Management -

Anerkennung für Spitzenleistungen

Unternehmerfrau des Jahres | Große Ehre für Ana Lado: Bei der Bundesfachtagung der Unternehmerfrauen im Handwerk erhielt sie für ihr vorbildliches wirtschaftliches und soziales Engagement ein Preisgeld in Höhe von 2500 Euro.

Und dann flossen doch Tränen. Lange hatte Ana Lado gegen ihre eigenen Gefühle gekämpft, die sie zu überwältigen drohten, aber schließlich gab sie den Widerstand auf und ließ ihren Emotionen freien Lauf. Dass sie mit feuchten Augen und stockender Stimme ihre Dankesworte bei der Preisverleihung im Wettbewerb Unternehmerfrau des Jahres im Handwerk kurz unterbrechen musste, verpatzte ihren Auftritt keineswegs. Ganz im Gegenteil: Als Ana Lado ihre Rede beendet hatte, erhoben sich die Anwesenden ergriffen von den Plätzen und spendeten ihr minutenlang stehenden Applaus.

Begeistert reagierten die mehr als 100 geladenen Gäste im Bildungszentrum Erkner bei Berlin auf eine Preisträgerin, die aus ihrem persönlichen Werdegang kein Geheimnis machte. Überzeugend schilderte sie, wie gerade Schicksalsschläge sie immer wieder motiviert hätten, weiter hart für den angestrebten Erfolg zu arbeiten. Das begann schon, als Ana Lado als Zehnjährige von ihrer Mutter aus der spanischen Heimat nach Deutschland geholt wurde und hier ein neue Sprache lernen musste. Das ging weiter, als sie sich gegen den Willen ihrer Eltern entschloss, Friseurin zu werden. Damals nahm sie sich vor, das Image dieses Berufs nachhaltig zu verbessern. Und ihre Zähigkeit zahlte sich erneut aus, als sie von der Bank kein Geld für den weiteren Ausbau ihres Unternehmens erhielt, da die Kreditsachbearbeiter ihr Konzept als wenig tragfähig beurteilten. Die Friseurmeisterin setzte alles ein, was sie hatte, expandierte ohne Hilfe des Geldinstituts und stand bereits drei Jahre später glänzend da. Die Banker gratulierten ihr natürlich zu diesem Erfolg und hofften auf eine lukrative Geschäftsbeziehung. „Was glauben Sie, bei welcher Bank ich heute bin?“, fragte Ana Lado die Zuhörer und gab gleich selbst die Antwort: „Nicht mehr bei dieser.“ Die anwesenden Unternehmerfrau quittierten den erfrischenden Mut zum Risiko und zum offenen Wort ebenso mit Beifallsstürmen, wie sie an anderen Stellen der bewegenden Rede ergriffen geschwiegen hatten.

Ebenfalls auf große Zustimmung stieß, wie ausdrücklich die Unternehmerfrau im Handwerk 2007 ihren Mitarbeitern dankte, die sie teilweise auch zur Preisverleihung begleitet hatten. „Eigentlich wollte ich alle 26 mit hierher bringen, das ganze Team“, so Ana Lado, „aber dann hat die Unternehmerin in mir Überhand gewonnen, denn morgen ist Samstag, und an so einem umsatzstarken Tag kann ich meine beiden Salons nicht zumachen.“ Ihren Beschäftigten zollte sie Respekt, indem sie ihnen für die rückhaltlose Unterstützung im Tagesgeschäft dankte und ein Foto des Teams an die Wand projezierte. Auch damit traf Ana Lado den Nerv der Anwesenden, die alle wissen, wie wichtig motivierte und qualifizierte Beschäftigte für das Fortkommen eines Unternehmens sind. „Das ist wirklich eine würdige Preisträgerin“, war deshalb beim anschließenden Empfang immer wieder zu hören.

