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Betriebliche Altersvorsorge: Das Wichtigste zur Betriebsrente vom Chef

Für Handwerksunternehmen ist die Betriebsrente ein wichtiges Argument zur Mitarbeiterbindung. Dennoch zögern gerade kleinere Betriebe noch mit dem Angebot. handwerk magazin nennt die Vor- und Nachteile der Betriebsrente.

Themenseite: Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Der Staat fördert die betriebliche Altersvorsorge (bAV) durch Steuervorteile und Befreiung von den Sozialabgaben. Gleichwohl hat sie in kleinen und mittleren Betrieben noch nicht richtig Fuß gefasst.

Lohnt die Einführung einer betrieblichen Alterversorgung für Handwerkerbetriebe?

In Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels – auch im Handwerk – ist die bAV ein Instrument der Mitarbeiterfindung und -bindung. Während große Unternehmen vielfältige Sozialleistungen bieten können – vom Kantinenessen über Betriebskindergärten und Dienstwagen bis zur Altersversorgung – bleibt Handwerksbetrieben meist nur die Betriebsrente. Hier können auch kleine Firmen attraktive Angebote aufbauen, denn der Staat fördert die betriebliche Altersversorgung.

Wie fördert der Staat die bAV?

Arbeitnehmer haben einen Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung. Dabei wandeln sie Bruttolohn in Betriebsrentenansprüche um. Gespart wird also steuer- und sozialabgabenfrei. Auch der Arbeitgeber profitiert, denn auf die Umwandlungsbeträge fallen auch für ihn keine Sozialabgaben an. Sofern der Chef seine Ersparnis von bis zu 20 Prozent als Zuschuss auf die Beiträge seiner Arbeitnehmer drauf legt, steigt die Attraktivität der Betriebsrente für Mitarbeiter nochmals deutlich. Dem Chef selbst kostet dies nicht mehr, als wenn er den Umwandlungsbetrag direkt als Lohn gezahlt hätte.

Ist die bAV auch für Gesellschafter-Geschäftsführer interessant?

Als Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH oder Vorstand einer AG besteht ein besonders hoher Versorgungsbedarf. Das liegt nicht nur an dem häufig relativ hohen Einkommen, sondern auch aus der oft nicht vorhandenen Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung. Die bAV bietet Möglichkeiten zur Schließung dieser Versorgungslücke. Es müssen aber einige Besonderheiten beachtet werden, um die Versorgung auch rechtlich sicher zu gestalten.

Wie werden Betriebsrenten im Alter besteuert?

Wie alle Rentenarten muss auch diese Leistung im Ruhestand nachgelagert besteuert werden. Das heißt: Wer Mitglied in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ist, zahlt im Alter auf seine Betriebsrente den vollen Sozialversicherungsbeitrag. Weil in dieser Lebensphase aber meist die Steuerbelastung niedriger ist als während des Berufslebens, ist die Betriebsrente attraktiv. Wenn dann während der Sparphase im Betrieb noch viele Arbeitnehmer gemeinsam vorsorgen, dann sind die Konditionen der Versorgungswerke oder Versicherer besonders vorteilhaft.

Was muss der Arbeitgeber tun?

Wer eine Betriebsrente verspricht, der geht eine jahrzehntelange Verpflichtung ein. Das will gut überlegt sein. Aber auch bei anderen langfristigen Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge oder Gebäude geht ein Unternehmer Risiken erst ein, nachdem er betriebswirtschaftliche Analysen vorgenommen hat. Eine Betriebsrente ist eine Investition in die Arbeitnehmer. Dafür sollte man sich mindestens genauso viel Zeit nehmen. Der Arbeitgeberverband, die Kammer, der Steuerberater oder ein unabhängiger Berater können hier den richtigen Weg weisen.

Welcher Durchführungsweg ist sinnvoll?

