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Online-Bezahlsysteme: Schnelles Inkasso gewünscht

Wer online verkauft, möchte das Geld des Kunden möglichst rasch auf dem Konto haben. Weil der Verbraucher wählerisch geworden ist, sollten Händler einen Mix aus verschiedenen Bezahllösungen bieten.

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Pferdefleisch ist Liebhaberfleisch. In Umfragen teilen fast 50 Prozent der Verbraucher mit, dass bei ihnen Wurst, Schinken oder Schnitzel von Hengsten, Stuten und Fohlen nicht auf den Tisch kommen würde. Über 42 Prozent können sich immerhin vorstellen, solche Produkte zu essen. Genau an diese Zielgruppe wendet sich Frank Dohrmann mit seinem 2008 eröffneten Online-Shop Rossfleischversand.de.„Jeden Monat verschicken meine Mitarbeiter und ich rund 700 Pakete“, berichtet der Bremer Fleischermeister. „Rund 70 Prozent zahlen mit Paypal, die übrigen 30 Prozent ziehen Vorkasse vor.“

Zwei Trends hat Dohrmann ausgemacht. Jüngere Kunden bevorzugen Fertiggerichte und zahlen mit Paypal, ältere Kunden über 50 bestellen überwiegend Frischeprodukte und überweisen vorab. „In letzter Zeit wünschten immer mehr Stammkunden Lastschrift und Kreditkarte“, berichtet der Handwerksunternehmer. Beide Zahlungsarten lässt er ebenfalls über Paypal abwickeln.

29 Prozent nutzen Überweisungen

Beim Online-Shoppen sind die Deutschen wählerisch geworden. Vier von fünf Kunden wollen die eingekaufte Ware erst nach deren Eingang bezahlen. Am liebsten zahlen sie weiterhin auf Rechnung. Einer neuen Studie des Kölner Handelsinstituts EHI Retail zufolge werden 29 Prozent der Online-Umsätze (2015: 28 Prozent) per klassischer Überweisung beglichen. Hingegen verlieren Paypal und Lastschrift mit jeweils knapp über 19 Prozent an Beliebtheit: 2015 wurden deutlich über 20 Prozent der Umsätze mit diesen Zahlungsarten beglichen. Im Kommen ist hingegen die Kreditkarte: Jeden achten Euro ziehen Online-Shops über Mastercard-, Visa- oder Amex-Karten ein. 2015 lag der Umsatzanteil noch bei zehn Prozent.

In diesen Zahlen spiegeln sich veränderte Verbrauchergewohnheiten wider. Knapp 40,4 Millionen Deutsche haben heute eine Kreditkarte (2015: 36,4 Millionen), so viele wie noch nie. Als Folge der niedrigen Bearbeitungsgebühren im Euroraum – für den Gesamtumsatz dürfen europäische Kreditkartenanbieter nur noch 0,3 Prozent statt bislang ein Prozent berechnen – disponieren jetzt auch notorische Kartenmuffel um und verzichten auf das Lastschriftverfahren.

Für Dorothee Frigge, Projektleiterin Online-Payment beim Kölner EHI-Institut, sind die Zeiten vorbei, als Online-Shops allein mit Sofortzahlung oder Paypal auf Kundenfang gehen konnten: „Die Mischung ist entscheidend.“ Dabei müsse jeder Online-Händler abhängig von Produkten, Umsätzen und Zielgruppen den passenden Bezahlsystem-Mix selbst ermitteln. Der Wettbewerb der Anbieter wird immer härter: Seit wenigen Monaten wirbt der von deutschen Kreditinstituten entwickelte Paypal- Konkurrent Paydirekt um Handels- und Endkunden. Mit dem Eintritt der über 400 Sparkassen Ende April können wenigstens auf dem Papier die weitaus meisten Girokontenbesitzer in Deutschland Paydirekt nutzen.

2,2 Milliarden Euro mobiler Umsatz

In den nächsten Jahren werden die Anbieter Lösungen fürs mobile Bezahlen entwickeln. So wollen mehrere große Sparkassen mit der Bezahl-App „Yomo“ Start-ups wie Number26 das Wasser abgraben. Sie folgen hier Prognosen von großen Marktforschungsinstituten. Weltweit werden bis Ende 2016 die Einkäufe per Smartphone nach Schätzungen des IT-Marktforschungskonzerns Gartner auf 2,2 Milliarden Euro steigen.

Noch kommt der Handelskunde wegen der hohen Verbreitung an Paypal nicht vorbei. Allein in Deutschland nutzen mittlerweile über 17,2 Millionen Endkunden die Dienstleistungen der eBay-Tochter, die inzwischen auch als Payment Service Provider (PSP) gegen Anbieter wie Paymill, Payone oder Concardis antritt. Die PSP-Dienstleister bieten neben der Integration verschiedener Bezahlsysteme und Zahlungsabwicklung auch Leistungen wie Risikomanagement und Inkasso an. Das hat natürlich seinen Preis und lohnt sich deshalb vor allem für solche Händler, die viele Sendungen mit hohen Warenwerten an Kunden verschicken.

Was müssen Sie beachten? Selbst abrechnen oder auslagern?

Was Sie bei der Auswahl von Zahlungslösungen und -dienstleistern beachten müssen:

  • Erfassen Sie über rund drei Monate hinweg Zahlungsgewohnheiten und Zahlungsverhalten Ihrer Online-Kunden. Fragen Sie diese beim Einkauf, welche zusätzlichen Zahlungsdienstleistungen Sie wünschen.
  • An Kreditkarten, Rechnung und Paypal führt kein Weg vorbei. Prüfen Sie weitere Dienstleistungen wie Sofortbezahlungen oder Barzahlungen für Kunden in der Region, welche nach Eingang einer Bestätigungsmail (Ware vorhanden) ihre Einkäufe persönlich abholen.
  • Prüfen Sie, ob Sie die Bezahlvorgänge selbst abwickeln oder an einen Payment-Dienstleister auslagern wollen. Wenn saisonale Ware dominiert, fast nur Stammkunden einkaufen oder überwiegend Sendungen mit geringem Warenwert (unter 30 Euro) verschickt werden, ist eine Inhouse-Lösung mit Aushilfskräften preiswerter.
  • Promoten Sie Rechnungen (nach Bonitätsprüfung) und Vorauszahlungen besonders. So halten Sie die Kosten für Paypal und Kreditkarten niedrig und erhalten zudem wertvolle Daten über Ihre Kunden. Prüfen Sie geringfügige Rabatte (2–3 Prozent) für Vorauszahlungen. Vorsicht bei der Kreditkarte: Banken und Sparkassen berechnen sehr unterschiedliche Gebühren. Holen Sie Angebote von wenigstens zehn Finanzdienstleistern ein, und berücksichtigen Sie hierbei auch Direktbanken und ausländische Institute.
  • Payment-Service-Provider lohnen sich vor allem dann, wenn die Buchhaltung ausgelastet ist, Sendungen mit hohen Warenwerten verschickt werden und viele Rechnungskunden eine lose Zahlungsmoral haben. Holen Sie Angebote von mindestens drei Anbietern ein. Wählen Sie einen Provider nur dann, wenn Sie die Gesamtprovisionen (zwei bis fünf Prozent) auf die Kunden umlegen können.

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