Management -

Interview „Alles eine Frage der Organisation“

hm: Ändert sich der Zeitbegriff überhaupt?

Seiwert: Der Tag hat natürlich immer gleich viele Stunden und Minuten, doch das Empfinden der Menschen also die gefühlte Zeit hat sich in den letzten zehn Jahren maßgeblich gewandelt. Alles ist schneller und komplexer geworden.

hm: Woran liegt das?

Seiwert: Die moderne Informationstechnologie hat die Prozesse enorm beschleunigt und auch die Erwartungshaltung immer weiter nach oben geschraubt. Genügte früher bei einer Mail eine Reaktionszeit von einem Tag, bekommt man heute oft schon nach einer halben Stunde einen Anruf, ob man denn die Mail nicht gelesen hätte.

hm: Wie können Unternehmer dem wachsenden Zeitdruck begegnen?

Seiwert: Das ist vor allem eine Frage der Einstellung und der Organisation. Leider gibt es hier nach meiner Erfahrung im Handwerk großen Nachholbedarf. So ist es längst noch nicht selbstverständlich, Kundentermine und Leistungen wie vereinbart einzuhalten beziehungsweise zu erbringen.

hm: Wo liegen die Ursachen dafür?

Seiwert: Oft fehlt etwa die Bereitschaft, Dinge aufzuschreiben. Das muss ich aber tun, um alle mit einem Kunden getroffenen Absprachen korrekt einhalten zu können.

hm: Was sind die typischen Fehler im Alltag?

Seiwert: Grundproblem Nummer eins ist, keine Prioritäten zu setzen. Wenn ich den ganzen Tag zugeschüttet bin mit Nebensächlichkeiten, fehlen mir Zeit und Energie für die wirklich wichtigen Aufgaben wie etwa Kundenakquise. Die Zeit an sich können wir nicht managen, die ist begrenzt; deshalb müssen wir uns auf das Wesentliche konzentrieren.

hm: Was empfehlen Sie Unternehmern mit Schwächen im Selbstmanagement?Seiwert: Es ist ja nicht schlimm, Schwächen in der Organisation zu haben. Die Unternehmer müssen dies nur erkennen und Möglichkeiten zur Verbesserung suchen. Etwa eine Teilzeitkraft zur Terminkoordination einstellen und Software oder Zeitplanbuch konsequent nutzen. Hilfsmittel gibt es genügend, doch um diese sinnvoll einzusetzen, muss die Einstellung stimmen.

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