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Branchencheck Tischler und Schreiner: Topwerte bei Umsatz und Gewinn

Für die Tischler/Schreiner zeigt der aktuelle Bundesbetriebsvergleich: Der Branche geht es wirtschaftlich gut, die Betriebe machen ­Gewinne. Auch die Aussichten fürs nächste Jahr sind nahezu ungetrübt.

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Der Bundes­verband Holz und Kunststoff (Tisch­ler Schrei­ner Deutsch­land) legte aktuell einen Bundesbetriebsvergleich für die Branche vor, der einen detaillierten Einblick in die Kapital-, Leistungs- und Kostenstruktur des deutschen Tischler- und Schreinerhandwerks gibt. Zentrales Ergebnis des Betriebsvergleichs ist, dass sich die Betriebe in einer konjunkturellen Hochphase befinden.

Auch die Kleinen machen Gewinn

So erzielte beim betriebswirtschaftlichen Ergebnis selbst die kleinste untersuchte Betriebsgröße (unter fünf Mitarbeiter) mit knapp zwei Prozentpunkten einen sehr guten Wert, der aufgrund der Entwicklungen in den übrigen Betriebsgrößenklassen im Gesamtdurchschnitt sogar auf über vier Prozent angestiegen ist.

Auch die Gesamtkapitalrentabilität ist bei allen vier Betriebsgrößenklassen mit einem Gesamtdurchschnittswert von 9,5 Prozent unter Berücksichtigung des aktuellen Zinsniveaus mehr als akzeptabel, erklärt der Bundesverband.

Zugelegt hat außerdem der betriebliche Eigenkapitalanteil. Im Gesamtdurchschnitt liegt er nun bei über 43 Prozent, was in Anbetracht des kapitalintensiven Tischler- und Schreinerhandwerks ein sehr zufriedenstellender Wert ist.

Auch die Zuwächse bei der Wertschöpfung je Beschäftigtem überzeugen. Mit fast 71.000 Euro liegt der durchschnittliche Gesamtwert so hoch wie nie in den letzten Jahren.

Weiterhin zuversichtlich

„Unterm Strich bestätigt der Bundesbetriebsvergleich die gute wirtschaftliche Entwicklung im Tischler- und Schreinerhandwerk in den vergangenen zwei Jahren“, resümiert Martin Paukner, Hauptgeschäftsführer von Tischler Schreiner Deutschland. Wie dieser Prozess allerdings weitergehe, lasse sich derzeit nur schwer absehen. „Tatsache ist, die Rahmenbedingungen ändern sich zusehends: Die deutsche Exportwirtschaft schwächelt, die Wirtschaftspolitik muss dringend entschlossener handeln“, analysiert Martin Paukner. Dennoch gäbe es keinen Grund, nicht zuversichtlich zu bleiben.

Das ifo-Institut und die Volksbanken Raiffeisenbanken bescheinigen im „VR Branchen special“ dem Ausbaugewerbe, zu dem die Tischler gehören, ebenfalls gute Aussichten. Der Ausbau könne 2019 und 2020 mit Umsatzsteigerungen rechnen, die Beruhigung der Bauaktivität werde sich erst in den folgenden Jahren niederschlagen.

Branchentrends

  • Digitalisierung
    Hier geht es in den Betrieben zunehmend um die Digitalisierung der Prozessketten, von der Anfrage bis zur Montage. Das Ziel ist, den gesamten Weg des Auftrages mit allem, was dazugehört (Zeiterfassung, Notizen, digitale Projektmappe), zu digitalisieren und nicht nur den Fokus auf die Maschinenanbindung zu legen.
  • Generalunternehmer
    Alles aus einer Hand ist auch bei den Tischlern zunehmend gefragt, weil zum Beispiel oft Elektro- und Fliesenlegerarbeiten Teil von Aufträgen sind, speziell im Innenausbau.
  • Spezialisierung
    Ob Treppenbau, Fensterbau oder Yacht-ausbau, Tischlerbetriebe spezialisieren sich zunehmend. Das liegt auch an teuren Spezialmaschinen und Werkstattausstattungen, ein Maschinenpark für alle Anwendungen lohnt sich kaum.
  • Nachhaltigkeit
    Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen, der bewusste Einsatz von Materialien wie Holz mit einer CO2-neutralen Bilanz und ein fundiertes Wissen über ökologische und ökonomische Zusammenhänge wird für Betriebe immer wichtiger.
  • Einbruchschutz
    Im Rahmen verschiedener Sicherheitsinitiativen klären die Fachverbände des Tischler- und Schreinerhandwerks Verbraucher über Einbruchgefahren und effektiven Einbruchschutz auf.
    In Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei informieren die Innungen und interessierte Betriebe über die Möglichkeiten der mechanischen Sicherungstechnik.
  • Maßmöbel online
    Mit immer größerem Variantenreichtum und entsprechenden Tools für die Konfiguration bieten Tischler in ihren Online-Shops Möbel nach Maß an. Damit bieten sie für anspruchsvolle Kunden eine Alternative zum industriellen Möbelhandel.

Konjunktur bleibt auf hohem Niveau

Umsatz: Die Beträge (in Milliarden Euro) sind ohne Umsatzsteuer und stammen von der Handwerkszählung des Statistischen Bundesamtes.
Beschäftigte
: Quelle ist die Handwerkszählung des Statistischen Bundesamtes
Betriebe: Der Rückgang bei den Betriebszahlen ist zwar seit Jahren feststellbar, allerdings liegt er mit rund einem Prozent pro Jahr auf niedrigem Niveau.

Schreiner Tischler Konjunktur


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Betriebswirtschaftliches Ergebnis

Der aktuelle Bundesbetriebsvergleich 2018 ergibt für die Branche ein deutlich unterschiedliches betriebswirtschaftliches Ergebnis je nach Größenordnung. Der Anteil des Ergebnisses an der Betriebsleistung beträgt zum Beispiel bei der Größenklasse bis 4,9 Beschäftigte nur 1,9 Prozent.

Betriebswirt

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Wertschöpfung je Beschäftigtem

Diese Kennzahlen sind ein Indiz für den Rationalisierungsstand eines Unternehmens. Je höher die Wertschöpfung, desto rationeller arbeitet es. Im Durchschnitt ist die Wertschöpfung in den letzten Jahren gestiegen (Zahlen in Tausend Euro).

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Eigenkapitalquote der Unternehmen

Laut Bundesbetriebsvergleich hat sich die Eigenkapitalquote aller teilnehmenden Betriebe in den letzten Jahren im Gesamtdurchschnitt erhöht. Ein Zeichen, dass die Branche gut verdient und Kapital zum Investieren hat.

Jahr Quote in %
2008 29,6
2010 33,3
2012 33,1
2014 42,3
2016 39,5
2018 43,2

Quelle: Statistisches Bundesamt, ZDH; Charts: handwerk magazin

56,55 Euro beträgt der aktuelle durchschnittliche Stundenverrechnungssatz (ohne Gewinnzuschlag) laut Bundesbetriebsvergleich im Tischler- und Schreinerhandwerk.

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