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Betriebliche Krankenzusatzversicherung BKV: Mitarbeiter günstig und sicher schützen

Privater Krankenversicherungsschutz ist für viele Mitarbeiter im Handwerk zu teuer. Für Unternehmer nicht. Sie können ihre Mitarbeiter mit einer betrieblichen KV sinnvoll schützen. Das kostet nicht die Welt – wie der große Tarifüberblick zeigt.

Themenseiten: TS Erwerbsminderungsrente, TS Krankenversicherung, TS Pflegeversicherung und TS Mitarbeitermotivation

Die größte Hürde: Kaum einer kennt sie, die betriebliche Krankenversicherung – kurz bKV. Sie ist für viele eine Unbekannte. In Befragungen kann nur gut die Hälfte der Arbeitgeber mit dem Begriff etwas anfangen. Kein Wunder, dass die Verbreitung noch mau ist. Laut einer Studie der GfK nutzen nur etwa 16 Prozent der Betriebe dieses Mittel, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und alte zu halten.

Wer im Wettbewerb um die besten Fachkräfte besonders gut punkten möchte, kann dies mithilfe der bKV tun. „Studien zeigen, dass aus Mitarbeitersicht mehr Gesundheitsschutz zu den top drei der beliebtesten Zusatzleistungen gehört. Viel wichtiger als etwa ein Dienstwagen oder ein Handy“, sagt Allianzsprecherin Alexandra Kusitzky. In Minden hat man das verstanden. Der dort mit Hauptsitz angesiedelte Sitex Wäschereibetrieb der Simeonsbetriebe GmbH hat schon im vorigen Jahr eine bKV eingeführt. Der Großbetrieb versorgt bundesweit Krankenhäuser, Altenheime und Lebensmittelunternehmen mit Wäsche. Er wäscht und bessert Wäsche aus. Bundesweit gibt es zehn Niederlassungen und 2.500 Mitarbeiter. „Wie in jeder Branche gilt auch für uns: Es gibt extremen Arbeitskräftemangel“, sagt Geschäftsführer Stephan Richtzenhain. Gleichzeitig sei sein Geschäft sehr personalintensiv. Daher werde ständig nach Lösungen gesucht, die eine höhere Personalbindung schaffen. „Bisher hatten wir schon einen Einkaufsclub und haben den Mitarbeitern vergünstigte Versicherungen angeboten“, so Richtzenhain.

Die bKV bietet echten Mehrwert für Mitarbeiter

Über die ARAG ist dann auch die Idee der bKV gekommen. „Wer schwer erkrankt, macht sich Sorgen. Wir wollen verhindern, dass auch noch finanzielle Probleme hinzukommen“, sagt der Sitex-Geschäftsführer. Deshalb hat er eine bKV abgeschlossen, die für alle Mitarbeiter 300 Euro Krankentagegeld pro Monat vorsieht. Das gilt ab dem 42. Tag der Erkrankung, denn die gesetzliche Krankenkasse zahlt ab diesem Moment in der Regel nur noch 70 Prozent des Bruttoeinkommens. Die Versicherungsprämie zahlt allein der Arbeitgeber. Richtzenhain: „Die Reaktion der Belegschaft war überwältigend. Sehr emotional.“ Vor allem diejenigen, die schon einmal länger krank waren, hätten unglaublich positiv reagiert. „Wir haben diesen Schritt nicht bereut, denn er hat uns in der Belegschaft deutliche Pluspunkte als Arbeitgeber eingebracht“, freut sich Richtzenhain.

