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Berufsunfähigkeit: Alternativen für Handwerker

Im Fall einer Berufsunfähigkeit sind selbstständige Handwerker sich selbst überlassen: Sie müssen daher privat vorsorgen. Allerdings wird der Abschluss einer Berufsunfähigkeitspolice 2015 deutlich teurer. handwerk magazin zeigt Alternativen auf.

Themenseiten: TS Berufsunfähigkeitsversicherung und TS Erwerbsminderungsrente

Im Ernstfall können selbständige Handwerker nicht auf Leistungen der Sozialversicherung vertrauen. Auch wenn Handwerker freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, fallen die Leistungen der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente heute nur noch gering aus - oder entfallen ganz.

Eine klassische Alternative für selbständige Handwerker ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Aber auch hier gibt es zum 1. Januar 2015 wichtige Änderungen: Die Beiträge werden im neuen Jahr drastisch steigen.

Hintergrund ist das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG), das zum einen regelt, dass der sogenannte Garantiezins auf 1,25 Prozent sinkt und dass zum anderen Versicherte zu 90 Prozent an den Risikogewinnen der Versicherung beteiligt werden müssen. Was bedeutet dies für die betroffenen Berufsgruppen und welche Alternativen bietet der Versicherungsmarkt zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)? handwerk magazin hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wie wirkt sich das neue Gesetz aus?

Branchenexperten gehen davon aus, dass dies nicht nur zu einer Verteuerung der BU-Policen führen wird, sondern die Versicherer sich auch noch mehr gegen sogenannte Risikogruppen abschotten werden. Wer in einem riskanten, körperbetonten Beruf arbeitet oder Vorerkrankungen hat, für den kann es bedeuten, dass die Policen unbezahlbar werden.

Was kann man tun, wenn die Police nicht mehr bezahlbar ist?

Manchmal ist es eine Alternative, Abstriche bei den Bedingungen zu machen und zum Beispiel bei Vorerkrankungen einen nachträglichen Einschluss zu vereinbaren. Das macht dann Sinn, wenn eine Erkrankung nicht mehr akut ist. Damit werden Leistungen bei diesen Beschwerden zwar bei Vertragsbeginn ausgeschlossen, nach einer gewissen Frist ist das Risiko aber wieder mitversichert.

Wenn es keine Chance gibt, eine BU zu bekommen, welche Alternativen bleiben dann?

Es gibt vier Versicherungsformen, die zumindest einen Teilschutz bieten:

  • die Unfallversicherung,
  • die Erwerbsunfähigkeitsversicherung,
  • Grundfähigkeitsversicherung sowie
  • die Dread Disease Versicherung, die schwere Krankheiten absichert.

Welche Versicherung ist davon zu empfehlen?

Versicherungsvertreter empfehlen hier zuerst die Unfallversicherung. Die Statistik zeigt aber, das Unfälle nur zu unter zehn Prozent ursächlich dafür sind, dass eine BU-Rente gezahlt wird. Eigentlich sollte sie somit nicht die erste Wahl sein. Dass dennoch vielen diese Alternative zuerst einfällt, erklären Fachleute damit, dass man sich einen solchen Fall leicht vorstellen kann.

Ist die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung die bessere Alternative?

Ja, gerade für handwerkliche Berufe stellt die Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) eine Alternative dar.

Vorteile: Sie ist bis zu zwei Drittel günstiger als die BU. Außerdem ist der Gesundheitscheck deutlich geringer. Manche Versicherungen stellen sogar überhaupt keine Gesundheitsfragen.

Nachteile: Zum einen besteht eine Wartezeit bis voller Versicherungsschutz gegeben ist, zum anderen zahlt die EU nur, wenn der Betroffene überhaupt keine Arbeit mehr annehmen kann.

Eine unbekannte Versicherungsvariante ist die Grundfähigkeitsversicherung. Was sichert sie ab?

Versicherungsexperten und Verbraucherschützer sehen hier einen guten Ansatz. Aus der Grundfähigkeitsversicherung bekommt der Versicherte eine monatliche Rente, wenn er elementare Körperfunktionen verliert, also beispielsweise nicht mehr sehen, hören oder gehen kann. Wie das passiert, durch Krankheit, Alter oder Unfall ist der Versicherung dabei egal.

Vorteile: Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt auch dann, wenn der Beruf noch ausgeübt werden kann. Außerdem ist die Gesundheitsprüfung einfacher, der aktuelle Beruf spielt für die Aufnahme keine Rolle und die Beiträge sind zumeist günstiger.

Nachteil: Diese Versicherungsform wird nur von sehr wenigen Unternehmen angeboten. Das Problem ist, dass diese Versicherungsform zu wenig bekannt ist – und darum auch zu wenig nachgefragt wird. 

Was bietet die Dread-Desease-Versicherung?

Die Dread-Desease-Police (DD) geht vollkommen anders an das Thema Vorsorge heran. Anfang der 80er-Jahre zunächst in Südafrika auf den Markt gekommen, fand die Ernsthafte-Krankheiten-Police den Weg über die angelsächsischen Länder nach Deutschland. Sie versichert das Risiko von vorher definierten, schweren Krankheit wie Krebs, Herzinfarkt, Aids oder Nierenversagen. Und sie zahlt sofort, wenn ein Arzt die entsprechende Diagnose stellt. Die Leistung erfolgt nicht in Form einer Rente, sondern als Einmalzahlung,

Vorteile: Auch bei der DD-Versicherung ist unwichtig, ob der Versicherte arbeiten kann oder nicht. Langwieriger Streitereien hierüber entfallen also. Zudem gibt es zwar eine Gesundheitsprüfung, bei der aber andere Punkte zählen als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Rückenprobleme beispielsweise spielen überhaupt keine Rolle, auch deswegen natürlich, weil die DD-Police bei Berufsunfähigkeit wegen solcher Probleme auch nicht zahlt.

Nachteil: Die DD-Versicherung ist nicht grundsätzlich günstiger.

Was ist mit der privaten Pflegeversicherung?

Der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung ist wichtig, aber keine Alternative zur BU, sondern eine Ergänzung. Wenn Pflege inkludiert sein soll, empfiehlt sich aber in manchen Fällen eine Funktionsinvaliditätsversicherung, manchmal auch als Multirente oder Kombirente bezeichnet . Sie bietet eine Kombination aus Unfall- und Pflegeschutz. Darüber hinaus wird bei einigen schweren Erkrankungen geleistet und Schutz beim Verlust bestimmter Grundfähigkeiten geboten.

Fazit: Keine der hier aufgeführten Alternativen ersetzt zu 100 Prozent eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn Keine ist so konstruiert, dass sie umfassenden Schutz für den Fall bietet, dass jemand seinen aktuellen Beruf nicht mehr ausüben kann. Dennoch: Im Zweifel ist ein halber Risikoschutz, gerade für Selbständige, für den Ernstfall besser als gar kein Sicherheitsnetz.

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