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Landesfördermittel Bremen Bremen: Fördermittel für den Wandel

Die Arbeitslosigkeit ist hoch im Land Bremen: 10,3 Prozent im Vergleich zu 5,3 Prozent im Bundesschnitt. Aber die Perspektiven sind gut: Zukunftstechnologien und ein gesunder Mittelstand sorgen für Stabilität in der Region. Die Regierung hilft mit Förderprogrammen.

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So klein, so stolz, so zurückhaltend: Das Bundesland Bremen ist das kleinste der Republik und besteht aus den zwei Städten Bremen und Bremerhaven. Die Bremer sind stolz auf ihre Historie als Hansestadt, protzen würden sie damit aber nicht. Mancher stolpert noch heute über den ‚spitzen Stein‘ und trinkt seinen Kaffee in der ‚guten Stube‘. Und wohl jedes Kind der Region wächst mit dem Märchen der Gebrüder Grimm, den Bremer Stadtmusikanten, auf.

Die Liebe zu Tradition und Heimat zeigt sich auch im Handwerk. 28 Gewerke aus den Bereichen Bauhaupt-, Ausbau-, Kfz- und Lebensmittelgewerbe, Gesundheitsgewerke sowie Handwerke für den gewerblichen Bedarf und personenbezogene Dienstleistungen sind in der Region ansässig. Rund 5.000 Handwerksbetriebe mit ungefähr 30.000 Mitarbeitern und mehr als 3.300 Auszubildenden sind ein wichtiges Standbein für Bremen.

Gefördert wird, Was Jobs oder sicherheit bringt

Verschiedene Fördereinrichtungen sorgen dafür, dass das auch so bleibt. Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), die Bremer Aufbau-Bank ( BAB, eine 100%ige Tochter der WFB), das Starthaus, der Bund und die EU unterstützen Handwerksunternehmer bei Investitionen, Neugründungen, Umstrukturierungen, Digitalisierung und Erweiterung, bei beruflicher Aus- und Fortbildung sowie beim Technologietransfer. Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa in Bremen, sieht besonders die Digitalisierung als Herausforderung für die Betriebe: „Die Digitalisierung ist komplex. Kleine und mittlere Unternehmen benötigen Hilfe dabei. Denn die vielen Themengebiete der Digitalisierung, wie Big Data, IT-Sicherheit oder Cloud, sind schwer zu überblicken. Das schafft kaum ein Unternehmer alleine“, ist sie überzeugt.

Bereits ihr Amtsvorgänger, Martin Günthner, fasste die Entwicklung so zusammen: „Aus der Automobilindustrie sind die Bilder bereits seit Jahrzehnten bekannt: Fertigungsstraßen, an denen Roboter in einer langen Reihe unermüdlich ihren Dienst verrichten. Mittlerweile erreicht die Digitalisierung auch alle anderen Branchen und Lebensbereiche: Der Zahntechniker produziert den Zahnersatz mit einem 3D-Drucker, die Pflegekraft organisiert ihre Termine auf dem Smartphone und der Dachdecker setzt eine Drohne zur Begutachtung von Schäden ein.“ Deshalb gebe es jetzt das Beratungsförderungsprogramm zu Digitalisierung und Arbeit 4.0. Seit Januar 2018 ist das DigiLab in der Bremer Neustadt der Standort eines neuen Kompetenzzentrums Mittelstand 4.0 des Bundeswirtschaftsministeriums. „Das Land Bremen hat sich erfolgreich mit einem Konzept beworben, bei dem besonders die kleinen und mittleren Unternehmen Unterstützung erhalten“, sagt Kristina Vogt. Ein wichtiger Schritt für den Standort Bremen, der eine hohe Arbeitlosigkeit aufweist und vor allem von maritimer Wirtschaft/Logistik, Windenergie, Automotive und Luft- und Raumfahrt – Letztere mit 140 Unternehmen und einem Jahresumsatz von über vier Milliarden Euro – gestützt wird.

Einrichtungen mit unterschiedlichem Förderschwerpunkt

Die Aufgabenschwerpunkte der Fördereinrichtungen sind unterschiedlich. Die WFB vermittelt vor allem Kooperationen, begleitet Handwerker von der Analyse über die Antragstellung von Fördermitteln bis zur Umsetzung von Vorhaben, dabei berücksichtigt sie auch die Fördermöglichkeiten durch andere Institute, berät und schult zur Antragstellung und hilft bei der Abrechnung der Förderprojekte. Ihr Angebot ist kostenfrei.