Unterschiedliche Leistungen verursachen unterschiedliche Kosten

Versicherbar ist grundsätzlich alles, was auch eine private Krankenversicherung leisten kann. Dazu gehören neben dem Krankentagegeld auch eine Zahnzusatzversicherung, stationäre und ambulante Behandlung, Kostenübernahme für Vorsorgeuntersuchungen, Leistungen beim Heilpraktiker, Sehhilfen, Auslandsreisekrankenversicherung, Pflegevorsorge, Notfall-Assistenz, kurzfristige psychologische Beratung für Belegschaft und Angehörige, Wiedereingliederungsmaßnahmen und Risikoprävention.
Der finanzielle Aufwand für den Arbeitgeber ist je nach Leistung unterschiedlich hoch. Damit sich noch mehr Unternehmer an die bKV heranwagen, wird darum gerungen, dass die Prämie als Sachlohn bis zu 44 Euro pro Monat steuer- und sozialabgabenfrei gestellt wird. Das Ziel ist noch nicht erreicht, aber ein Etappensieg errungen. Laut Urteil des Bundesfinanzhofs sind bKV-Beiträge immer Sachlohn, wenn der Arbeitnehmer aufgrund seines Arbeitsvertrages von seinem Arbeitgeber ausschließlich Versicherungsschutz und nicht auch eine Geldleistung verlangen kann. So ein Urteil des Bundesfinanzhofs (7. Juni 2018, Aktenzeichen VI R 13/16).


Diese Entscheidung hätte bei der bKV eigentlich einen Boom auslösen sollen. Doch noch müssen sich die Finanzämter an ein Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom Oktober 2013 halten. Es untersagt ihnen, die Beiträge zur bKV als Sachlohn anzuerkennen. Es bleibt also vorerst bei der Behandlung der bKV-Beiträge als „Barlohn“. Das bedeutet: Auf den Beitrag müssen zusätzlich Steuern und Sozialabgaben entrichtet werden. Das hat die Akzeptanz der bKV bisher spürbar erschwert. Auch wenn sich durch die Nettolohnversteuerung eine gewisse Ersparnis erzielen lässt.
Auch ohne Steuervorteile ist die bKV sinnvoll

Auch ohne Steuervorteil ist die bKV sinnvoll

Aktuell bemüht sich unter anderem der Verband Privater Krankenversicherer (PKV) um eine Neubewertung der Sach- und Rechtslage seitens des BMF. Die Versicherer hoffen, dass die Politik eingreift und eine ähnlich klare und für die Arbeitgeber verlässliche Regelung findet, wie sie beispielsweise für die betriebliche Altersversorgung existiert. „Selbst für Maßnahmen aus dem betrieblichen Gesundheitsmanagement gibt es eine klare Regelung im Einkommensteuergesetz – mit einer steuerlichen Berücksichtigung von 500 Euro jährlich pro Mitarbeiter“, stellt Thomas Zetterer, Leiter Kollektivgeschäft bei der ARAG Krankenversicherung, fest. Eine solche Regelung wünschen sich die Versicherer auch für die betriebliche Krankenversicherung.

Finanzielle Überlegungen interessieren aber beispielsweise Handwerksunternehmer Michael Pritzl aus Bad Kötzting, das im Naturpark Oberer Bayerischer Wald liegt, keinen Deut. „Ich habe über den Gesundheitsschutz erstmals nachgedacht, als gleich zwei Mitarbeiter, die 45 Jahre bei uns waren, kurz vor und nach dem Eintritt in den Ruhestand an schwerer Krankheit starben“, sagt der heutige Senior-Chef der Pritzl Haustechnik und Anlagenbau GmbH. Systematisch hat seither das Unternehmen, das heute 84 Mitarbeiter zählt, den Gesundheitsschutz ausgebaut. „Wir setzen beim Azubi an und fördern auch mit Events, wie Kanufahren, Hochseilklettern, Radtouren oder Wandern“, sagt Pritzl.
Seit Januar 2019 gibt es nun auch eine bKV der AXA-Versicherung bei Pritzl Haustechnik, die der Chef voll bezahlt. Aus ihr erhalten alle Mitarbeiter einen deutlich erhöhten und verbesserten Versicherungsschutz, der ohne die eigentlich bei der privaten Krankenversicherung üblichen Gesundheitsprüfung gewährt wird. Die Mitarbeiter werden zur Vorsorge motiviert und bekommen Zuschüsse für kostenträchtige Behandlungen oder Sehhilfen. Zusätzlich ermöglicht die bKV seinen Mitarbeitern den Zugang zu Ärzten und Heilpraktikern, die sonst nur für Privatpatienten tätig werden. „Über den neuen Versicherungsschutz waren die Mitarbeiter überrascht“, so Pritzl. Die Sozialleistungen, die das Unternehmen auch auf der eigenen Website publik macht, würden in der Region für den Handwerksbetrieb ein deutliches Alleinstellungsmerkmal bedeuten.
Und nicht nur Mitarbeiter können die Vorteile nutzen. Der höhere Gesundheitsschutz gilt ebenfalls für Familienmitglieder. Zwar müssen sie die Kosten der Zusatzversicherung selbst tragen. Sie profitieren jedoch von den besonderen Firmenkonditionen.

