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Arbeitsschutz Berufskleidung: Kaufen oder mieten?

Regelmäßige Wäsche, kaputte Teile, neue Mitarbeiter: Wer auf ein einheitliches Firmenoutfit setzt, muss dafür sorgen, dass alle im Team optimal ausgestattet sind. Mietsysteme versprechen Rundum-Sorglos-Pakete. Doch sind sie wirklich die bessere Wahl? Wann sich die Miete für Betriebe lohnt und wann der Kauf die bessere Option ist.

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Rundum-Sorglos oder doch lieber in Eigenregie? Vorab: Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Vielmehr muss jeder Betrieb anhand seiner individuellen Anforderungen und des Budgets die für ihn optimale Lösung finden. Was Sie bei Ihrer Entscheidung wissen und beachten sollten:

Variante 1: Waschen lassen – So funktioniert Mietwäsche

Die Werbung der Textildienstleister klingt auf jeden Fall verlockend: Wer mit ihnen ins Geschäft kommt, soll sich keine Gedanken mehr ums Thema Berufskleidung machen müssen. Von der Erstausstattung im Firmenlook inklusive aufgebrachtem Logo, über Wäsche, Reparaturen und Ersatz bis hin zum Einkleiden von neuen Mitarbeitern oder der unkomplizierten Abmeldung ausgeschiedener Kollegen: Die Mietwäscheanbieter garantieren ein gepflegtes und hygienisch einwandfreies Erscheinungsbild der Mitarbeiter und übernehmen alle Logistikvorgänge bis hin zur Lieferung der frischen Kleidung in einen eigens vom Anbieter bereitgestellten Spind. Auch Handtücher oder Schmutzfangmatten lassen sich im Mietsystem bequem auswechseln.

Diese Leistungen übernehmen Textildienstleister üblicherweise:
  • Erstbeschaffung
  • Individualisierung mit Firmenlogo und ggf. Namen des Mitarbeiters
  • Anpassung bei Sondergrößen/ Änderungsschneiderei
  • Lagerhaltung
  • Logistik und Verteilung
  • Waschen und Bügeln
  • Kontrolle und Reparatur
  • Wiederbeschaffung
   So sieht ein typisches Wechselmodell aus

Üblicherweise wechselt der Mietwäscheanbieter einmal pro Woche die Kleidung. Insgesamt sind dabei drei Garnituren im Umlauf: Eine trägt der Mitarbeiter, eine liegt als Reserve im Schrank und eine befindet sich in der Wäscherei. Die Kosten werden in der Regel pauschal pro Stück Arbeitskleidung berechnet: Besteht eine Garnitur etwa aus zwei Teilen (Jacke, Hose) und wird pro Stück/Woche eine Mietpauschale von 75 Cent berechnet, beträgt die Wochenpauschale je Mitarbeiter und Woche 4,50 Euro.

Vertragslaufzeit und Rahmenbedingungen

Die Mindestdauer für Mietverträge beträgt meist drei Jahre. Während dieser Zeit können in der Regel neue Mitarbeiter eingekleidet oder nicht mehr benötigte Kleidung zurückgegeben werden. Ob dafür Kosten anfallen, regelt der individuelle Vertrag. Wichtig: Lesen Sie auch hier das Kleingedruckte! Generell sollten Betriebe vor Vertragsunterzeichnung unbedingt die genauen Bedingungen studieren und Anbieter vergleichen, vor allem auch was Zusatzkosten betrifft. Auch das Thema „Restwert“ der Kleidung sollte beachtet werden: Üblicherweise geben Textildienstleister den Restwert der Kleidung nach drei oder vier Jahren mit Null an. Wer sich vertraglich verpflichtet nach Ablauf der Mietdauer die Kleidung zum Restwert zu übernehmen, sollte sicherstellen, dass er nicht kurz vor Vertragsende mit neuer Kleidung beliefert wird. Zudem bietet das Thema Restwert Verhandlungsspielraum für jene Betriebe, die wenig verschleißen, also Kleidungsstücke länger als üblich nutzen.

Sonderfall:  Schutz- und Warnkleidung sowie Hygienevorschriften:

Wenn Mitarbeiter Persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen, muss diese über die gesamte Tragedauer die geforderten Normen erfüllen. Hier garantieren die Mietwäscheanbieter durch entsprechende Waschverfahren und Kontrollen, dass die Kleidung dauerhaft den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Das gleiche gilt für Hygienevorschriften, etwa im Lebensmittelhandwerk, die im textilen Mietservice garantiert eingehalten werden.  

