Vertragsrecht -

Aufträge gewinnen, sichern, abrechnen

Angebot - Wer seinen Kunden nicht gleich am Anfang ganz klare Konditionen und Preise nennt, programmiert Außenstände und Streit mit ein. Die wichtigsten Regeln im täglichen Geschäft.

Mit der Wirtschaftskrise ist auch die Sparsamkeit der Handwerkskunden gestiegen. „Erst den Auftrag erteilen, dann den Betrieb arbeiten lassen und hinterher mit vorgeschobenen Mängelrügen um die Rechnung streiten, diese Abfolge beobachten wir immer häufiger“, berichtet Stefan Kräßig, Justiziar der Handwerkskammer Karlsruhe. „Zum Teil aber“, das räumt er ein, „sind die Probleme hausgemacht.“ Wer nicht von A wie Angebot bis Z wie Zahlung klare Vereinbarungen mit den Kunden treffe, schaffe unnötiges Konfliktpotenzial. Damit das nicht passiert, ist hier der optimale Fahrplan für Handwerksbetriebe, um Aufträge zu gewinnen, zu behalten und vollständig bezahlt zu bekommen:

Angebot. Noch bevor der Kunde ein Angebot bekommt, über alle Details sprechen: Welche Leistung erwartet er zu welchem Preis? Bereits hier im Vorfeld sollte der Mitarbeiter im Betrieb Notizen zum Gespräch mit dem Kunden machen.


Preis. Beim Preis gibt es in der Praxis am häufigsten Streit. Die vier Varianten:

Stundenzettel. Der Preis wird nach tatsächlichem Material- und Zeitaufwand des Handwerkers berechnet. Die Zeit weist er mit Stundenzetteln nach, die der Kunde abgezeichnet hat.

Einheitspreis. Vor allem im Bau und Ausbau wird ein Leistungsverzeichnis aufgestellt, das Mengenangaben und Einheitspreise inklusive der Arbeitszeit enthält.

Festpreis. Hier wird der Preis pauschal festgelegt. Spätere Abweichungen sind schwer möglich. Nur wenn auf Wunsch des Kunden die ausgeführte Leistung von der vertraglich vorgesehenen erheblich abweicht, muss sich der Handwerker nicht mehr an den Preis halten.

Kostenvoranschlag. Dies ist eine ungefähre Preisschätzung des Handwerksbetriebs. Sie basiert zwar intern auch auf der Kalkulation, ist also nicht „über den Daumen gepeilt“. Anders etwa als Einheits- oder Festpreis, lässt aber das Angebot auf dieser Basis von vornherein Preissteigerungen zu. Zehn Prozent sind ohne Weiteres möglich. Die Gerichte haben sogar bis zu 28 Prozent zugelassen. Sobald diese Preissteigerung absehbar ist, muss sie dem Kunden mitgeteilt werden.


BGB oder VOB. Im Bau und Ausbau bietet der Handwerker den Vertrag entweder nach den Regeln des BGB oder der VOB an. Seit der BGB-Reform 2002 sind die Regeln weitgehend angeglichen. Die Handwerkskammern empfehlen, im Geschäft mit Privatkunden BGB-Verträge abzuschließen. Dies auch deshalb, weil die VOB allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) sind, die von den Gerichten gerade gegenüber Verbrauchern immer wieder kritisch überprüft werden. Wenn dennoch die VOB vereinbart wird, muss dem Privatkunden vor Vertragsschluss der VOB-Text ausgehändigt werden (gibt es im Abreißblock zum Beispiel beim Ernst Vögel Verlag).


Abschlagszahlungen. Vor allem bei teurem Materialeinsatz und länger laufenden Aufträgen empfiehlt es sich, Abschlagszahlungen ins Angebot aufzunehmen. Wie schon früher nach VOB sind die in der Praxis kurz „AZ“ genanten Teilzahlungen seit Anfang 2009 auch im BGB-Vertrag ohne Weiteres möglich. So werden etwa schon vor Beginn der Arbeiten für abgeschlossene Vorleistungen und auf die Baustelle geliefertes Material AZs verlangt. Das verbessert nicht nur die Liquidität des Handwerksbetriebes, sondern verringert auch das Risiko des Forderungsausfalls.

Auftrag. Erteilt der Kunde aufgrund des Angebots den Auftrag, ist der Werkvertrag geschlossen. Dies sollte unbedingt schriftlich festgehalten werden. Am einfachsten geht das mit einer Bestätigung des Kunden auf dem Angebot, die er an den Betrieb faxt oder mailt. So sichert sich etwa Stukkateurmeister Ralph Zehetmaier seine Aufträge (siehe Foto und Text).


Kündigung. Der Kunde kann den Werkvertrag bis zum Abschluss der Arbeiten jederzeit und ohne Angabe von Gründen kündigen. Allerdings muss er die bis dahin geleistete Arbeit bezahlen. Hinzu kommt der Aufwand, den der Handwerksbetrieb hat, wenn er seine Mitarbeiter nicht anderweitig einsetzen kann. In der Praxis sind hier nach BGB pauschal fünf Prozent des Teilpreises der Leistung zu berechnen. Das bedeutet etwa beim Auftrag über den Einbau von vier Türen zum Preis von 1000 Euro bei Kündigung nach Einbau der dritten Tür: 750 Euro plus fünf Prozent von 250 Euro, insgesamt also 762,50 Euro. Waren die Türen eine Sonderanfertigung für den Kunden, muss er den Materialpreis der vierten Tür übernehmen.

Bedenken, Mängel. Hat der Auftragnehmer schon während der Handwerksarbeiten Einwände, muss er sie dem Kunden sofort mitteilen, damit sie behoben werden können. In VOB-Verträgen muss die Bedenkenmitteilung schriftlich abgefasst werden, aus Beweisgründen ist dies auch bei BGB-Verträgen zu empfehlen. Erst später vom Kunden entdeckte und gerügte Mängel sollten umgehend beseitigt werden, um dem Kunden keinen Vorwand für eine verspätete Zahlung an das Unternehmen zu liefern.


Rechnung. Bei der Abrechnung arbeitet der Betrieb am besten mit der Kombination Abschlagsrechnungen (siehe oben) – Schlussrechnung. Die Schlussrechnung erstellt der Handwerksbetrieb nach der Abnahme. Hier sind zwei Punkte besonders wichtig und daher häufiger Streitanlass: Zum einen müssen die Rechnungen „prüffähig“ sein. Das spielt vor allem am Bau eine Rolle und bedeutet, dass der Bauherr (oder der Architekt) alle Punkte in der Rechnung so wie im Werkvertrag vereinbart nachvollziehen kann. Zum anderen bedeutet es, dass alle Pflichtangaben in Rechnungen, die nach dem Umsatzsteuergesetz vorgeschrieben sind, enthalten sein müssen (handwerk magazin 2/2010). Ist das nicht der Fall, können Auftraggeber die Zahlung verweigern.

harald.klein@handwerk-magazin.de

© handwerk-magazin.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen