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Branchencheck Brauer Brauer: Mehrweg wird zum Verlustgeschäft

Deutschlands Brauer wollen das Pfand erhöhen, damit Verbraucher wieder mehr Flaschen und Kästen zurückgeben. Es ist nicht das einzige Problem der Branche, auch der Bierkonsum stagniert.

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Angekündigte Bierpreiserhöhungen bringen traditionell die Verbraucher in Wallung. Dass aber eine geplante Pfanderhöhung für ein solch großes Medienecho sorgte, überraschte sowohl den Deutschen Brauer-Bund als auch den Verband Private Brauereien Deutschland, der mittelständische Betriebe vertritt.

Hintergrund ist die Diskrepanz zwischen den Anschaffungskosten für Mehrweggebinde und den geltenden Pfandsätzen. Eine Bierflasche kostet die Betriebe um die 15 Cent, Pfand zahlen die Kunden aber nur acht Cent. Bei den Kästen ist der Unterschied noch deutlicher. Und weil immer mehr Kunden Flaschen und Träger a us Bequemlichkeit nicht zurückbringen, entstehen den Brauereien hohe Kosten.

Seitens des Verbandes Private Brauereien wird eine Erhöhung der Pfandsätze für den Bierkasten auf sechs Euro, für Mehrwegpoolflaschen auf 8 Cent vorgeschlagen. Ob es zu einer von den Verbänden gewünschten einheitlichen Lösung kommt, ist noch offen.

Biermarkt rückläufig

Zur wirtschaftlichen Entwicklung: Der Verband Private Brauereien Deutschlands, dem nur inhabergeführte, unabhängige Brauereien und keine Großkonzerne oder Brauereigruppen angehören, geht davon aus, dass der deutsche Biermarkt auch in den nächsten Jahren von seinem Absatzvolumen her bestenfalls stagniert, aller Voraussicht nach aber weiter leicht rückläufig sein wird. Für die mittelständische Brauwirtschaft komme es entscheidend darauf an, sich von den Industriebrauereien durch handwerkliche Bierspezialitäten abzugrenzen und für diese einen Preis zu erzielen, der ihre hohe Qualität widerspiegelt, erklärt Bundesgeschäftsführer Roland Demleitner.

Mehr alkoholfreie Sorten

Immerhin ist nach Jahren des Rückgangs und der Stagnation der Bierabsatz in Deutschland im Jahr 2018 mit 94 Millionen Hektolitern (hl) wieder leicht gestiegen. Ein entscheidender Faktor war der Jahrhundertsommer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Bierabsatz 2018 um 0,5 Prozent über dem Vorjahr. Jedoch sind alkoholfreie Biere, alkoholfreie Biermischgetränke und Malztrunk in der amtlichen Statistik generell nicht berücksichtigt. Zählt man die alkoholfreien Biere, deren Marktanteil gegenwärtig bei etwa sieben Prozent liegt, hinzu, ist der Gesamtbierabsatz 2018 in Deutschland um gut ein Prozent gewachsen. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt in Deutschland bei 102 Litern Bier im Jahr.

Ruinöser Preiskampf

Auch wenn sich der allgemeine Kostendruck in der Brauwirtschaft sowie der teilweise ruinöse Preiskampf des Handels zum Nachteil der Hersteller weiter verschärfen dürften, bleibt der Deutsche Brauer-Bund optimistisch. So wird erwartet, dass die Zahl der Brauereien in Deutschland, die 2018 die Marke von 1.500 überschritten hat, weiter steigen wird. Aktuell gibt es in Deutschland bereits mehr als 6.000 verschiedene Biermarken, jede Woche kommt mindestens ein neues Bier auf den Markt.

Trotz eines erfolgreichen Jahresstarts 2019 haben die deutschen Brauereien in den ersten sechs Monaten insgesamt weniger Bier verkauft als im Vorjahreszeitraum. Lag das Absatzplus bis Anfang Mai noch bei zwei Prozent, hat ein kühler und nasser Mai vielen Brauereien und Biergärten das Geschäft verhagelt.

Branchentrends

  • Alkoholfrei wächst
    Die Nachfrage nach alkoholfreien Bieren hat sich im letzten Jahr nach Aussagen des Deutschen Brauer-Bundes „sensationell entwickelt“. Konkret wuchs das Segment um fast 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, alkoholfreie Radler und vergleichbare Biermischgetränke wuchsen sogar um gut 19 Prozent.
  • Craft Beer stagniert
    Nach Jahren des Booms stagnieren Craft-Biere erstmals. Trotzdem hat Craft Beer der Branche Auftrieb gegeben, weil das Brauen handwerklicher, unverfälschter und charaktervoller Bierspezialitäten in den Mittelpunkt gerückt wurde. Außerdem brachte es viele Neugründungen kleiner Brauereien.
  • Regionalität gefragt
    Der Verbraucher bevorzugt wieder stärker Bier aus der Region, das authentisch und individuell ist. Davon profitieren in erster Linie die mittelständischen Regionalbrauereien.
  • Bierkonsum geht zurück
    Zwar ist nach Jahren des Rückgangs der Bierabsatz in Deutschland 2018 wieder leicht gestiegen. Aber der Trend geht nach unten. 2008 lag der Bierverbrauch je Einwohner bei 107,1 Liter, 2018 bei 94,2 Liter.
  • Mehrweg dominiert
    Ungeachtet der aktuellen Diskussionen über Pfanderhöhung: Sogenannte Mehrweg-Enghalsflaschen haben bei der Bierproduktion einen Anteil von über 58 Prozent, die verschiedenen Einweggebinde kommen insgesamt nur auf gut 23 Prozent.

Bierexport: Die ganze Welt trinkt gern deutsches Bier

Bierexport


16,7 Prozent des gesamten Bierausstoßes in Deutschland gingen im letzten Jahr ins Ausland. Größter Abnehmer war Italien (Angaben in der Grafik in 1.000 Hektoliter). Insgesamt ist der deutsche Bierexport in den letzten vier Jahren leicht zurückgegangen.

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