Ein Markt an Möglichkeiten zu moderaten Konditionen

handwerk magazin wollte wissen, welche bKV-Angebote es am Markt gibt, zu welchen Konditionen und für welche Betriebsgrößen. Das Ergebnis ist eine um-
fassende Marktauswertung, die online in voller Länge und in diesem Magazin in zusammengefasster Version zu sehen ist. Wichtige Erkenntnisse: Schon ab fünf Mitarbeitern ist ein guter bKV-Schutz möglich. Bei vielen bKV-Tarifen gibt es keine Wartezeiten, und oft sind Vorerkrankungen ebenso mitversichert wie laufende oder angeratene Behandlungen. Die Marktübersicht zeigt auch: Chefs können ihre Mitarbeiter zu Privatpatienten im Krankenhaus machen und jede denkbare ambulante Zusatzleistung versichern. Mit Verhandlungsgeschick – ein Versicherungsmakler hilft – können Sonderregeln vereinbart werden. Außerdem kann das bKV-Angebot nach Alter der Mitarbeiter oder Dauer der Betriebszugehörigkeit gestaffelt werden.

Nach Bedarf individuelle ­Leistungen wählen

Die Auswahl der Bausteine einer bKV sollte auf Grundlage der individuellen Anforderungen des Handwerksunternehmens und seiner Mitarbeiter erfolgen. Bezahlbarkeit und Leistungswunsch sollten passen. Wer die bKV maximal flexibel für seine Mitarbeiter gestalten will, stellt ihnen ein Gesundheitsbudget zur Verfügung. Sinnvoll sind etwa 300 Euro pro Jahr. Uwe Jüttner, Experte beim Versicherungsmakler Aon aus Hamburg, sagt: „Dann können sich die Mitarbeiter die Gesundheitsleistungen aussuchen. Das können bei einem Sehhilfen, beim anderen ein Hörgerät, eine Zahn- oder Heilpraktiker-Behandlung sein.“


Der Effekt einer bKV zeigt sich unmittelbar. Denn anders als bei der betrieblichen Altersvorsorge, die ja erst fließt, wenn die Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, bekommen Handwerksunternehmer und Mitarbeiter die Vorteile der bKV noch bei Betriebszugehörigkeit zu spüren. Zumindest diejenigen, die beim Arzt nicht mehr lange warten müssen oder im Krankenhaus eine top Unterbringung haben, werden das Angebot in der Firma positiv kommunizieren – ein Gewinn für das Firmenklima. Sabrina van de Bürie, Leiterin Vertrieb betriebliche Krankenversicherung bei der AXA, möchte den Handwerkchefs weitere mögliche Bedenken nehmen: „Die Einführung einer bKV ist heute ganz einfach und stellt keineswegs einen großen Aufwand dar“, findet sie. Zudem erfolge die Verwaltung der Mitarbeiter digital und ohne großen Aufwand über Kundenportale.

Gut vorbereitet starten

Vor der Einführung einer betrieblichen Krankenzusatzvorsorge für die Belegschaft braucht der Handwerksunternehmer vor allem Zeit zur Vorbereitung. Denn das Angebot ist komplex und bedarf Erklärungen über Konditionen und individuelle Leistungen. Für eine Erstberatung durch einen spezialisierten Versicherer sollte der Handwerksunternehmer etwa ein bis zwei Stunden einplanen.

Bei einer individuellen Erstberatung können sich Arbeitgeber die Möglichkeiten einer betrieblichen Krankenzusatzvorsorge für die Belegschaft, die Konditionen und individuellen Leistungen der Gesellschaft genau erklären lassen.

Im zweiten Schritt gibt der Unternehmer der Versicherung dann vor, w elche Leistungen er seinen Mitarbeitern konkret anbieten will, was für ihn bei den Konditionen wichtig ist und wie hoch die monatlichen Beiträge pro Mitarbeiter sein dürfen. Bei der Höhe der Beiträge macht es Sinn, den Steuerberater des Handwerksbetriebs einzubinden. Wichtig ist dann die richtige Information und Kommunikation des Arbeitgebers gegenüber seiner Belegschaft.