Gerade kleinere Betriebe scheuen den Verwaltungsaufwand. Daher wählen sie oft einen externen Durchführungsweg wie eine Pensionskasse, einen Pensionsfonds oder eine Direktversicherung. In manchen Branchen gibt es auch Branchenversorgungswerke, so etwa in den Bereichen Bau, Metall-Elektro, Bäckereien etc.  Die meisten Handwerksbetriebe möchten keine Bilanzberührung ihrer bAV. In diesem Fall sind versicherungsförmige Durchführungswege wie etwa die Pensionskasse sinnvoll.

Oft werden diese rechtlich selbstständigen Einrichtungen von einem oder mehreren Unternehmen getragen. Es gibt aber auch für alle Branchen und Arbeitnehmer offene Einrichtungen wie etwa die Kölner Pensionskasse, Vereinigte Pensionskasse und Verka Pensionskasse.

Wie flexibel ist die Anlage in der bAV?

Entscheidet sich der Arbeitgeber für einen externen Durchführungsweg, dann hat er weder etwas mit der Verwaltung noch mit der Kapitalanlage zu tun. Darum kümmert sich dann der Versorgungsträger entsprechend den relevanten Anlagerichtlinien. Er trägt auch grundsätzlich die Kapitalmarktrisiken.

Wählt der Arbeitgeber einen internen Weg und spart das Geld in Form von Rückstellungen im eigenen Betrieb an, dann ist er frei in der Kapitalanlage. Er trägt dann alle Risiken allein. Er muss später auch die Auszahlung vornehmen, unabhängig von der wirtschaftlichen Lage zum Zeitpunkt des Renteneintritts des Arbeitnehmers.

Welche Risiken resultieren aus der Betriebsrente?

Der Arbeitgeber verspricht die Betriebsrente. Dafür hat er einzustehen, ungeachtet, ob er einen dritten, also eine Versorgungseinrichtung oder einen Versicherer einschaltet oder nicht. Deshalb sollte die Wahl des Partners wohl überlegt sein. Ihm muss man zutrauen, das gegebene Versprechen erfüllen zu können, so dass man nicht später, trotz Beitragsentrichtung nochmals zahlen muss im Wege der Subsidiärhaftung. Denn, wird der Versorgungsträger z. B. insolvent und kann die übernommenen Leistungen nicht mehr erbringen, haftet der Arbeitgeber für den Fehlbetrag.

Kann der Arbeitgeber seine Risiken reduzieren?

Im Betriebsrentengesetz gibt es unterschiedliche Zusageformen, die es ermöglichen, den Arbeitnehmer als Begünstigten an den Kapitalmarktrisiken zu beteiligen. Die Beitragszusage mit Mindestleistung ist so eine Zusageform. Hier verspricht der Arbeitgeber bestimmte Beiträge an ein Versorgungswerk zu zahlen. Zudem sagt er eine Mindestleistung zu, nämlich die Summe aller Beiträge im Versorgungsfall zur Verfügung zu stellen. Der Arbeitgeber garantiert aber keine darüber hinausgehende Verzinsung.

Was ist, wenn die Zinsen noch etliche Jahre sehr niedrig bleiben?

Für die Arbeitnehmer könnte dies zu niedrigeren als den erwarteten Renten führen. Bei bAV-Angeboten, die auf einer Rentenversicherung basieren, sinken die Überschüsse zutiefst auf den Höchstrechnungszins, auch „Garantiezins“ genannt. Bei neuen Verträgen beträgt er 1,25 Prozent, bei alten bis zu 4 Prozent. Die Anbieter weisen darauf hin, dass eine bAV ein Versicherungsprodukt ist und die Rendite nicht im Vordergrund stehen sollte.

Gleichwohl gibt die Kölner Pensionskasse neuen Kunden neuerdings die Möglichkeit, an zukünftigen Erhöhungen des Garantiezinses teilzuhaben. Für den Arbeitgeber können bei anhaltendem Zinstief – je nach Zusagen, die er in der Vergangenheit gegeben hat – Nachschusspflichten oder Subsidiärhaftung ausgelöst werden.

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