Die BAB gewährt Kredite, Zuschüsse, Bürgschaften und Beteiligungskapital. Und das Starthaus hat sich auf Gründer spezialisiert – es berät, coacht und finanziert Unternehmer, die sich im Land Bremen niederlassen wollen. Es gibt sogar eigene Häuser für Gründer: Technologie- und Gründerzentren BITZ (Bremer Innovations- und Technologiezentrum), Fahrenheithäuser (für Jungunternehmen mit Wachstumsabsicht), Designhaus und das Gründerzentrum im WTC. In ihnen werden Büroservice, Beratung, Unterstützung und Netzwerke für Start-ups angeboten. Und Bund und EU fördern über Darlehen und Zuschüsse, die über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) abgewickelt werden.

Crowdfunding als Finanzierungsquelle für Unternehmer

Es klingt ein wenig holprig, aber der „Schotterweg“ ist eine weitere Initiative der Starthaus-Familie. Gemeinsam mit der BAB betreibt die Wirtschaftsförderung unter diesem Namen eine Plattform in Kooperation mit Startnext – einer der großen Crowdfunding-Plattformen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (startnext.com/pages/schotterweg). Crowdfunding (Schwarmfinanzierung), ist das Einsammeln von Geld für ein definiertes Projekt, Produkt oder einer Geschäftsidee bei vielen, oft privaten Geldgebern.

Eine gute Beratung kostet nichts und hilft bei allen Vorhaben

Wer staatliche Fördermittel beantragen möchte, erhält mit der Tabelle in dem Download einen guten Überblick über das Angebot. Im Internet finden Handwerker unter dem angegebenen Link detaillierte Informationen zu den Fördervoraussetzungen. Eine Beratung ist trotzdem Pflicht, denn oft lassen sich Fördermittel kombinieren, was den Finanzierungsmix optimiert. Dafür können Sie sich an die oben erwähnten Stellen oder an Ihre zuständige Handwerkskammer wenden. Deren Mitarbeiter kennen sich in der Förderlandschaft ebenfalls gut aus und sind in viele Netzwerkaktivitäten eingebunden, sodass sie wertvolle Kontakte herstellen können. Auch freie Fördermittelberater sind eine Alternative, die gute Ergebnisse liefert. Sie arbeiten auf Honorarbasis und sind meist sehr engagiert, die passenden Programme zu identifizieren.

Tipp: Anträge auf staatliche Fördermittel müssen vor Vorhabenbeginn gestellt werden, damit die Förderfähigkeit gewahrt bleibt. Meist ist auch ein Gespräch mit der Hausbank notwendig, um die Antragsvoraussetzungen zu erfüllen. Sowohl Hausbank als auch Förderinstitut helfen beim Ausfüllen der Anträge – nutzen Sie dieses Angebot, denn die Formalitäten sind recht umfangreich.

Beratungsangebote für das Handwerk

Die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH ist erste Anlaufstelle für alle Fragen rundum Unternehmen. Ob Gewerbefläche, Beratung zu den Fördermöglichkeiten des Landes, des Bundes und der Europäischen Union bis hin zur Unterstützung bei behördlichen Genehmigungsverfahren. Für Gründer ist das Starthaus die zentrale Anlaufstelle. Alle Infos unter wfb-bremen.de/de/page/beratung-und-foerderung.

Name Für Wen? Förderbereiche/Förderhöhe
Handwerkerlotse Handwerksbetriebe, kleinteiliges Gewerbe Fragen zu Standort und Gewerbeflächen; Unterstützung bei
Genehmigungsverfahren
Mittelstands 4.0-
Kompetenzzentrum
KMU Information und Begleitung bei der Digitalisierung; Handlungsempfehlungen; Anforderungsanalyse an Software; anbieterneutrale Vermittlung von Umsetzungspartnern
Willkommensservice KMU Unterstützung für Unternehmen, die ausländische Fachkräfte einstellen wollen
Unternehmensservice
Bremen
alle Betriebe Unterstützung bei behördlichen Genehmigungen und Suche nach Gewerbeimmobilien; Vermittlung bei Fragen der Gründungsförderung
Einheitlicher
Ansprechpartner
alle Betriebe Unterstützung bei allen Fragen der Gründung, Kontakte, Verfahrensstand
Schotterweg Projekte aus Bremen und Bremerhaven Crowdfundingplattform in Kooperation mit Startnext
Informationsveranstaltungen Workshops zum Crowdfunding
Starthaus: Beratungsförderung
starthaus-bremen.de/foerderprogramme
Gründer und Übernehmer Beratung zur Vorbereitung/ Durchführung der Gründung mit dem
Ziel einer Vollexistenz
Zuschuss bis zu 80 % der Kosten; Tagewerksatz max. 700 €
Starthaus: Beratungsförderung
starthaus-bremen.de/foerderprogramme
KMU Beratung zu Entscheidungen und Verbesserungsmaßnahmen
Zuschuss bis 50 % der Kosten; Tagewerksatz max. 700 €


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    Marktüberblick über die regionalen Fördermittel im Bundesland Bremen, die von Handwerksunternehmern genutzt werden können. Gründer, Nachfolger und Digitalisierung stehen im Fokus. Aber auch die Innovations- mehr...

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