Nur wenn der Chef von dem neuen Angebot auch wirklich überzeugt ist, kann er damit bei seiner Belegschaft punkten. Die zusätzlichen Leistungen müssen richtig erklärt werden, und die Mitarbeiter sollten Raum und Zeit zur Verfügung haben, um sich auch in Einzelgesprächen zu den Leistungen der Versicherung beraten zu lassen. Damit kann der Betrieb einen Imagegewinn als wichtigen Wettbewerbsvorteil für sich verbuchen.

Wie Sie eine bKV richtig vorbereiten

Eine gute Vorbereitung zahlt sich für den Unternehmer aus: Für die Einführung von betrieblichen Zusatzleistungen brauchen Chefs im Vorfeld Zeit, Informationen und kompetente Unterstützung. Was Arbeitgeber dabei beachten sollten und an wen sie sich wenden können.

  • Infos sammeln. Reden Sie zuerst mit einem Spezialisten für Arbeitsrecht oder Ihrem Steuerberater, der Ihnen Möglichkeiten und steuerliche Vor- und Nachteile genau erklärt.
    Tipp: Holen Sie Infos bei Ihrem Landesinnungsverband oder Kollegen aus Ihrer Branche ein.
  • Mitarbeiter befragen. Fragen Sie in Gesprächen Ihre Angestellten oder auf einer Betriebsversammlung Ihre Belegschaft nach Wünschen oder Anforderungen für die private Vorsorge.
    Tipp: Wenn Sie im Unternehmen einen Betriebsrat haben, binden Sie frühzeitig die Arbeitnehmervertreter ein. Das erleichtert später die konkrete Einführung der betrieblichen Zusatzleistungen.
  • Beratung einfordern. Lassen Sie sich kostenlos von spezialisierten Versicherungen über das Leistungsspektrum, die Konditionen und die Kosten beraten. Rahmenverträge für die bKV sind günstiger, je mehr Mitarbeiter im Betrieb mitmachen.
  • Auswahl treffen. Ob Leistungen zur Altersvorsorge (bAV) oder betriebliche Krankenzusatzvorsorge (bKV), Sie gehen eine langfristige Bindung mit einem Versicherungsunternehmen ein.
    Tipp: Wichtige Kriterien für die Auswahl sind die jeweilige Unternehmensstärke, Mitarbeiterzahl und auch die Flexibilität des Vertrags.
  • Mitarbeiter informieren. Die Belegschaft sollte auf einer Betriebsversammlung umfassend von einem Experten der Versicherung über die neuen Leistungen des Arbeitgebers informiert werden. Tipp: Wenn die Mitarbeiter zwischen verschiedenen Angeboten wählen können, erhöht das die Akzeptanz der angebotenen Arbeitgeber-Leistungen deutlich.
  • Zeit geben. Ihre Belegschaft muss sich über das neue Angebot informieren: Stellen Sie Ihren Mitarbeitern Raum und Zeit zur Verfügung, sich auch in Einzelgesprächen zu den Leistungen von Ihrem Versicherungsexperten beraten zu lassen.

Angebotsspektrum der bKV: Was Chefs ihren Mitarbeitern bieten können

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind mittlerweile begrenzt. Eine betriebliche Krankenzusatzversicherung (bKV) erscheint daher sinnvoll, wenn Sie für Ihre Mit-arbeiter zusätzliche Leistungen in folgenden Bereichen wünschen.

  • Zahnersatz. Besonders sinnvoll, da die gesetzlichen Kassen nur noch einen Teil der Kosten tragen.
  • Sehhilfen. Die bKV übernimmt die Kosten für Kontaktlinsen und andere Sehhilfen.
  • Heilpraktikerbehandlungen. Diese werden von der GKV grundsätzlich nicht übernommen, können aber über eine bKV versichert werden.
  • Krankenhaus. Sinnvoll, wenn Mitarbeiter ein Einbettzimmer oder eine Chefarztbehandlung wünschen.
  • Krankentagegeld. Die Zahlungen im Krankheitsfall können über eine bKV erweitert werden.
  • Ausland. Auch Auslandskrankenversicherungen können im Rahmen einer betrieblichen Krankenzusatzversicherung abgeschlossen werden.

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