Geschäftsideen -

Büchsenmacher Mehr Durchblick für Jäger

Daniel Dentler ist passionierter Jäger und entwickelt als Unternehmer seit drei Jahren Jagdausrüstung. Mit seinem Montagesystem für Zielfernrohre mischt er die traditionsreiche Branche auf.

Seit seiner Erfindung hat Daniel Dentler kaum noch Zeit für die Jagd. Dabei hatte mit dem Jagen alles angefangen: Jahrelang ärgerte er sich darüber, die Zielfernrohre auf seiner Jagdwaffe nicht einfach austauschen zu können. Je nach Lichtverhältnissen und je nachdem, ob vom Hochsitz aus oder in Bewegung gejagt wird, ist ein anderes Zielfernrohr nötig. Nach dem Wechsel musste der Jäger immer auf den Schießstand, um die Optik einzuschießen. „Das muss auch anders gehen“, dachte sich der gelernte Feinwerk­mechaniker.

Er kündigte seinen Job als Geschäftsführer eines Maschinenbauunternehmens, absolvierte die Meisterprüfung zum Büchsenmacher und tüftelte parallel an seiner Idee, eine universelle Schnittstelle zwischen Jagdwaffe und Zielfernrohr zu schaffen. Das ist jetzt drei Jahre her. Mittlerweile hat Dentler seine Erfindung patentiert und tausendfach verkauft.

Einfach wie Lego

Das Montagesystem „Dentler Basis“ funktioniert nach dem Prinzip Baukasten: Auf die Jagdwaffe wird eine Grundschiene aufgebracht, an jeder Zieloptik eine Montageschiene. Mithilfe des Verriegelungsmechanismus lässt sich das Zielfernrohr mit einem Handgriff auf der Büchse befestigen – und wieder lösen. „Das ist eigentlich wie Lego“, sagt Dentler und grinst.

Das Besondere an seiner Erfindung: Der Jäger muss nach dem Wechsel des Zielfernrohrs nicht mehr auf den Schießstand. Einmal eingestellt, sorgt das Montagesystem dafür, dass die Zieloptik immer richtig positioniert ist – der Jäger also nach dem Wechsel exakt den gleichen Punkt trifft wie zuvor. „So etwas gab es auf der ganzen Welt noch nicht“, erklärt Dentler.

Die Funktionsweise hat der Handwerksunternehmer aus der CNC-Fertigung übernommen, einer mechanischen Methode zur Palettenbestückung von Werkzeugmaschinen. „Das ist wie ein Nullpunktspannsystem.“ Mit diesem System lassen sich Werkstücke, Schraubstöcke oder Vorrichtungen präzise und schnell mit dem Maschinentisch verbinden. „Da kam mir die Idee, dass man das doch auch auf eine Jagdwaffe bauen könnte“, sagt er.

Entwicklung dauerte Jahre

In seiner Garage im 99-Seelen-Ort Merazhofen im Allgäu baute Dentler die ersten Prototypen. Nach jahrelanger Entwicklungszeit und unzähligen Prototypen hatte er das perfekte Produkt. „Ich war immer zuversichtlich, dass es klappt“, erzählt er. In der Garage stehen zwei Werktische, Holzschränke und eine kleine CNC-Zerspanung für den Prototypenbau: Hier setzt er seine Ideen um. In einer Ecke stapeln sich Kartons. Aus dem Allgäu werden die Montagesysteme an die Fachhändler verschickt.

Mittlerweile lässt Dentler die Einzelteile bei Zulieferern in Deutschland fertigen. Zur Kontrolle kommen die Schienen zu ihm zurück. Er prüft die Einzelteile und setzt sie zusammen.

Das Interesse an Technik prägt den Lebenslauf des Unternehmers. „Das liegt in der Familie.“ Sein Vater ist Werkzeugmachermeister, der Großvater war Schmiedemeister. Dentler absolvierte nach dem technischen Gymnasium eine Ausbildung zum Werkzeugmacher, später folgte die Meisterprüfung. Er arbeitete als Fertigungsleiter und Geschäftsführer eines Werkzeugbauunternehmens mit 30 Mitarbeitern, bevor er sich selbständig machte.

Seine zweite große Leidenschaft: die Natur. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen und war eigentlich immer mehr draußen als drinnen.“ Vor zehn Jahren nahm ihn ein Bekannter mit auf die Jagd – danach ist er dabei geblieben. Zuerst half er als Treiber, das Wild aufzuscheuchen, später legte er die Jägerprüfung ab. Beim Jagen hat er seine Ruhe und kann abschalten. Kein Handy, kein Computer: Da kommen ihm oft die besten Ideen. Das Wild zu beobachten findet er spannend: „Egal ob auf Ansitz oder Pirsch, man kommt nicht immer zum Schuss.“ Wenn doch, dann kann er das Wild selbst zubereiten. „Wenn ich Zeit habe“, sagt er und lacht.

Kunden in Europa und Australien

In diesem Jahr hat Dentler die Erweiterung seines Montagesystems vorgestellt. Mit der „Dentler Basis Vario“ können Zielfernrohre auf verschiedenen Jagdwaffen wiederholgenau verwendet werden. Die Grundschiene ist dafür stufenlos in der Seite und in der Höhe einstellbar.

Bei den Jägern kommt das System an. Der Unternehmer hat seine Produkte schon in ganz Europa verkauft und sogar in Australien gibt es erste Kunden. Langfristig sollen die Produkte weltweit vertrieben werden. Dafür hat Dentler sich Verstärkung geholt. Seit 2012 führt er das Unternehmen „Dentler Jagdwaffen GmbH“ mit Thomas Haas, der sich als Kaufmann um Vertrieb und Administration kümmert.

Büchsenmacher und Händler begegneten dem unbekannten Hersteller zunächst mit Skepsis. Haas und er fuhren quer durch Deutschland, um das Montagesystem vorzustellen, telefonierten mit Fachhändlern, verschickten Testexemplare und besuchten Jägerfeste. „Die Fachhändler haben schon viel gesehen und glauben deshalb nicht alles, die wollen das selber ausprobieren“, sagt er. Das Produkt überzeugte, die Nachfrage steigt stetig.

Innovationen werden am Schießstand getestet

„Als Quereinsteiger kommt man mit ganz anderen Perspektiven und Denkweisen“, erklärt Handwerker Dentler den Erfolg in der traditionsreichen Branche. „Es wurde bisher immer nur über die Waffe und die Optik gesprochen, nie über die Montage.“

Gerade hat er wieder ein neues Patent angemeldet: „Das wird nicht das letzte sein“. Seine Innovationen testet Daniel Dentler am Schießstand. Immer öfter wird er aber von Kunden und Geschäftspartnern zur gemeinsamen Jagd eingeladen – und kann so dann doch von seiner Erfindung profitieren.

Vita: Daniel Dentler (36) ist Feinwerkmechaniker- und Büchsenmachermeister. Er arbeitete als Fertigungsleiter und Geschäftsführer im Bereich Werkzeug­bau, bevor er 2011 das Unternehmen „Dentler e. K.“ gründete. Auf der Jagd kam Dentler die Idee für sein modulares Montagesystem für Ziel­optiken. Seit zehn Jahren ist er Jäger.

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