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Kostengünstige Bestandsbeton-Nutzung Beton und Sanierung: Warum der Baustoff beim klimaneutralen Bauen wichtig ist

Um die Klimakrise einzudämmen, müssen die Treibhausgasemissionen radikal sinken. Die Bauwirtschaft kann dabei einen entscheidende Beitrag leisten, indem sie bestehende Materialien in ein neues Leben überführt. Im Fall des Best Western Hotel Arabellapark in München ist das Beton.

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Klimaneutral bauen liegt im Trend, spätestens seitdem seit Dezember 2019 das Klimaschutzgesetz gilt. Gebäude zu erschaffen, die CO2-neutral und energieeffizient sind, ist gut. Doch viel besser ist es noch, bestehende Bauten zurückzubauen und nachzurüsten – wie zum Beispiel im Münchner Arabellapark. Dort wurde das Bürogebäude der Versicherungsgesellschaft Swiss Life aus den späten 1970er Jahren in ein modernes Hotel Best Western Hotel Arabellapark umgebaut. Dabei wurde das fünfstöckige Gebäude komplett entkernt, die Fassade bis zur Tragstruktur zurückgebaut und anschließend völlig neu mit einer skelettförmigen Wabenstruktur umhüllt.

Nachhaltiges Bauen heißt letztlich nicht nur umweltverträgliche Materialien wie Holz zu verwenden, um ökologischen Vorgaben zu berücksichtigen – es geht ganz simpel auch ums Geld. So sieht es Timo Brehme, Geschäftsführer des Architektur- und Beratungsunternehmens CSMM aus München: "Indem wir das Bauskelett mit einer neuen Fassade umhüllen und das Innenleben neu organisieren, geht der Baukörper in eine weitere, verbesserte Nutzungsphase über und bekommt ein neues Leben", erklärt er. Solche Revitalisierungs- und Redevelopment-Projekte sollen somit auch in ökonomischer Hinsicht einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Bestandsbeton: Wichtig bei der ressourcenschonenden Sanierung

Interessant: Die Währung, mit der kostengünstig an einer nachhaltigeren Zukunft gebaut werden kann, ist Bestandsbeton. Als Bausubstanz aus dem vergangenen Jahrhundert ist er überall zu finden, bei Brücken, Hochhäusern und Straßen – hat jedoch eine verheerende Umwelt- und Klimabilanz. So gehen vier bis acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen auf Rechnung der Betonproduktion. Damit verursacht der Baustoff etwa dreimal so viele Emissionen wie der gesamte Luftverkehr und liegt bei den Emissionen von Materialien direkt hinter Kohle, Öl und Gas.

Dennoch soll Beton dem Beratungsunternehmen zufolge zum Treiber für eine nachhaltigere Zukunft werden, wenn es darum geht, mit den vorhandenen Ressourcen besser und effizienter umzugehen. "Die im verbauten Material enthaltene graue Energie von Bestandsimmobilien lässt sich durch ressourcenschonende Sanierung nutzen", sagt Brehme. "Viele Gebäude brauchen lediglich die Chance auf ein zweites Leben.“ Die Bauwirtschaft könne dabei einen entscheidenden Beitrag leisten.

Erhalt bestehender Gebäude ist nachhaltiger als Abriss

Über die Revitalisierung könnte die CO2-Jahresemissionsmenge erheblich reduziert werden. Das belegt auch die UN im „Global Status Report for Building and Construction“, in dem es heißt, dass Klimaschutzziele und der Erhalt von Bausubstanz stark zusammenhängen. Die Empfehlung lautet deshalb, weniger Gebäude abzureißen und stattdessen bestehende Strukturen wiederzuverwerten.

Einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge sehen auch 68 Prozent der Investoren in Bauvorhaben im Redevolopment den besten Weg, Kosten einzusparen und dabei den CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Selbst neue Gebäude können auf Beton zurückgreifen, allerdings auf diesen, der bereits existiert. In Deutschland entstehen jährlich etwa 50 Millionen Tonnen Bauschutt, ein Großteil davon kann theoretisch recycelt werden.

Doch all der Beton-Euphorie zum Trotz gibt es bei der Wiederverwertung des Baustoffs auch eine Einschränkung: Wenn Asbest in alten Gebäuden enthalten ist, müssen diese speziell behandelt und entsorgt werden.

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