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Finanzierung Bürgschaft: So sorgen die Bürgschaftsbanken für Handwerkerkredite

Wenn die Hausbank keinen Kredit ohne zusätzliche Sicherheit geben möchte, haben Handwerksunternehmer eine Alternative: Sie können bei der Bürgschaftsbank ihres Bundeslandes nachfragen, ob sie eine Bürgschaft übernimmt. Das bedeutet, dass sie die Zins- und Tilgungspflicht des Handwerksunternehmers übernimmt, wenn dieser sie nicht mehr leisten kann.

Topic channels: TS Eigenkapital, TS Fördermittel und TS Kapitalmarkt

Die zweite repräsentative Sonderbefragung auf Basis des KfW-Mittelstandspanels von Anfang Juni 2020 zeigt: Der Großteil des deutschen Mittelstands wird die Folgen der Corona-Krise lange spüren.

„Eine Rückkehr zu voller Wirtschaftsaktivität erwarten die meisten Unternehmen nicht vor Frühjahr 2021. Rund 2,3 Mio. Mittelständler waren auch im Mai von Umsatzeinbrüchen betroffen“, sagt Stephan Jansen, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB) mit Sitz in Berlin. Durchschnittlich 46 % der üblicherweise zu erwartenden Umsätze gingen verloren. Insgesamt büßte der Mittelstand im Mai rund 88 Milliarden Euro ein. „Dies belastet auch die Liquidität der Unternehmen“, so Jansen. Zwar scheint sich die Situation für einige entspannt zu haben – so berichten 25 % der Mittelständler aktuell über ausreichend Liquiditätsreserven. Bei rund jedem fünften Unternehmen reichen die liquiden Mittel jedoch nur noch bis zu vier Wochen – wenn sich an der derzeitigen Situation nichts ändert.

Was Handwerksunternehmer jetzt tun können

Handwerksunternehmer, die in der Liquiditätsklemme stecken und von ihrer Hausbank keinen Kredit ohne zusätzliche Sicherheit bekommen, haben eine Alternative: Sie können bei der Bürgschaftsbank ihres Bundeslandes nachfragen, ob sie eine Bürgschaft übernimmt. Das bedeutet, dass sie die Zins- und Tilgungspflicht des Handwerksunternehmers trägt, wenn dieser sie nicht mehr leisten kann. Mit dieser Bürgschaft im Rücken, gewähren Hausbanken auch dann einen zinsgünstigen Kredit, wenn die eigene Bonität dazu nicht ausreicht.

Corona steigert die Nachfrage nach Bürgschaften

„In der Corona-Krise stieg die Nachfrage nach Bürgschaften enorm an: „In der Zeit von Mitte März bis Mitte Juli haben wir im Schnitt ein Plus von 35 % gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen nutzen unser Angebot. Im Handwerk stieg die Nachfrage um 20 %“, sagt Jansen. „Seit Ausbruch der Corona-Krise Mitte März verdoppelten sich bei vielen Bürgschaftsbanken die Antragszahlen sogar“, so Jansen. Alle 17 deutschen Bürgschaftsbanken und Beteiligungsgarantiegesellschaften sowie 15 Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBGen) sind im VDB vertreten.

Auch Beteiligungskapital kann helfen

Mittelständische Beteiligungsgesellschaften bieten Beteiligungskapital als Ergänzung zum Bankkredit. Kleine und mittelständische Unternehmen können so ihre Eigenkapitalquote erhöhen, was zu einer besseren Bewertung durch die Hausbanken führt – und günstigere Kreditkonditionen nach sich zieht. Meistens wird das Eigenkapital in Form von typisch stillen Beteiligungen vergeben. Die MBGen arbeiten nicht renditeorientiert und bieten mittelstandsfreundliche Konditionen. Sie nehmen keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft ihrer Beteiligungsnehmer.

Starke Gründungstätigkeit trotz Corona

Stephan Jansen hat eine Entwicklung besonders überrascht: Die Existenzgründungen sind fast auf dem Vorjahresniveau. „Dass der Gründungsbereich so stark ist, isst ein gutes Zeichen. Die Gründer haben ihr Vorhaben langfristig geplant und sie lassen sich von Corona nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Die Banken verlassen sich auf die Bürgschaftsbanken – so kommt eine solide Finanzierung zustande“, erzählt er.

Corona bringt mehr Möglichkeiten für die Bürgschaftsbanken

Im Zuge der Krise haben die privaten Bürgschaftsbanken eine erhebliche Ausweitung ihrer Fördermöglichkeiten vom Bund und den Bundesländern erhalten. Diese umfassen unter anderem die Anhebung der Bürgschaftsobergrenze auf 2,5 Mio. Euro (bisher 1,25 Mio. Euro), eine höhere Risikoübernahme des Bundes durch Erhöhung der Rückbürgschaft sowie verschiedene Maßnahmen zur Beschleunigung der Entscheidungen. Die Bürgschaftsbanken nutzen zudem die verbesserten EU-Beihilfen und haben somit mehr Freiräume zur Unterstützung von Unternehmen. In vielen Fällen sind die Institute in Hilfsprogramme der Länder eingebunden.