Zuvor hatte Karin Peters, Jury-Mitglied und Landesvorsitzende der nordrhein-westfälischen Unternehmerfrauen im Handwerk, die unternehmerische Leistung sowie das soziale Engagement der Friseurmeisterin Ana Lado aus Arnsberg im Sauerland ausführlich gewürdigt. Sie schilderte, wie die Preisträgerin nach der Meisterprüfung zunächst Salonleitung in einem Kettenbetrieb war und dann den Sprung in die Selbständigkeit wagte, wie sie ihren Namen zu einer regionalen Marke aufbaute und wie sie mit einer vorbildlichen Kombination aus Qualität und Kreativität immer mehr begeisterte Stammkunden gewann. Auf besonderes Interesse der Zuhörer stieß die Schilderung, wie konsequent Ana Lado ihren Betrieb organisiert, ihre Mitarbeiter qualifiziert und innovative Ideen erfolgreich umsetzt, beispielsweise mit Gründung eines neuen Salons mit Wellness-Charakter im Verbund mit einer Parfümerie, was die Zufriedenheit der Kunden deutlich erhöhte und die Umsätze beflügelte. Lobende Erwähnung fand auch, das die Unternehmerin beispielsweise Kinderheime unterstützt, ohne das an die große Glocke zu hängen, und sich für eine bessere Ausbildung der beruflichen Nachwuchses engagiert, indem sie sich bei diesen Themen in der Handwerksorganisation voll einbringt. Ein detailliertes Porträt über Ana Lado hat handwerk magazin bereits in der September-Ausgabe veröffentlicht.

Nach der Laudatio von Kain Peters überreichte handwerk magazin-Chefredakteur Frank Wiercks der Preisträgerin einen Scheck über 2500 Euro für eine Urlaubsreise sowie eine Siegerurkunde und einen großen Blumenstrauß. Zuvor hatte er, auch im Namen des an diesem Abend verhinderten handwerk magazin-Verlegers und Jury-Mitglieds Alexander Holzmann, die Verbundenheit des einzigen bundesweit erscheinenden, Branchen übergreifenden Wirtschaftsmagazins für Handwerksunternehmer mit den Frauen in den mehr als 900000 deutschen Handwerksunternehmen betont. In seiner Rede wies der Chefredakteur nicht nur auf die überragenden Leistungen vieler Unternehmer- und Meisterfrauen in den Familienbetrieben im Handwerk hin, die durch den Wettbewerb gewürdigt werden sollten. Er betonte auch noch einmal, dass trotzdem Umbenennung des Titels von „Meisterfrau des Jahres“ in „Unternehmerfrau des Jahres im Handwerk“ neben dem unternehmerischen Erfolg einer Kandidatin weiterhin ihr soziales und gesellschaftliches Engagement wichtig bleibe. Immerhin zeichne sich das Handwerk dadurch aus, dass es nicht nur um Zahlen, sondern auch um Menschen gehe.

Diesen Umstand betonte auch Ernst Hinsken, der als Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus und dem Handwerk über Jahre eng verbundener Parlamentarier die Festrede hielt. Hinsken hob die große Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs für den Standort Deutschland hervor und lobte seine überragende Ausbildungsleistung. Den Zuhörern versprach er, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht in ihren Reformbemühungen nachlassen werde, um auch den kleinen und mittleren Betrieben bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Hinsken forderte aber auch die Unternehmer auf, sich zu bewegen, um neue Marktchancen zu nutzen und permanent an der Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition zu arbeiten. Hier gelang ihm leicht der Brückenschlag zur Preisträgerin Ana Lado, die vorbildlich zeige, wie man in einer harten Wettbewerb gekennzeichneten Branche mit Ideen und Engagement zum regionalen Champion aufsteigen könne, der seine eine Preise durchsetzen kann, statt sie senken zu müssen.

Voll des Lobes über die Preisträgerin war auch Willi Hesse, Präsident der Handwerkskammer Südliches Westfalen in Arnsberg, der extra den langen Weg nach Berlin auf sich genommen hatte, um der Zeremonie beizuwohnen und Ana Lado auf diese Weise seinen Respekt zu zollen. Er wünschte sich mehr Unternehmerinnen vom Schlage einer Ana Lado und bezeichnete sie als Vorbild, an dem sich jeder ein Beispiel nehmen könne. Dieser Einschätzung konnten die Gäste nur zustimmen.

frank.wiercks@handwerk-magazin.de

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