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Berufsunfähigkeit: Arbeitskraft richtig absichern

Für Handwerker wird der Risikoschutz teurer. Manche Gewerke bekommen erst gar keine Versicherung. Aber es gibt auch für Handwerker mit hohen beruflichen Risiken gute Alternativen.

Themenseite: Berufsunfähigkeitsversicherung

Krank werden kann jeder. Aber was ist, wenn ein Handwerker seinen Beruf nicht mehr ausüben kann? Verbraucherschützer empfehlen für diesen Fall den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Für Selbständige ist dieser Schutz ein absolutes Muss.

Das Problem: Wer einen handwerklichen oder gefährlichen Beruf ausübt, hat oft Probleme, eine solche Police überhaupt zu bekommen. Etwa 30 Prozent aller Anträge, so zeigen Auswertungen von Helge Kühn, Versicherungsmakler in Neudorf und Spezialist für Risikoschutz, werden im ersten Anlauf abgelehnt, nicht einmal zehn Prozent ohne Einwände angenommen. Die Folge: Der Versicherte muss Leistungsausschlüsse oder hohe Beiträge in Kauf nehmen. Im Zweifel bleibt oft nur die Möglichkeit, sich nach Alternativen umzusehen, sagt Julia Engelhardt, Finanzberaterin und Expertin für Risikoschutz von Unternehmern bei Svea Kuschel + Kolleginnen in Frankfurt.

Gute Alternativen

Als Alternativen kommen fünf Versicherungen infrage: die Unfallversicherung, die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die Grundfähigkeitsversicherung, die Dread Desease (DD), die schwere Krankheiten absichert. Und seit ein paar Jahren kommt noch die Funktionalitätsversicherung (auch Multirente genannt) hinzu. Sie leistet unter strengen Voraussetzungen bei Invalidität durch Unfall, schwere Organschäden (inklusive Krebserkrankungen), Verlust von Grundfähigkeiten und Pflegebedürftigkeit.

Für alle Alternativen gilt, dass sie die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nicht vollwertig ersetzen. Denn keine ist so konstruiert, dass sie umfassenden Schutz für den Fall bietet, dass jemand seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.

Kosten und Verfügbarkeit prüfen

Welche Alternative ansonsten die sinnvollste für einen Handwerker ist, hängt zum einen von der persönlichen Situation und den tatsächlichen Gründen ab, warum eine BU verwehrt wird. Zum anderen aber auch von den eigenen Ängsten und Vorstellungen, welchen Ernstfall man unbedingt abgesichert wissen möchte.

Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt, wenn elementare Körperfunktionen verloren gehen, also jemand nicht mehr sehen, hören oder gehen kann. Die Dread Desease dagegen versichert vorher definierte schwere Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkt oder Parkinson. Und nicht zuletzt spielen auch Kosten und Verfügbarkeit eine Rolle (siehe Tabelle). Die Grundfähigkeitsversicherung wird von Experten zwar empfohlen. Sie ist in Deutschland aber so unbekannt, dass sie kaum nachgefragt wird. Gerade große Versicherer, haben sie nicht im Angebot oder wie beispielsweise die Generali nach einer Testphase wieder vom Markt genommen.

Wichtig dabei: Alle Alternativen haben ihre Vorteile. In manchen Konstellationen, betont Finanzberaterin Engelhardt, können sie auch ohne Zwang sinnvoller sein. „Man muss immer den Einzelfall betrachten.“ So lehre die Lebenserfahrung, dass gerade Selbständige sogar nach Bypass oder Krebserkrankung ihre Tätigkeit im Betrieb wieder aufnehmen. Eine BU-Versicherung würde dann die Zahlungen sofort einstellen. Tatsächlich sei aber gerade dann für Umorganisationen im Betrieb Geld nötig. Für die DD beispielsweise spielt der Aspekt Wiedereinstieg des Unternehmers keine Rolle. Sie zahlt.

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