Climate Action -

Internationale Handwerksmesse 2020 Climate Action: So funktioniert Klimaschutz als Einnahmequelle

Viele Unternehmer verbinden das Thema Klimaschutz vor allem mit bürokratischen Auflagen und hohen Kosten. Doch für viele Handwerker bedeutet Klimaschutz auch volle Auftragsbücher, neue Kunden und Einsparpotenziale. So profitieren Sie von Climate Action.

Die Wissenschaft ist sich einig: Das Klima wandelt sich, es wird immer wärmer auf dieser Erde. Damit das keine katastrophalen Ausmaße annimmt, sind Politik und Wirtschaft gefordert, etwas zu unternehmen. Klar ist: Während das Thema Klimaschutz wie ein Damoklesschwert über vielen Industriezweigen schwebt, ist es für viele Handwerker eine neue Chance zu glänzen – und das haben bereits viele Unternehmer erkannt. In einer Umfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) gaben insgesamt 73 Prozent der befragten Handwerksunternehmen an, dass ihnen Klimaschutz wichtig ist. Und der Klimaschutz ist auch wichtig fürs Geschäft: Schließlich sind es Handwerker, die Gebäude energieeffizienter machen, energiesparende Heizanlagen einbauen und auch an vielen weiteren Modernisierungs- und Umbauprojekten im Rahmen von Klimaschutz-Initiativen aktiv mitwirken.

Vielen Handwerkern fehlen die Zeit und der Durchblick

Dennoch sind sich viele Handwerker unsicher, wie sie das Thema Klimaschutz im eigenen Betrieb angehen können, dabei ist die Unterstützung der Betriebe besonders wichtig: „Klimaschutz funktioniert nur mit dem Handwerk“, sagt Susanne Sadremoghaddam, Beauftragte für Innovation und Technologie bei der HWK Schwaben, die seit elf Jahren insbesondere das Bau- und Ausbauhandwerk im Thema Klimaschutz unterstützt. Denn Unternehmer aus diesen Gewerken dämmen Häuser, installieren Solaranlagen und ermöglichen mit ihrer Arbeit überhaupt erst Bauformen wie Passivhäuser, die netto mehr Energie produzieren als konsumieren und damit das Klima schonen. Dazu hat die HWK Schwaben das Klimaschutznetzwerk für Handwerker ins Leben gerufen. Aktuell sind mehr als 750 Handwerksbetriebe über die Plattform vernetzt und können voneinander lernen, wie das in der Praxis funktioniert: Klima schützen im eigenen Betrieb.

Zusätzlich sind in Sachen Klimaschutz versierte Handwerker aus der Region über das Netzwerk auch für potenzielle Kunden leichter zu finden. Interessiert sich ein Häuslebauer zum Beispiel für das Thema Solarthermie, findet er über die Plattform direkt einen Handwerker aus der Region. „Wir wollen Verbrauchern mit dem Klimaschutznetzwerk zeigen, dass effizientes Bauen und Sanieren perfekt mit unserem Handwerk machbar ist“, sagt Sadremoghaddam.

Klimaschutz fängt schon beim Einkauf an

Doch der Klimaschutz beschränkt sich bei weitem nicht nur auf Baugewerke. Jeder Handwerker kann seinen Beitrag zum Klima leisten und dafür sorgen, dass das eigene Geschäft davon sogar profitiert. Wenn energieintensive Betriebe wie Bäckereien und Metzgereien etwa ihre Öfen und Kühlanlagen energieeffizienter machen, sparen sie damit CO² – und auch Energiekosten. Wer sich für ein besseres Klima einsetzen möchte, sollte zudem bereits beim Einkauf von Materialien und Vorprodukten auf den CO²-Fußabdruck achten. Wer sich unsicher ist, ob er gerade ein klimaschädliches Produkt kauft, kann sich folgende Fragen stellen:

  • Wo kommt das Material her?
    Je weiter das Material vom Abbau- oder Produktionsort bis in die heimische Werkstatt transportiert werden muss, desto mehr CO² entsteht.
  • Gibt es eine ökologische Alternative?
    Viele Handwerker haben ihre Lieblingsprodukte, auf die sie seit Jahren oder Generationen schwören. Dabei kommen immer mehr neue, nachhaltigere Produkte auf den Markt. Unternehmer können darum beim Einkauf auch mal in anderen Regalen schauen, den Katalog weiter durchblättern oder online in anderen Shops schauen. Handwerker sollten bei ihrer Suche nach neuen ökologischen Produkten auch kleineren Herstellern eine Chance geben.

