Baustellenorganisation für Handwerker

Große Projekte versprechen im Bauhandwerk viel Umsatz, doch oft bleibt kaum Gewinn übrig. Mit geschickter Steuerung der Prozesse können Sie jede Baustelle zum Erfolg führen.

Was können Unternehmer tun, um auf größeren Baustellen den Überblick zu behalten? Einfach losarbeiten und hoffen, dass sich am Ende alles irgenwie zusammenfügt? Oder die einzelnen Aufgaben strukturieren und systematisch abarbeiten? Marcus und Stephan Bönninger, Chefs im gleichnamigen Dortmunder Malerbetrieb mit 15 Mitarbeitern, haben sich für letztere Strategie entschieden.

„Früher sind unsere Leute zum Kunden gefahren und haben losgelegt“, erinnert sich Marcus Bönninger, verantwortlich für die kaufmännische Geschäftsführung des Malerbetriebs. Bei größeren Baustellen von gewerblichen Kunden, die etwa die Hälfte des Auftragsvolumens ausmachen, ging jedoch oft der Überblick verloren. Arbeitsschritte mussten verschoben werden, weil Vorgewerke noch nicht fertig waren oder Material fehlte. Oder Mitarbeiter erledigten Arbeiten, die weder im Leistungsverzeichnis aufgeführt waren noch abgerechnet wurden.

Zu viel unbezahlte Mehrarbeit

„Das alles hat Zeit und Geld gekostet“, sagt Marcus Bönninger. „Um im Markt bestehen zu können, musste es gelingen die Baustellen effizienter abzuwickeln.“ Mithilfe eines Beraters wurden im Unternehmen alle Abläufe geprüft und, wo nötig, verändert. Kern des neuen Systems ist das Zerlegen aller anfallenden Arbeiten eines Projekts in kleine Einheiten, die sogenannten Arbeitspakete. „Ein Arbeitspaket sind etwa die Vorarbeiten für eine Innenraumrenovierung, ein zweites dann die Anstricharbeiten“, erklärt Marcus Bönninger. Für jede Tätigkeit ist bekannt, wie viel Zeit dafür üblicherweise benötigt wird.

Die Zeiten haben Stephan und Marcus Bönninger gemeinsam mit ihren Mitarbeitern aufgrund von Erfahrungswerten festgelegt. „Indem wir genau wissen, welche Arbeiten in welcher Zeit zu schaffen sind, können wir die Preise entsprechend kalkulieren“, sagt Bönninger. Ein weiterer Vorteil: Durch das Aufteilen der Arbeiten in kleine Schritte können Mitarbeiter und Chefs besser den Überblick behalten - vorausgesetzt, dass alles dokumentiert wird.

„Wir kommunizieren mehr und halten alles schriftlich fest“, beschreibt Marcus Bönninger die neue Arbeitsweise. Wobei auch er als Chef sich erst einmal umstellen musste: „Die Organisation beginnt jetzt weiter im Vorfeld“. Jeder Bauleiter bekomme von ihm eine Woche vor Baustellenbeginn genaue Informationen an die Hand: was zuerst erledigt werden muss, welche Ausführungsmöglichkeiten es gibt sowie Angaben über Materialbedarf und Maschineneinsatz. „Die Mitarbeiter kennen heute unsere Termine sehr genau und achten etwa darauf, dass die Vorgewerke mit ihrer Arbeit fertig sind“, sagt Bönninger. Leer- und Wartezeiten würden so vermieden. Da jeder wisse, welche Tätigkeiten im Arbeitspaket enthalten seien, falle es den Mitarbeitern auch leichter, zusätzlich erbrachte Leistungen zu erkennen und für die spätere Abrechnung aufzuschreiben - was die Rendite merklich steigere. „Wir erzielen mit der gleichen Anzahl von Mitarbeitern etwa sechs Prozent mehr Umsatz als früher“, sagt Marcus Bönninger. „Und da wir mehr Leistungen abrechnen, bedeutet das auch mehr Gewinn.“

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