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Kfz-Gewerbe Bremsspuren durch die Diesel-Krise

Das deutsche Kraftfahrzeuggewerbe ist im Strukturwandel: Die Diesel-Krise drückt die Erträge, die Hersteller schaffen neue Vertriebsstrukturen, die E-Mobilität verändert die Technik radikal.

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Die Stimmung im Kfz-Gewerbe war im zweiten Quartal 2018 deutlich schlechter als noch vor einem Jahr. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des Geschäftsklima-Indexes des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK). Grund: die Auswirkungen der Diesel-Krise.

Laut Verband hat sich die Lage im Automobilhandel weiter zugespitzt und sei zum Teil existenzbedrohend. Das träfe vor allem auf Betriebe zu, die mit zahlreichen Diesel-Autos als Leasing-Rückläufer konfrontiert würden. Dazu hat der ZDK eine Modellrechnung erstellt, Ergebnis: Der Handel muss zwischen Mai und August dieses Jahres mit Verlusten in Höhe von rund 330 Millionen Euro rechnen.

Weniger Sorgen bereitet der Branche das Wartungs- und Servicegeschäft, auch wenn künftig durch Elektrofahrzeuge weniger Wartungsarbeiten anfallen werden. Bis 2030 werden steigende Zulassungen von E-Fahrzeugen kaum Auswirkungen auf den Service-Umsatz im Kfz-Gewerbe haben. Das ist das Ergebnis einer Studie des ZDK von 2016. Selbst wenn es bis zum Jahr 2030 fünf Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen gibt, würde das den Wartungsumsatz in den Kfz-Betrieben lediglich um einen niedrigen einstelligen Prozentbereich beeinträchtigen. So werden weniger Wartungsarbeiten bei batteriebetriebenen Autos durch einen Mehraufwand bei den Hybridfahrzeugen kompensiert.

Markus Ziechaus, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Bayern Consult in München, spezialisiert auf die Beratung mittelständischer, meist inhabergeführter Unternehmen, sieht für das Kfz-Gewerbe folgende Entwicklungen:

  • Gebrauchtwagenmarkt: Hier gibt es künftig gute Wachstumschancen.
  • Neuwagen: Hier werden die Hersteller den Kfz-Handel immer mehr übernehmen, Autohäuser werden zu Points of Sale, also Auslieferungspunkten.
  •    Verändertes Konsumentenverhalten: Nicht jeder wird sich künftig ein Auto anschaffen, Carsharing sowie E-Mobilität nehmen zu.

Branchentrends Kraftfahrzeuggewerbe

Elektromobilität

Start-ups wie Streetscooter, Sono Motors oder E.Go Mobile entwickeln schneller E-Fahrzeuge als die Autoindustrie. Das bietet auch Chancen für das Kfz-Gewerbe, entweder beim Handel oder beim Service.

Digitalisierung

Im Autohaus wird sich zum Beispiel die Fahrzeugannahme ändern. Moderne Anlagen prüfen automatisch den Reifen- und Bremsdruck, die Hand- und Fußbremse, die Spurbreite und die Profiltiefe der Reifen. Am Ende wird das Licht überprüft. Wenn Service notwendig ist, wird dies angezeigt. Auch das Rechnungswesen, die Terminvereinbarung und die Auftragsabwicklung werden mit dem Serviceprozess vernetzt.

Diesel-Krise

Die Lage im Automobilhandel spitzt sich weiter zu, sie ist zum Teil existenzbedrohend, vor allem für Betriebe, die in nächster Zeit mit zahlreichen Leasing-Rückläufern konfrontiert werden. Auch der Verkauf der modernsten Euro-6-Diesel ist beeinträchtigt. Das zeigen die Neuzulassungszahlen. Der Diesel-Anteil lag im Mai nur noch bei 31,3 Prozent (Rückgang von 27,2 % gegenüber Mai 2017).

Direktvertrieb

Die Automobilhersteller werden künftig mehr Fahrzeuge direkt an Endkunden verkaufen und entwickeln dafür Online-Strategien. Experten sagen, die ehemals klaren vertikalen Vertriebsstrukturen, also Neuwagenverkauf über Vertragshändler, gehen zu Ende.

Mageres Wachstum, sinkende Betriebszahlen

Trotz gestiegener Neuzulassungszahlen ist der Umsatz im Kfz-Gewerbe 2017 lediglich um 1,4 Prozent auf rund 174,4 Milliarden Euro gewachsen. Laut Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe ist das eine Auswirkung der Diesel-Krise, denn die Umsatzverluste sind im Gebrauchtwagensegment zu verzeichnen. Eine gute Entwicklung zeigen die Azubi-Zahlen, die stetig steigen, während die Beschäftigtenzahl, aber auch die Zahl der Betriebe zurückgeht – beides eine Folge des Konzentrationsprozesses.

Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland

Hier haben sich die Anteile in den letzten Jahren wieder zugunsten der Markenhändler verschoben.Zum Vergleich: Vor zehn Jahren hatten die Markenhändler nur 39 Prozent Marktanteil, der Privatmarkt lag dagegen bei 43 Prozent.

Handel Prozent
Markenhandel 51 %
Gebrauchtwagenhandel 32 %
Privat 17 &%

Quelle: KBA/DAT/ZDK

So alt sind Neu­wagenkäufer

Neuwagen werden in Deutschland mehrheitlich von der älteren Generation gekauft, über 62 Prozent der Kunden sind älter als 50. Auf diese Zielgruppe müssen sich die Autohäuser einstellen.

Alter Anteil in Prozent
über 60 Jahre 34,4 %
50 bis 59 Jahre 28,3 %
40 bis 49 Jahre 19,3 %
30 bis 39 Jahre 11,2 &%
bis 29 Jahre 6,9 %

Quelle: MPS

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Dpoingal

Auch das Handwerk wird umsteigen müssen

E-Mobilität wird einfach immer wichtiger werden die nächsten Jahre. Dabei wird es aber nicht reichen, nur den Otto-Normal-Verbraucher auf einen Stromer umzustellen. Auch das Handwerk wird sich hier umstellen müssen. Für die Stadt sehe ich hier kein Problem, zumal es schon Alternativen gibt. Beispielsweise das EBike von Sortimo (https://www.mysortimo.de/de/produkte/lastenfahrrad-procargo-ct1) Aber für Monteure etc. die regelmäßig längere Strecken zurücklegen müssen, wird das sicher spannend. Ich bin bespannt was unsere verschlafene Automobilbranche sich da einfallen lässt....