Klimaschutz muss nicht teuer sein

Viele Handwerker schrecken vor höheren Kosten durch Öko-Werkstoffe zurück. Sie fürchten: Wer CO² sparen will, zahlt drauf. Laut ZDH-Umfrage sind nur 30 Prozent der befragten Unternehmen bereit, höhere oder zusätzliche Belastungen für den Klimaschutz in Kauf zu nehmen. Dabei können Unternehmer mit vielen Maßnahmen Geld sparen. Das größte Potenzial schlummert in der Werkstatt. Denn neben Ausgaben für Mitarbeiter, Fahrzeuge und Material steht der Energieverbrauch bei der Klimabilanz ganz weit oben auf der Rechnung. Probleme sind:

  • Unnötig laufende Maschinen
    Viele Handwerker kommen morgens in die Werkstatt und schalten erstmal alles an. Zugegeben, das tun sie nicht grundlos: Denn manche Maschinen brauchen nun mal eine gewisse Anlaufzeit, bevor sie einsatzbereit sind. Trotzdem sollten Mitarbeiter darauf achten, Maschinen erst dann am Tag einzuschalten, wenn sie diese auch tatsächlich benutzen müssen. Wissen sie, dass die Maschine dann vorerst nicht mehr gebraucht wird, sollten sie diese abschalten. Denn es kostet Unternehmer viel mehr Strom und produziert viel mehr CO², wenn eine Maschine stundenlang an ist, obwohl sie nur fünf Minuten zum Anlaufen braucht.
  • Abwärme geht verloren
    Die Motoren großer Maschinen verbrauchen nicht nur Unmengen an Strom, sondern produzieren auch viel Abwärme. Ein Beispiel: Bei Kompressoren geht rund 94 Prozent der Energie als Abwärme verloren – aber das muss nicht sein. Wer in einen Wärmetauscher investiert, kann die Wärme direkt als Energie nutzen oder mit Hilfe einer Wärmepumpe die Abluft für die Beheizung nutzen. So lassen sich je nach Betrieb sogar mehrere tausend Euro im Jahr sparen.
  • Undichtes Druckluftsystem
    Kompressoren haben abgesehen von ihrem hohen Wärmeverlust oft ein weiteres Problem. Viele Druckluftsysteme in Werkstätten sind in die Jahre gekommen und nicht mehr dicht. Das bereitet gleich zwei Probleme: Zum einen wird der Kompressor stärker belastet und verbraucht so mehr Energie. Zum anderen brauchen Handwerker für viele Tätigkeiten länger, weil die Luft am Ende nur mit wenig Druck aus der Leitung kommt. Ein Check der Leitungen lohnt sich also.

Wer in Klimaschutz investiert, bekommt Geld vom Staat dazu

Wer den CO²-Fußabdruck des Unternehmens noch weiter senken möchte und zum Beispiel eine große Lagerhalle hat, für den kann sich die Investition in eine Solaranlage lohnen. Zum einen produziert der Betrieb dann einen Teil seiner benötigten Energie selbst und zum anderen gibt es viele Förderprogramme, die die Kosten solcher Anschaffungen reduzieren. Solche Subventionen sind aber längst nicht allen Unternehmern ein Begriff. Nur 22 Prozent wissen über Fördermöglichkeiten Bescheid, zeigt die ZDH-Umfrage. Am bekanntesten sind Programme des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und der staatlichen Förderbank KfW. Dabei bieten auch viele Bundesländer und Landkreise spezielle Förderungen für kleine und mittelständische Betriebe an.

