Fördermittel -

Finanzhilfen für KMU Auf Staatskosten den Betrieb optimieren

Der Staat öffnet seine Schatullen für Handwerker und fördert so ­ziemlich alles, was dem Betrieb und der Umwelt hilft. Wer sich ­auskennt, erhöht seine Chance, die konditionsstarken, staatlichen Gelder zu bekommen. Wie Förderung und Beantragung funktionieren – plus einer großen Übersicht über die Förderprogramme für KMU.

Themenseite: Fördermittel

Man sollte schon selbstbewusst auftreten“, sagt Wolfram Schweickhardt, stellvertretender Pressesprecher der KfW Bankengruppe in Frankfurt. Die Situation, auf die er sich bezieht: Ein Handwerker in Kreditverhandlung mit seiner Bank und dem Wunsch, eine KfW-Förderung zu erhalten. Denn gelegentlich bekommen Kreditsuchende das Gefühl, die Beantragung eines Förderkredits sei wenig lohnend, ziemlich kompliziert und die Genehmigung insgesamt fraglich. Mit dem Argument, dass die Zinsen ja ohnehin und auch ohne KfW-Förderung besonders niedrig seien, wird die Antragstellung ohne Prüfung beiseite gewischt – zulasten der Unternehmer, denen Top-Konditionen verloren gehen.

„Tatsächlich ist fast jeder Bereich unternehmerischen Handelns förderfähig und die Hürden dafür sind nicht so hoch, wie oft behauptet“, findet Schweickhardt. Das Problem: Wer einen Kredit möchte, muss diesen über seine Hausbank beantragen. Ist der Bankberater nicht fit im Thema, wiegelt er ab, und der Kreditsuchende kann kaum gegenhalten, wenn er sich nicht im Vorfeld bereits gut informiert hat. Der Bankberater ist der Engpass, durch den Handwerker durch müssen. Nun bietet die KfW den Banken die Möglichkeit, über eine Vertriebs- und Serviceplattform online und in wenigen Minuten eine Entscheidung der KfW über die Förderfähigkeit eines Vorhabens zu erhalten. „Wir hoffen, dass damit der Weg zum Förderkredit einfacher und schneller wird“, sagt Schweickhardt.

Die Nachfrage nach finanzieller Unterstützung durch die KfW ist stark. Über 30 Prozent legte beispielsweise die Fördermittelnachfrage allein im Energieeffizienzprogramm innerhalb von zwölf Monaten zu: „Im ersten Halbjahr 2018 wurden hier 1.657 Kreditzusagen mit einem Finanzierungsvolumen von 3,4 Milliarden Euro erteilt. Im gleichen Zeitraum 2017 waren es mit 1.261 Zusagen in Höhe von 2,9 Milliarden Euro deutlich weniger“, so Schweickhardt. Zwar gebe es auch rückläufige Programme, doch insgesamt sei die Nachfrage steigend.

So wird gefördert

Rund 3.000 staatliche Förderangebote gibt es für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), Selbstständige und Freiberufler in Deutschland. Sie werden von der KfW, den Landesförderinstituten und der EU zur Verfügung gestellt. Je nach Programm können Handwerker zinsgünstige Kredite, Haftungsfreistellungen, Bürgschaften, Subventionen, Beteiligungskapital oder Zuschüsse beantragen.

Die Förderarten

Der KfW-Kredit hat meist niedrigere Zinssätze, längere Laufzeiten und einen späteren Beginn der Rückzahlung als ein kommerzieller Bankkredit. Wer die Antragsvoraussetzungen erfüllt und die durchleitende Bank überzeugt, erhält die gewünschte Summe. Kleine Einschränkung: Die Förderhöhe ist entweder prozentual an das Investitionsvolumen gebunden, oder es gibt einen Maximalbetrag, der als Kredit vergeben wird .

Zuschüsse gibt es nur bei einigen Programmen. Sie werden extra ausgewiesen und ausschließlich zur Tilgung des Kredits gewährt. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Aber Achtung: Der Topf für die Zuschüsse ist gedeckelt und unter Umständen bereits aufgebraucht: „In diesem Fall müssen wir unsere Zusagen stoppen“, erläutert Schweickhardt.

Subventionen beantragen Handwerker direkt bei den Förderbanken. Welche Bank zuständig ist, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unter foerderdatenbank.de/Foerder-DB/Navigation/foerderorganisationen.html aufgeführt. Es ist Aufgabe der dort genannten Institute, die möglichen Förderprogramme zu identifizieren und den Förderantrag zu begleiten und weiterzuleiten.

Haftungsfreistellungen oder Bürgschaften benötigen Handwerker, wenn sie nicht ausreichend Sicherheiten für einen normalen Bankkredit stellen können. Dies betrifft meist kleine Unternehmen, Gründer und junge Unternehmer, wie dem Handwerksbericht 2017 des Zentralverbands des Deutschen Handwerks zu entnehmen ist: „Kleine Handwerksunternehmen mit einem Jahresumsatz bis eine Million Euro sowie Gründer und junge Unternehmen haben vergleichsweise größere Probleme, ihre Vorhaben zu finanzieren“, ist dort nachzulesen. Förder- und Bürgschaftsbanken helfen.