Variante 2: Kaufen – komplett in Eigenregie oder mit Dienstleister

Am preisgünstigsten fährt, wer sich die Berufskleidung bei einem Anbieter für Berufstextilien kauft und gegebenenfalls mit dem Firmenlogo etc. veredeln und individualisieren lässt. Der Betrieb organisiert alles selbst, was allerdings meist zu nicht unerheblichen „versteckten“ Kosten führt, wenn Chef oder Mitarbeiter sich um Beschaffung und Pflege der Kleidung kümmern – und nicht um ihre eigentlichen Aufgaben. Geeignet ist diese Variante vor allem für Basisteile (etwa einheitliche T-Shirts/ Polohemden) oder selten benötigte Zweit-Outfits (etwa Messekleidung).

Soll die Berufskleidung dagegen stärker auf das betriebsspezifische Erscheinungsbild zugeschnitten sein, können auch individuelle Kollektionen bei entsprechend spezialisierten Dienstleistern eingekauft werden. Dadurch lassen sich auch die Passformen entsprechend der Bedürfnisse der Mitarbeiter auswählen. Nachbestellungen können auf Abruf getätigt werden. Um Reparatur und Pflege kümmert sich auch hier der Betrieb selbst. 

Größere Auswahl an Kollektionen

Wer Fan eines bestimmten Berufsmodeherstellers ist oder Kleidungsstücke mit besonderer Optik oder Funktion für sein Team beschaffen möchte, stößt bei Mietserviceanbietern unter Umständen an Grenzen. Das Angebot der Textildienstleister orientiert sich zwar an der gängigen Mode und in den verschiedenen Branchen üblichen Funktionalität. Dennoch haben die Dienstleister natürlich nur eine begrenzte Auswahl an Kollektionen im Programm. Zudem liegt der Schwerpunkt auf haltbaren Materialien, die sich im industriellen Waschbetrieb bewähren und die unkompliziert repariert werden können. Wer auf bestimmte Merkmale der Kleidung besonderen Wert liegt, hat beim Kauf daher in der Regel mehr Auswahl. 

Flexibleres Handling beim Waschen und Neukauf

Beim Kaufmodell können Betriebe selbst entscheiden, wann die Kleidung gewaschen bzw. erneuert werden soll. Arbeiten Mitarbeiter etwa bei schlechter Witterung im Freien, ist es wenig sinnvoll die nasse, verschmutzte Kleidung bis zum Wechseltermin der Mietwäsche schlecht belüftet im Container zu lagern. Ebenso kann bei geringem Verschleiß Kleidung länger getragen werden, als vom Mietservice-Anbieter berechnet. 

Gekaufte Berufskleidung: Waschen und Pflege sicher regeln

Am wenigsten Aufwand für den Betrieb entsteht, wenn die Mitarbeiter die Textilien selbst zu Hause waschen. Allerdings sollte dies konkret im Arbeitsvertrag geregelt sein. Alternativ können auch im Betrieb Waschmaschine und Trockner betrieben werden, wobei hier wiederum ein Verantwortlicher bestimmt werden muss.Möglich ist auch das Waschen der betriebseigenen Kleidung in einer örtlichen Wäscherei bei eigener Anlieferung/ Abholung.

Berufskleidung Mieten oder Kaufen – Die Vor- und Nachteile im Überblick

Miete Kauf
Vorteile + komplettes Textilmanagement ausgelagert
+ einheitliches, sauberes Erscheinungsbild garantiert
+ flexible Anpassung bei Personalfluktuation
+ Schutz-/ Hygienekleidung entspricht den Normen/Vorschriften
+ bei transparenter Preisgestaltung klare Kosten
+ Mietkosten können sofort als Betriebsausgaben geltend gemacht werden
+ höhere Flexibilität (etwa Modellauswahl, Waschrhythmus usw.)
+ keine Vertragsbindung
+ je nach Betriebsgröße und Anforderungen günstiger als Miete


Nachteile - eingeschränkte Modellauswahl
- je nach Betriebsgröße und Anforderungen teurer als Kauf
- unter Umständen wird für Leistungen bezahlt, die nicht benötigt werden

- Zeitaufwand für Erst- und Wiederbeschaffung/ Lagerhaltung/ Handling im Betrieb/ Wäsche und Reparaturen
- versteckte Kosten (Aufwand für Textilmanagement ist Arbeitszeit)
- Platzbedarf zum Lagern aktuell nicht benötigter Textilien
- höhere Eigenverantwortung der Mitarbeiter, um einheitliches, sauberes Erscheinungsbild zu garantieren

Weitere Downloads zu diesem Artikel
  • Miet- Berufskleidung im Kostenvergleich (PDF, 120 kB)

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