Handwerkskammern unterstützen Klimaschutz-Handwerker

Wer auf der Suche nach ganz pragmatischer Beratung zum Thema Klimaschutz ist, findet zum Beispiel bei Initiativen wie der Handwerksoffensive Energieeffizienz Hilfe. Um über die Stadtgrenzen hinaus zu wirken, hat Gabriele Poth, Leiterin des Zentrums für Umwelt und Energie der HWK Düsseldorf, den Masterplan Klimaschutz für die Region Ruhr erarbeitet. Drei Kommunen und elf Kreishandwerkerschaften beteiligen sich an der Kooperation mit dem Regionalverband Ruhr. „Mit der Initiative wollen wir Begeisterung und Motivation für den Klimaschutz bei Handwerkern hervorrufen und bündeln“, sagt Poth. „Vielen Kommunen fehlt eine umfassende Strategie, wie sie das Thema angehen sollen. Mit dem Masterplan wollen wir eine Brücke schlagen und den Einstieg in den Klimaschutz gemeinsam meistern.“

Poth und ihre Mitstreiter haben sich damit bereits die Unterstützung der Schornsteinfeger gesichert und einen ersten Meilenstein erreicht. Schornsteinfeger erfassen bei ihrer Arbeit allerorts Daten über durch Kamine ausgestoßene Schadstoffe. „Wir haben schon erreicht, dass der Regionalverband Ruhr eine Schnittstelle zur Verfügung stellt, über die Schornsteinfeger diese Daten anonymisiert  und als CO²-Wert zur Verfügung stellen können“, erklärt die Umweltexpertin der HWK Düsseldorf. „Denn nur so können Kommunen besser einschätzen, wie es tatsächlich um ihre CO²-Bilanz steht.“

Noch mehr CO² sparen: Wie wäre es mit einem Elektroauto?

Und zu dieser tragen nicht nur Heizungen in Privathaushalten und Unternehmen bei, sondern im großen Maße auch der Autoverkehr. Handwerker müssen jederzeit mobil sein und teils große Strecken zu ihren Kunden zurücklegen. Besonders auf dem Land sind Mitarbeiter auf große Fahrzeuge beladen mit Material und Werkzeug angewiesen. Wer in der Stadt arbeitet, der bläst viele Abgase im Stau und auf der Suche nach einem Parkplatz in die Luft. Dabei sind die Wege zum Kunden oft kurz und flach.

Handwerker, die zum Beispiel auf Reparaturen spezialisiert sind und nicht viel Material zum Kunden befördern müssen, könnten zum Beispiel auf E-Lastenräder umsatteln, an den im Stau stehenden Autos vorbeisausen und direkt vor der Haustür des Kunden parken.  

Eine weitere Möglichkeit, um im Handwerkeralltag CO2 zu sparen, sind Elektrofahrzeuge. Städte wie Düsseldorf bieten für E-Autos sogar eigene Fahrstreifen an, damit diese im Gegenzug für ihren Einsatz fürs Klima schneller ans Ziel kommen. Die Autos können dann nach Feierabend einfach vor der Werkstatt geladen werden.

Unternehmer, die so viel Einsatz fürs Klima zeigen, erhalten dabei auch Unterstützung von der KfW, dem BAFA oder dem jeweiligen Bundesland. Klimaschutz macht sich also auch für Handwerker bezahlt.

ZDH, Internetumfrage "Klimaschutz im Handwerk":

https://www.zdh.de/fachbereiche/wirtschaft-energie-umwelt/konjunktur-umfragen/sonderumfragen/klimaschutz-im-handwerk/

https://www.zdh.de/fileadmin/user_upload/themen/wirtschaft/sonderumfragen/sept_2019_Klimaschutz/191121_Ergebnisbericht_Sonder-Umfrage_Klimaschutz_freigegeben.pdf

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