Sofern infolge der Corona-Krise zur Überbrückung Kredite notwendig werden, können die Bürgschaftsbanken diese in Verbindung mit einer Hausbankfinanzierung grundsätzlich besichern. Die Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle sollen aber vor Ausbruch der Krise wirtschaftlich tragfähig gewesen sein.

Trotz Antrag über das Internet erfolgt Beratung

Handwerker, die sich für eine Bürgschaft interessieren, können den Antrag unkompliziert stellen. „Bereits im Herbst 2019 ist unser Finanzierungsportal ermoeglicher.de gestartet. Wir wollten schon früh näher an unsere Zielgruppe. Da die Seite im März, zu Beginn der Corona-Krise bereits problemlos lief, waren wir sofort handlungsfähig, als die Nachfrage plötzlich auf 8.000 Anträge innerhalb kürzester Zeit stieg“, erzählt Jansen. Die Leistung von ermoeglicher.de gehe über Kredit und Bürgschaft hinaus: „Wir bieten auch Rat und Tat. Unsere Mitarbeiter schauen sich jeden Fall an und unterstützen die Antragsteller“, sagt er. Das Internet sei nur der Erstkontakt, alles andere dann im persönlichen Gespräch.

Aktuell verzeichnet die Seite rund 100 Anfragen pro Woche. Jansen ist mit der Entwicklung zufrieden und rät Handwerkern: „Kommen Sie frühzeitig zu uns und nicht erst, wenn finanziell nichts mehr geht. Wir erstellen mit Ihnen zusammen eine tragfähige Finanzierung. Und da wir non-profit arbeiten, beraten wir auch ohne Bürgschaftsabschluss.

Der klassische Weg zur Bürgschaft

Die Bürgschaft wird normalerweise über ein Kreditinstitut beantragt. In den seltenen Fällen auch über eine Leasinggesellschaft. Fragen Sie ihre Hausbank nach möglicher Risikoentlastung durch die Bürgschaftsbank. Es gibt aber auch die Möglichkeit, vorab bei der Bürgschaftsbank nach Unterstützung zu fragen. Wird diese gewährt, kann der Handwerker mit dieser Zusage in das Gespräch mit seinem Bankberater gehen.

Die Bürgschaftsbanken haben diverse Programme, die von Existenzgründung über Innovationsfinanzierung bis hin zu Liquiditätskrediten, Wachstumsfinanzierung und Ressourceneffizienzfinanzierung reichen. Die vollständige Liste aller Programme, inklusive Fördervoraussetzungen, Förderhöhe und Konditionen Konditionen am Beispiel der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, finden Sie hier: https://www.buergschaftsbank.de/buergschaftsbank/fuer-unternehmen/programme

Was die Bürgschaftsbank prüft

Die Bürgschaftsbank prüft die programmgebundene Förderfähigkeit des Vorhabens. Dabei berücksichtigt sie auch die üblichen Kredit-Kriterien, wie die wirtschaftliche Tragfähigkeit des konkreten Vorhabens und nicht nur die finanzielle Gesamtsituation des Handwerksunternehmers.

Dafür gibt es keine Bürgschaft

Die Bürgschaftsbank übernimmt keine Bürgschaften für Sanierungen und Maßnahmen von Unternehmen, die keine KMU sind. Die Unternehmen müssen zum 31.12.2019 ein tragfähiges Geschäftsmodell gehabt haben. Als kleines und mittleres Unternehmen (KMU) gelten Betriebe, wenn sie nicht mehr als 250 Beschäftigte haben und entweder der Umsatz unter 50 Millionen Euro oder die Bilanzsumme unter 43 Millionen Euro liegt. Darüber hinaus darf kein Unternehmen zu 25 Prozent oder mehr beteiligt sein, das diese Kriterien nicht erfüllt. Ebenso ist die Verbürgung von Umschuldungen bestehender Darlehen und Kredite ausgeschlossen.

Die kommende Entwicklung im Blick

Der Wirtschaftsinformationsdienst Creditreform rechnet mit hohen Insolvenzzahlen ab Mitte des Jahres. „Aber bisher merken wir noch nichts davon“, sagt Jansen. Bis Ende Juni sind die Zahlen noch nicht anders als im Vorjahr. „Allerdings glauben auch wir, dass es bis Ende des Jahres zu vermehrten  Ausfällen kommen wird.“ Ein Problem für die Bürgschaftsbanken selber sei das nicht, deren Risikovorsorge sei konservativ kalkuliert. Zwei Szenarien sieht Jansen für die nähere Zukunft: „Wenn es zu einem erneuten Lockdown kommt, hat Deutschland ein Problem. Ich denke, das ist allen politischen Entscheidungsträgern und den betroffenen Unternehmern bewusst. Bleibt es bei den aktuellen, leichten Einschränkungen, könnte im Herbst ein moderater Aufschwung erfolgen“, glaubt er.

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