Beteiligungskapital können Handwerker erhalten, um ihre Eigenkapitalbasis zu verbessern. Kapitalbeteiligungsgesellschaften stellen das Geld zur Verfügung und werden im Gegenzug am Gewinn beteiligt. Zuständig sind die Förderinstitute der Bundesländer, die EU und die KfW-Bankengruppe.

Im Dschungel der Angebote

Welches Förderinstitut und welches Förderprogramm das richtige ist, können Handwerker mithilfe der Homepage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (foerderdatenbank.de) ermitteln. Auch die meisten Landesförderbanken haben auf ihren Homepages einen Link, der beim Auffinden des richtigen Programms hilft und eine Erklärung des Genehmigungsprozesses liefert. Wem die Recherche zu aufwendig ist, dem bieten sich die Betriebsberater der Kammern und freie Fördermittelberater an. Letztere suchen das passende Programm, erstellen mit dem Handwerker den Antrag und gehen auf Wunsch auch mit zur Bank, damit die Antragstellung ganz sicher erfolgreich ist. Oftmals bieten sie auch eine Konzeptprüfung bei Gründern und das Prüfen alternativer Finanzierungsmöglichkeiten an, wie Crowdfunding und Factoring sowie die Erstellung einer Finanz-/Ergebnis- und Liquiditätsplanung.

Doch das kostet: Zwar sind Erstberatung und Fördermittelcheck meist gebührenfrei, doch dann wollen die freien Berater verdienen: Ihre Leistung kostet rund 2.500 Euro – oder deutlich mehr, je nach Umfang der genutzten Leistung.

Tipp: Die Kosten übernimmt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), bis zur Höhe von 90 Prozent. Fragen Sie Ihren Dienstleister, ob seine Leistung zuschussberechtigt ist und ob er die Antragstellung begleitet. Extratipp: Hören Antragsteller von ihrem Bankberater, dass sich die KfW-Förderung wohl nicht lohnt, da etwa beim Energie-Effizienzprogramm ein kostenpflichtiger Energieberater beauftragt werden muss, sollten sie gegenhalten: Das BAFA bezuschusst auch diesen Dienstleister.

Das wird gefördert

Gefördert wird eigentlich alles, was den Unternehmen oder der Umwelt hilft. Vom Ausbau von Produktionskapazitäten über Modernisierungs- und Energieeffizienzmaßnahmen, Gründung, Wachstums- oder Auftragsvorfinanzierung, Kosten der Unternehmensnachfolge, Leasingkosten für Maschinen bis hin zu Büroausstattung und Marketingmaßnahmen zur Absatzsteigerung und dafür benötigtes Personal. Wichtig: Handwerker müssen den Antrag stellen, bevor sie die Investition tätigen.

Notwendige Unterlagen

Die Fördermittel stammen aus Steuergeldern – ihre bestimmungsgemäße Vergabe muss belegt und dokumentiert werden. Deshalb verlangen die Banken von den Antragstellern je nach Förderart und Umfang Unterlagen zur finanziellen Situation des Betriebs und zur geplanten Verwendung der Fördergelder. Konkret: Jahresabschlüsse, betriebliche Auswertungen wie Einnahmen- / Überschussrechnung oder Bilanz, Aufstellung über Besitz- und Beteiligungsverhältnisse und Businesspläne müssen eingereicht werden. Dabei gilt: Umso höher das Antragsvolumen, desto größer die Anforderungen an die Unterlagen.

Die KfW arbeitet mit den Förderbanken der Bundesländer zusammen, oft sind die Förderaufträge beider Institute gleich. Wie wichtig die Rolle der Landesförderbanken ist, zeigen Zahlen: Rund 1,2 Milliarden Euro hat allein die für Bayern zuständige Landesförderbank LfA in den ersten neun Monaten dieses Jahres an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben. Otto Beierl, Vorstandsvorsitzender der LfA, erläutert: „Das Förderjahr 2018 verläuft weiter erfolgreich. Neben Energiemaßnahmen an gewerblichen Gebäuden stellen wir eine wachsende Nachfrage bei Investitionen in energieeffiziente Maschinen und Produktionsprozesse fest. Mit unseren Tilgungszuschüssen in der Energieeffizienzförderung von bis zu 18,5 Prozent haben wir deutliche Anreize für Investitionen des Mittelstands gesetzt.“

Oft ist die Kombination verschiedener öffentlicher Fördermittel sinnvoll. Hausbank, Kammerberater oder Fördermittelberater prüfen das. Tipp von KfW-Mann Schweickhardt: „Ich persönlich würde auf Referenzen und Qualifikation meines Gesprächspartners schauen. Es geht um wichtige Investitionen, Unternehmer sollten genau hinsehen.“

Fazit

Handwerker profitieren vom neuen Online-Tool für die Banken, wenn sie von ihrem Berater die Prüfung der Förderfähigkeit selbstbewusst einfordern. So sollte es zu mehr k onditionsstarken Finanzierungen für Betriebe kommen. Das ist wünschenswert, da eine der großen Herausforderungen der Zukunft nun mal Digitalisierung heißt – und die ist sowohl förderfähig, als auch teuer. Laut Mittelstandsbericht des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands ist im Handwerk der Nachholbedarf besonders groß. Keine andere Branche investiert weniger in die Digitalisierung als das Handwerk.

Weitere Downloads zu diesem Artikel
© handwerk-magazin.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen