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Lichtklima Beleuchtung am Arbeitsplatz: Das müssen Chefs wissen

Beim Thema Licht geht es nicht nur darum, alte Glühbirnen gegen LEDs zu tauschen. Gutes Licht in Werkstatt und Büro sorgt für mehr Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz – und damit auch für eine bessere Leistung. Experten erklären, was Unternehmen für ein gutes Lichtklima brauchen.

Themenseite: Arbeitsschutz und Gesundheit

Kaum ist der Winter da, schon klagen alle über die Dunkelheit. Kein Wunder: Der Arbeitstag beginnt bei Handwerkern meist zwischen sieben und acht und endet zwischen 16 und 17 Uhr. Wer im Büro oder der Werkstatt arbeitet, bekommt vom Sonnenlicht kaum etwas mit. Da ist eine gute Beleuchtung am Arbeitsplatz ein Muss.

Denn fehlendes Licht schadet nicht nur der menschlichen Psyche. Lichtmangel oder eine falsche Beleuchtung kann auch zum Problem für die körperliche Gesundheit werden und dem Sehvermögen schaden. „Gute Beleuchtung gehört zu den grundlegenden Sicherheitsanforderungen“, sagt Roman Jakobiak, Inhaber von daylighting.de. Als Architekt berät er seit 30 Jahren Unternehmen bei der Lichtplanung. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Tageslicht.

Optische Täuschung: Schlechtes Licht ist gefährlich

Wer nicht genügend sieht, macht schneller Fehler, die wiederum zu Unfällen führen können. Gerade bei der Arbeit mit beweglichen Maschinenteilen wie etwa einem Sägeblatt kann schlechtes Licht gefährlich werden. Es kann zum Beispiel zum sogenannten Stroboskopeffekt führen, einer Art optischen Täuschung. Der Betrachter glaubt dann, das Sägeblatt wäre im Stillstand, obwohl es sich bewegt.

Wichtig für die Leistungsfähigkeit: So viel Tageslicht wie möglich

Arbeitsplätze sollten in erster Linie so viel Tageslicht bieten wie möglich. Das ist sogar gesetzlich festgelegt. „ Eine Beleuchtung mit Tageslicht ist der Beleuchtung mit ausschließlich künstlichem Licht vorzuziehen“, heißt es etwa in der Arbeitsstättenverordnung. Das gilt sowohl für den Arbeits- als auch für den Pausenraum.

Natürliches Licht wirkt sich positiv auf das menschliche Wohlbefinden aus, denn es steuert den menschlichen Tagesrhythmus und beeinflusst Hormone, die Leistungsfähigkeit und Stimmungslage beeinflussen. „ Für die Psyche sind Tageslicht und eine Sichtverbindung nach außen enorm wichtig“, sagt Lichtexperte Jakobiak. Möglichst große  Fenster, aber auch Dachoberlichter und Wände mit Glaselementen sorgen dafür, dass genügend natürliches Licht in den Raum kommt.

Mehr Licht zum Arbeiten: So geht es richtig

Wie viel Tageslicht tatsächlich auf der Arbeitsfläche ankommt, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von:

  • Höhe des Raumes
  • Grundfläche des Raumes
  •  Anordnung der Fenster
  • Positionierung von Werkbank oder Schreibtisch im Raum
 

Rollos und Vorhänge: Vor Blendung und Sonne schützen

Damit Sonnenlicht weder blendet noch den Raum aufheizt, sollten Handwerker vorbeugen. „ Besonders bei Bildschirmarbeit ist Blendschutz wichtig, um komfortabel zu arbeiten und um Ermüdungserscheinungen vorzubeugen“, sagt Lichtexperte Jakobiak. Rollos oder Vertikalmarkisen halten stark blendendes Sonnenlicht draußen. Um den Raum lediglich vor einem zu hellen Himmel abzuschirmen, reicht ein teildurchlässiger Vorhang – zum Beispiel ein Rollo, das den Blick ins Freie nach wie vor ermöglicht.

Beim Blendschutz geht es in erster Linie um komfortable Sehbedingungen. Ein Sonnenschutz bewahrt den Raum dagegen vor Überhitzung, vor allem in den heißen Sommertagen. Darum ist er in der Regel außen angebracht, etwa in Form von Jalousien. Diese schützen zwar gleichzeitig auch davor, dass die Sonne in den Raum hineinblendet.

