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Betriebspolicen Wie Gründer den richtigen Schutz finden

Vor dem Start in die Selbständigkeit sollten Gründer den richtigen Versicherungsschutz für den Betrieb abschließen. Worauf junge Chefs achten sollten und wo sie sparen können, erklärt Hendrik Rennert, Geschäftsführer von Finanzchef24.

Themenseiten: TS Betriebshaftpflicht und TS Betriebsversicherung

Der Risikoschutz für den Betrieb sichert Handwerkern im Ernstfall die Existenzgrundlage. Voraussetzung: Wenn junge Unternehmer ihre Gefahren kennen und Risiken auch richtig versichern. Was Unternehmer dazu wissen und prüfen sollten, erklärt Hendrik Rennert, Geschäftsführer und Mitgründer von Finanzchef24, im Interview.

handwerk magazin: Wie versichern Gründer ihren Betrieb richtig?

Hendrik Rennert: Als Versicherungsmakler antworte ich darauf natürlich: möglichst umfangreich. In der Realität stellen wir aber immer wieder fest, dass es bei vielen Kunden de facto eine Kostenrestriktion gibt. Sollte dies der Fall sein, muss man abwägen, welche Risiken man in welcher Höhe absichert und welche nicht. Letztendlich ist das bei jedem Gründer eine kaufmännische Entscheidung.

Welche Policen sind für Gründer unverzichtbar?

Rennert: Von Bedeutung ist dabei aus unserer Sicht die Frage: Welche Schadensfälle können auftreten und welche können die Existenz des Handwerksbetriebs wirklich bedrohen? Ein „Must-Have“ ist in jedem Fall die Haftpflichtversicherung. Je nachdem, wie wichtig das eigene Inventar wie Maschinen oder Waren für die Geschäftstätigkeit sind, desto wichtiger ist es, sie entsprechend zu versichern.

Ein weiteres Grundrisiko ist natürlich das von Rechtsstreitigkeiten. Nicht selten kommt es vor, dass Gründer durch Anwalts- und Gerichtskosten in die Pleite getrieben werden. Hier hilft eine Rechtsschutzversicherung.

Nur Achtung: In den meisten preiswerten Tarifen ist das Eintreiben ausstehender Forderungen durch einen Anwalt nicht mitversichert. Das ist ein sehr häufiges Missverständnis im Schadenfall.

Wo liegen die höchsten Risiken für Gründer aus dem Handwerk?

Rennert: Zum einen liegen die wesentlichen versicherbaren Risiken in Fremd- und Eigenschäden. Das heißt, der Handwerker verursacht einen Schaden in der Ausübung seiner Tätigkeit und muss Schadenersatz bezahlen. Zum anderen kann auch das Eigentum des Handwerkers wie eine teure Maschine, die er zur Ausübung seines Berufs benötigt, zerstört werden beispielsweise bei einem Brand oder Wasserschaden.

Gibt es für Handwerker eine Versicherungspflicht?

Rennert: Anders als beispielsweise bei Steuerberatern gibt es bei Handwerkern keine Versicherungspflicht. Folglich legen viele Gründer aus Unwissenheit und Kostenbewusstsein erst einmal ohne Versicherungsschutz los. Nicht selten kommt es dann im Schadenfall zu einem bösen Erwachen.

Wie sollte eine Risikoanalyse für einen Gründerbetrieb vor Vertragsabschluss aussehen?

Rennert: Um zu erfahren, welche Versicherungsprodukte notwendig sind, ist zunächst eine Erfassung der Risikosituation notwendig. Diese wird zum einen durch die ausgeübte Tätigkeit bestimmt, also durch die Frage: Welche Arbeiten verrichtet der Betrieb und plant man zu verrichten? Hier sollte man unbedingt ehrlich und möglichst umfangreich antworten, damit die Versicherung im Schadenfall auch zahlt.

Zum anderen ist es wichtig vollständige Angaben zur Arbeitssituation zu machen. Hat der Handwerker eine eigene Werkstatt? Welchen Wert haben die technische und kaufmännische Ausstattung?

Auf welche Details müssen Gründer achten oder wo liegen die Stolpersteine?

Rennert: Ein Gründer strebt zunächst einmal immer nach Umsatz und bewegt sich dadurch so manches Mal in Bereichen, die außerhalb der eigenen Betriebsart liegen. Wie beispielsweise ein Maler, der zusätzlich Isolier- oder Dacharbeiten übernimmt. Damit entstehen automatisch neue Risiken, die unbedingt versichert werden sollten. Deshalb sollte die Betriebsart sorgfältig ausgewählt und im weiteren Verlauf überprüft werden. Ratsam ist auch, realistische Businessplan-Zahlen anzugeben. Sie dienen den Versicherern als Basis für die Berechnung der Prämie. Außerdem bieten viele Versicherer spezielle Gründerrabatte an, die bis zu 40 Prozent betragen können.

Kann ich beim Versicherungsschutz sparen, ohne auf Leistungen zu verzichten?

Rennert: Ja, auf jeden Fall. Die Preise variieren je nach Gewerbe und Versicherung. Das bedeutet: Je mehr Angebote ich vergleichen kann, desto besser. Auf finanzchef24.de führen wir inzwischen 21 renommierte Versicherer in unserem Onlinevergleich.

Wie können Gründer sparen, wenn nötig?

Rennert: Aus meiner Sicht kann man an zwei Stellschrauben drehen: an den Deckungssummen und den vereinbarten Selbstbehalte.

Eine weiterer Tipp: In einigen Betriebshaftpflichtversicherungen ist die Privathaftpflichtversicherung bereits enthalten. Somit kann eine separate Privathaftpflichtversicherung dann entfallen.

Welche Entwicklungen gibt es bei Versicherungen für Gründer?

Rennert: Zum einen arbeiten viele Versicherer mit vergünstigten Tarifen, die abhängig von der Laufzeit ansteigen. Zum anderen stellen wir ein immer größeres Interesse der Versicherungsgesellschaften an der Zielgruppe der Gründer fest. So bringen Spezialversicherer beispielsweise leistungsstarke und preislich interessante Produkte auf den Markt.

Sollten sich Gründer in Versicherungsfragen von einem Experten beraten lassen?

Rennert: Es ist in jedem Fall empfehlenswert, sich vorab zu informieren, sei es durch gut aufbereitete Informationen und Produktvergleiche oder eine persönliche Beratung. Sobald Gründer Nachfragen haben oder weitere Details benötigen, sollte man definitiv das persönliche Gespräch suchen.

Welchen persönlichen Tipp haben Sie für Gründer?

Rennert: Für mich gehört eine vernünftige und vorausschauende Planung zum Handwerkszeug eines jeden Unternehmers. Was das Thema Versicherung betrifft, rate ich selbstverständlich, technologiegestützt zu vergleichen und bei Bedarf anzurufen. Und: Nehmen sie nicht das erstbeste Angebot!

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