Wirtschaft -

Ausbildung: Lehrlinge ohne Grenzen

„Da es keinen technischen Ausbildungsberuf für Sonderfahrzeugbau und -reparatur gibt, müssen wir die Fachleute dafür selbst schulen“, erklärt Manfred Kaufmann, der für die gewerblichen Auszubildenden in dem Betrieb mit 38 Mitarbeitern zuständig ist. Doch im dritten Lehrjahr hat Rafals Arbeitsleistung nachgelassen. „Mir fehlen noch die sozialen Kontakte, um die Sprache zu üben“, sagt er. Manfred Kaufmann nimmt sich viel Zeit für anspornende Gespräche und hofft, dass die offenbar von Heimweh getragene Krise vorübergeht.

Beratung ist wichtig

Zwei Beispiele aus dem Handwerk, die zeigen, dass Azubis aus den Nachbarländern größere Chancen haben, in deutschen Betrieben erfolgreich ausgebildet zu werden, als vielleicht Jugendliche aus Spanien und Portugal, wo das Heimweh eine größere Rolle spielen dürfte. Aber die Beispiele zeigen auch, dass Handwerksunternehmen Schwierigkeiten einkalkulieren müssen und sich beraten lassen sollten, wenn sie ausländische Azubis beschäftigen.

Handwerksunternehmer Manfred Eberweiser senior macht seinen Kollegen Mut. „Der ländliche Raum eignet sich besser, um Zug um Zug in einer fremden Kultur anzukommen“, sagt er. Sein Autohaus verfügt über eine lange Tradition in der Ausbildung von Ausländern. „Wenn sich einer bemüht, etwas zu lernen, dann sollte auch der deutsche Staat seinen Beitrag dazu leisten“, findet der Deggendorfer.

Das geschieht zum Beispiel über die Arbeitsagenturen. Joachim Ossmann, Leiter der Agentur für Arbeit in Schwandorf, verweist auf die Berufsausbildungsbeihilfe. Sie ist abhängig von der Bedürftigkeit des Antragstellers, für den die Mietkosten in der Regel das größte Problem sind. So sei es im grenznahen Raum eine Rechenaufgabe, ob es sich eher lohnt, in Tschechien bei den Eltern zu wohnen und zu pendeln oder in der Nähe des deutschen Ausbildungsbetriebes ein Zimmer zu beziehen, so Ossmann.

Die Sprache ist das Hauptproblem

Er trifft sich einmal im Jahr mit rund 250 Kollegen und Arbeitsmarktexperten aus Kammern, Ministerien, Kommunen und Bildungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich, Tschechien und der Slowakei. „Innerhalb unserer Regionen haben wir erkannt, dass wir nicht allein die Problemlöser sein können“, sagt Ludwig Rechenmacher von der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, der diese „Marienbader Gespräche“ initiiert hat. In der Tat scheinen noch am ehesten Sprachprobleme Barrieren zu bilden. Die Angebote, sie zu überwinden, gilt den grenzüberschreitenden Arbeits- und Ausbildungsvermittlern als oberstes Ziel. Den wichtigsten Beitrag leisten jedoch die Unternehmen, von denen sich die Experten eine Willkommenskultur wünschen. Beim Handwerk wird das schon erfolgreich umgesetzt.

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