Ein zusätzlicher Blendschutz im Rauminneren hat allerdings den Vorteil, dass Handwerker sich auch im Winter vor Blendung schützen können, ohne auf die Sonnenwärme verzichten zu müssen. Von Sonnenschutzverglasungen rät Jakobiak dagegen stark ab. „Sie vermindern die Tageslichtnutzung permanent und halten Wärme und Licht auch im Winter ab.“

Künstliches Licht: Direkte und indirekte Beleuchtung kombinieren

Ja nach Tageszeit und Wetter fällt mal mehr und mal weniger Licht in die Arbeitsräume. Reicht das Tageslicht nicht mehr zum Arbeiten aus, ergänzt künstliches Licht selbstverständlich jeden Arbeitsplatz. Experten unterscheiden folgende künstliche Beleuchtungsarten:

  • Direkte Beleuchtung: Deckenleuchten, der Lichtstrahl fällt vertikal
  • Indirekte Beleuchtung: zum Beispiel Standleuchten. Strahlen Decke und Wände an und haben einen breiteren Leuchtkegel
  • Arbeitsplatzleuchte: zum Beispiel Tischleuchten, strahlen nur das Objekt an, an dem der Handwerker arbeitet.

Mitarbeiter sollten nicht nur den Gegenstand beleuchten, an dem sie gerade Arbeiten, sondern auch den Raum. Ideal ist daher eine Kombination aus direktem oder indirektem Licht und einer Arbeitsplatzleuchte.

Für Büroarbeitsplätze sind LED-Deckenfluter eine geeignete Alternative, sollte das verbaute Deckenlicht zu dunkel sein. Standleuchten mit einem nach oben und einem nach unten gerichteten Lichtstrahl erfüllen gleich zwei Funktionen in einem.

Im Trend: Moderne Lampen wirken wie Tageslicht

Ein Beleuchtungstrend, der sich immer mehr durchsetzt, ist das sogenannte „ Human Centric Lighting“, kurz HCL. Dabei handelt es sich um dynamische LED-Lampen, die den Tageslichtverlauf nachbilden. Die Leuchte passt ihre Farbtemperatur der Tageszeit an. „Die Qualität solcher LED-Leuchten wird immer besser und das Farbspektrum kommt dem Tageslicht immer näher“, beobachtet Ingenieur Jörg Przyborowski. Er ist Inhaber von „CAD.S Raum.Licht.Systeme“ und plant als Lichtexperte die Beleuchtung von öffentlichen sowie privaten und gewerblichen Bauten.

HCL-Systeme berücksichtigen den sogenannten zirkadianen Rhythmus, den biologischen Tages- und Nachtrhythmus des Menschen. So hat natürliches Licht tagsüber einen größeren Blauanteil, der dafür sorgt, dass Menschen munter sind. Abends hat natürliches Licht dagegen einen größeren Rotanteil, was wiederum dafür sorgt, dass der Körper das Schlafhormon Melatonin ausschüttet.

Effizienter arbeiten: Besseres Licht für bessere Arbeit

„Auch bei Schichtarbeitern sollte man diesen Rhythmus nicht unbedingt torpedieren“, warnt Przyborowski. Gerade Produktionsstätten und Schichtbetriebe setzen häufig Leuchten mit einem höheren Tageslichtanteil in der Lichtfarbe ein, um die Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern. „Damit kann man positive Effekte bewirken“, sagt der Lichtexperte. „Man hat mittlerweile aber herausgefunden, dass der Langzeiteinsatz Risiken für die Gesundheit des Mitarbeiters bergen kann.“ Fachleute helfen dabei, solche lichttechnischen Systeme optimal einzusetzen, ohne Langzeit-Risiken einzugehen.

Eine weitere Art der intelligenten Leuchten sind solche mit energieeffizienten Kontrollsystemen. Sie sind mit einem Bewegungsmelder ausgestattet. Ist ein Mitarbeiter in der Nähe, schalten sie sich ein. Verlässt der Handwerker den Raum, schalten sie sich nach einer Weile von selbst aus.

Exakte Lichtmessung ist Expertensache – Apps zu ungenau

Die Arbeitsstättenverordnung legt genau fest, welche Tätigkeit welche Lichtstärke (gemessen in Lux) erfordert. Feinmotorische Arbeiten benötigen nämlich eine hellere Beleuchtung als grobe Tätigkeiten. Handwerker lassen am besten einen Ingenieur oder Architekten nachmessen, ob die Beleuchtungsstärke in ihren Arbeitsräumen ausreicht. Denn Lichtmessung ist eine komplexe Angelegenheit, die fachliches Know-how und teures Equipment erfordert. „Handelsübliche, einfache Luxmeter oder Apps zur Lichtmessung sind meist zu ungenau“, sagt Przyborowski.

Wo genau Unternehmen ihre Beleuchtungsmittel anbringen und wie sie die Möbel und Arbeitsgeräte im richtigen Verhältnis zum Lichteinfall positionieren, sollte lieber ein Profi bestimmen.

Das Design spielt zu guter Letzt auch eine Rolle. „Heute geht es für Unternehmen auch darum, sich mit Licht zu präsentieren“, sagt Jakobiak. „Ein gutes Lichtkonzept zeichnet sich dadurch aus, dass es gestalterisch stimmig ist.“ Verschiedene Lichtfarben innerhalb eines Raumes sind laut Jakobiak zum Beispiel ein absolutes No-Go. Auch hier hilft ein Berater dabei, Fehler zu vermeiden.

 

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