Betriebsversicherung -

Bürgschaftsversicherung Aufträge ­richtig absichern

Mit einer Bürgschaftsversicherung können Sie Ihren Betrieb liquide halten. Aktuell buhlen gerade die Versicherer mit neuen Tarifen um neue Kunden. Eine gute Zeit zum Einstieg oder Wechsel.

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Malermeister Matthias Fritsch lehnt sich entspannt zurück. Bisher hatte er zwar noch nie eine Reklamation oder einen echten Streit aus Gewährleistungsansprüchen. „Ich bin da mit meinen Mitarbeitern höchst zufrieden“, so Fritsch, der vom sächsischen Naundorf aus die Region zwischen Dresden, Leipzig und Chemnitz „beackert“. Dennoch will er nicht auf Bürgschaftsversicherungen verzichten. „Sie sichern den Auftrag ab und sorgen dafür, dass wir liquide bleiben.“

Volle Absicherung

Empfehlenswert ist eine Vertragserfüllungs- und Gewährleistungsbürgschaft. Damit ist der gesamte Auftrag abgesichert und zwar vom Moment des Vertragsabschlusses bis zum Ende des Gewährleistungszeitraums. Die vereinbarte Auftragssumme kann vom Auftraggeber komplett bezahlt werden, ohne dass er das Risiko der Projektausführung und Gewährleistung selber tragen muss. Die Vertragserfüllungsbürgschaft sichert den Projektfortschritt ab. Die Gewährleistungsbürgschaft tritt nach Abnahme des Bauprojektes ein und gilt während der Gewährleistungsfrist. Für Bauwerke beträgt die Laufzeit vier Jahre, wenn der Vertrag auf Basis der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) geschlossen wurde. Nach reinem Zivilrecht gilt sogar eine fünfjährige Gewährleistungspflicht. In dieser Zeit darf der Auftraggeber als Sicherheit fünf Prozent der Bausumme einbehalten. In der reinen Bauphase sind es sogar zehn Prozent der üblichen Abschlagszahlungen. Für Verbraucher ist die Absicherung von Abschlagszahlungen seit Anfang 2018 ausdrücklich ins Zivilrecht aufgenommen worden (§ 650 m (2) BGB). Erst bei erfolgreicher Abnahme oder Übergabe der Leistung wird das einbehaltene Geld an die Handwerker gezahlt, die ohne Bürgschaft unterwegs sind. Damit schieben die nicht abgesicherten Unternehmen einen immer größer werdenden Berg Forderungen vor sich her.

Noch wenig verbreitet

Solche Betriebe sind keine Ausnahme. „70 Prozent der Handwerker, die bei mir anfragen, haben tatsächlich bisher weder über eine Bank noch über eine Versicherung einen Bürgschaftsrahmen eingerichtet“, wundert sich Holger Schnittker , Bürgschaftsexperte und Versicherungsmakler aus Steinfeld. Meist sind es kleinere Unternehmen mit weniger als zehn Angestellten. „ Hier stimmt oft das Controlling nicht“, schätzt Schnittker. Irgendwann würden die Meister dann merken, dass sie sehr hohe Außenstände haben: „Da stehen manchmal 40.000 Euro offen.“ Rund ein Drittel der Anfrager kommen von anderen Versicherern oder – seltener – von einer Bank. Meist soll dann der Bürgschaftsrahmen aufgestockt werden. Etwa weil die Kreditlinie bei der Bank ausgeschöpft ist oder die Versicherer keine Erhöhung mehr anbieten. Auch Existenzgründer können eine Bürgschaftsversicherung erhalten. Hier gibt es eine Gewährleistungsbürgschaft mit einem Gesamtrahmen von höchstens 50.000 Euro. Schnittker hält die Gewährleistungsbürgschaft für besonders wichtig. „Kurzfristige Kürzungen bei Abschlagszahlungen sind nicht so problematisch wie die fünf Prozent, die am Ende des Auftrags als Mängelsicherheit für fünf Jahre stehen bleiben.“

Viel Arbeit mit Kleinbürgschaften

Für Malermeister Fritsch nehmen die Forderungen nach Bürgschaften bei Kleinaufträgen im Augenblick Überhand. Beim Eigenheimbau ginge das oft vom Generalunternehmer aus. Obwohl der Auftragswert hier nicht selten nur zwischen 1.500 und 2.000 Euro liegt, werde eine unbefristete Bürgschaft verlangt. Fritsch: „Das ist in der VOB so gar nicht vorgesehen.“ Der Verwaltungsaufwand selbst für befristete Kleinstbürgschaften sei enorm hoch. Unbefristete Bürgschaften müssten ja auch noch zurückgefordert werden. Was bei Großaufträgen ab 100.000 oder 200.000 Euro sehr sinnvoll und wichtig ist, sei bei kleinen Aufträgen einfach nur eine Belastung des mittelständischen Handwerkers. Leider werde die Forderung nach einer Bürgschaft immer öfter als regelrechtes Druckmittel eingesetzt. „Andernfalls gibt es gar keinen Auftrag. Also müssen wir in den sauren Apfel beißen“, ärgert sich Fritsch. Glücklicherweise laufe die Kooperation mit sogenannten Bürgschaftsversicherungen sehr unproblematisch.

