alle Anbieter für das Handwerk bei ihren Brachenprogrammen die nahtlose Office-Anbindung in den Mittelpunkt. Das war in der Vergangenheit erfolgreich, aber jetzt? Jetzt sind die Softwarehäuser direkte Konkurrenten von Microsoft Dynamics. Man darf gespannt sein, wie die Hersteller von Branchenprogrammen reagieren. Den Kunden kann es zunächst freuen, hat er doch eine größere Auswahl. Zunächst, denn genau nach diesem Muster hat Microsoft schon größere Wettbewerbsunternehmen wirtschaftlich scheitern lassen. Die Folge: Marktteilnehmer verschwinden, die Auswahl wird geringer, der Innovationsdruck lässt nach und die Preise steigen. Auch eine Möglichkeit, Preissteigerungen durchzusetzen.

Neue Ideen bei Apple

Einen anderen Weg geht derzeit Apple Computer. Immer wieder überrascht der Hersteller mit neuen Ideen. Vor zwei Jahren war es die Umstellung auf Intel-basierende Rechner. Das ermöglicht neben Apple-OS alternativ oder zusätzlich auch die Arbeit mit Linux oder Windows. Viele Experten kritisierten diese Entscheidung als Umsatzkiller und Abkehr der wichtigsten Markengrundsätze. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Kunden honorieren die zusätzliche Flexibilität und zahlen höhere Preise. Zuletzt hat Apple den Handymarkt mit dem iPhone belebt. Rechtzeitig zur CeBIT landet Apple den nächsten Überraschungscoup: Das neue Apple-MacBook ist superleicht und hauchdünn wie eine Brotscheibe. Trotzdem hat das Notebook eine große Klappe für eine ordentliche Bildschirmdiagonale und eine vollwertige Tastatur.

DVD-Nachfolge geklärt

Ebenfalls ein Glücksfall ist das Ende des Systemstreits um die DVD-Nachfolge. Blu-Ray oder HD-DVD – das ist nun nach klarer Ansage von Warner Bros. beantwortet (wir berichteten in der letzten Ausgabe). Mit der Entscheidung des US-Filmproduzenten für Blu-Ray steht das Sony-Konsortium als Sieger fest. Noch kosten die Laufwerke der neuen Generation knapp 500 Euro. Das wird sich schnell ändern, denn ein einziger Standard verbilligt die Produktion und erhöht gleichzeitig die Akzeptanz der Kunden. Der Vorteil von Blu-Ray gegenüber DVD: mehr Speicher, schnelleres Abspielen und höhere Qualität.

Schnellere Festplatten

Mehr Speicher und gleichzeitig schneller bei noch kleineren Abmessungen gilt auch bei Festplatten. SATA heißt das Zauberwort, das Festplattenspeicher schnell, sicher und preiswert macht. Der serielle Datenbus SATA (auch S-ATA oder IDE) hat die ATA-Technik mit den Breitbandkabeln abgelöst, weil damit Transfergeschwindigkeiten deutlich unter 10 ms möglich sind. SATA erfordert einen entsprechenden Stecker auf dem Motherboard, die passende Buchse an der Festplatte und ein spezielles (rotes) Kabel als Verbindung. SATA führt zu einer deutlichen Leistungssteigerung des Systems. Vielleicht sogar ein Grund, ältere Systeme mit IDE-Technik auszutauschen. SATA-Festplatten mit Kapazitäten um 250 Gigabyte kosten etwa 50 Euro.

Bildschirm auswechseln

Ist der Rechner in Ordnung, könnte der Austausch des Bildschirms Zucker für die Augen sein. Raus mit den alten Kathodenstrahlern, die ja nach der Röntgenverordnung zu behandeln und genau genommen Sondermüll sind, rein mit superflachen TFTs. Das schafft Platz auf dem Schreibtisch und ist eine Wohltat für das Bedienpersonal.

Strom sparen

Wenn sich auch technologisch bei Computern in den letzten beiden Jahren nicht viel getan hat, einen wichtigen Grund für die Anschaffung neuer Computer gibt es: den Umweltschutz. Bislang haben PC-Hersteller bei Desktop-Modellen nicht darauf geachtet, wie viel Strom die Kiste verbraucht. Im Gegenteil, je höher der Wattverbrauch des Netzteils, desto kräftiger und leistungsfähiger wurde der PC in den Prospekten angepriesen. Ein PC alter Bauart frisst gerne mal 200 bis 300 Watt Strom, und selbst im Standby-Modus läuft der Verbrauch kaum gemindert weiter. Neue, sogenannte Green-PCs haben ein so hohes Sparpotenzial, dass in ein bis zwei Jahren die Gesamtinvestition wieder eingespielt ist. Bei Volllast verbrauchen solche Computer etwa 100 Watt (gemessen zwischen Netzteil und Steckdose, Verbrauchsersparnis mindestens zwei Kilowattstunden pro Bürotag), in der Ruhephase nur die Hälfte und im Standby lediglich zwei bis drei Watt.

Peter Altmann

reinhold.mulatz@handwerk-magazin.de

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