Banken problematisch

„Banken sind nach meiner Einschätzung keine Alternative. Die verlangen viel zu viele Daten. Da ist der Verwaltungsaufwand also noch erheblich höher“, so Fritsch. Sein Unternehmen arbeitet mit der VHV-Versicherung . Tatsächlich haben Versicherer den Banken längst den Rang abgelaufen. „Die große Nachfrage hat neben großen Assekuranzen auch Regionalversicherer auf den Plan gerufen“, bestätigt Makler Schnittker. Das große Problem der Banken: Beim klassischen Bürgschaftsvertrag reduziert jede von der Bank ausgestellte Bürgschaftsurkunde den vorhandenen Kreditspielraum, der dem Unternehmer zur Verfügung steht. Bei Gewährleistungsbürgschaften gilt das für bis zu fünf Jahre. Innerhalb dieser Zeit sammelt sich ein enormer Betrag an. Erst im sechsten Jahr entfallen die Bürgschaften des ersten Jahres. Dabei wird die Liquidität des Unternehmers erheblich eingeschränkt. „Das kann bis zu 20 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen“, rechnet die Versicherungskammer Bayern vor. Es ist daher auf jeden Fall sinnvoll, Bürgschaften auszulagern. „Die Versicherungsbürgschaften belasten die Kreditlinie der Hausbank und den Kontokorrentrahmen nicht“, bestätigt Klaus Blumensaat von der Versicherungsberatung Adversi aus Mühlheim. Damit würden das Firmenrating, der Spielraum für Skonto-Zahlungen sowie das Zinsergebnis verbessert. Weiterer Vorteil: Die Assekuranzen verlangen meist im Vergleich zu Banken weniger Sicherheiten. Für kleine Bürgschaftsrahmen von 50.000 Euro – und bei einigen Versicherern sogar bis 100.000 Euro – müssen meist gar keine Sicherheiten gestellt werden. Zudem gibt die feste Prämie den Unternehmen eine deutlich höhere Planungssicherheit.

Assekuranzen sehr aktiv

„Die Konditionen der Versicherer werden maßgeblich durch den Bonitätsindex des Unternehmens bei Creditreform beeinflusst“, erläutert Claus Rehse von der Signal-Iduna. Je besser der Index, desto besser die Konditionen. Bei Einsteigern muss das Unternehmen mindestens ein Jahr Bestand haben.

„Der Wettbewerb sorgt nun für günstige Konditionen“, sagt Ulf Papke, Geschäftsführer des Portals Buergschaft24.de. Die Prämien seien in den letzten vier Jahren kontinuierlich gefallen. Aktuell hat die Kölner Axa mit „Bonline M“ einen neuen Tarif auf den Markt gebracht und plant in diesem Jahr noch mehr. Das gilt auch für die Ergo aus Düsseldorf.

„Derzeit arbeiten die Versicherer mit Hochtouren an der Einführung einer elektronischen Bürgschaft, kurz „eBürgschaft“ genannt. Dann muss der Unternehmer zukünftig keine Bürgschaft mehr im Original abfordern und per Post versenden“, erklärt der Versicherungsmakler Ulf Papke von Buergschaft24 aus Münster.

Grundsätzlich rät Papke, die Konditionen regelmäßig zu vergleichen. Handwerker, deren Geschäft blüht, sollten statt bei einem Versicherer gleich bei zwei oder drei einen Bürgschaftsrahmen einrichten. „Damit umgeht man geschickt die Beschränkung auf ein Einzellimit“, erläutert der Versicherungsexperte. Wichtig ist eine gute Bonität im Index von Creditreform: „Die Assekuranzen machen im Kleinsegment Bürgschaftsversicherung in der Regel keine eigene Risikoprüfung, sondern nutzen hier pauschal den Index“, warnt Papke. Handwerker sollten sich daher frühzeitig mit guter Bonität über Bürgschaftspolicen absichern. Denn das beste Geld sei das auf dem eigenen Konto.

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