Einkommensteuern -

Änderung der Rechtsprechung: Nur eine oder gar keine Arbeitsstätte

Mitarbeiter, die von ihrem Betrieb an mehreren Tätigkeitsorten eingesetzt werden, können sich freuen. Der Bundesfinanzhof hat in mehreren Urteilen entschieden, dass ein Arbeitnehmer nur eine einzige oder gar keine regelmäßige Arbeitsstätte hat (Az. VI R 55/10; VI R 58/09; VI R 36/10).

Diese Vorteile winken durch die neue Rechtsprechung :

Betreut ein Arbeitnehmer mehrere Filialen oder wird er an mehreren Tätigkeitsorten eingesetzt, befindet er sich auf einer beruflichen Auswärtstätigkeit, wenn er Orte oder Einrichtungen aufsucht, die keine regelmäßige Arbeitsstätte sind. Das hat steuerlich folgende Konsequenzen:

* Für Fahrten zu Tätigkeitsorten, die keine regelmäßige Arbeitstätte darstellen, dürfen sämtliche Fahrtkosten als Werbungskosten abgezogen werden. Bei Benutzung des eigenen Fahrzeugs sind das 30 Cent je gefahrenem Kilometer.

* Der Arbeitnehmer kann Verpflegungsmehraufwendungen von 6/12/24 Euro bei einer Abwesenheit von zu Hause und von der regelmäßigen Arbeitsstätte von mindestens 8/14/24 Stunden abziehen.

* Alternativ kann der Arbeitgeber die auf der beruflichen Auswärtstätigkeit angefallenen Kosten steuer- und abgabenfrei erstatten.

* Nutzt ein Arbeitnehmer für berufliche Fahrten einen Firmenwagen, muss er dafür keinen geldwerten Vorteil versteuern.

Definition der regelmäßigen Arbeitsstätte

Eine regelmäßige Arbeitsstätte hat ein Arbeitnehmer dort, wo er die wesentlichen Arbeiten verrichtet. Hat keiner der vom Arbeitnehmer aufgesuchten Tätigkeitsorte eine hinreichend zentrale Bedeutung, hat der Arbeitnehmer gar keine regelmäßige Arbeitsstätte. Dann befindet er sich im Rahmen seiner Berufsausübung ständig auf einer Auswärtstätigkeit.

Tipp: Arbeitgeber und Arbeitnehmer können bei Zweifeln zum Werbungskostenabzug oder zur lohnsteuerlichen Behandlung solcher Reisekosten beim Finanzamt eine kostenlose Anrufungsauskunft nach § 42e EStG einholen. So stehen sie steuerlich immer auf der sicheren Seite. Es wird ein klarstellendes Schreiben des Bundesfinanzministeriums erwartet. Wir informieren Sie, wenn das Infoschreiben veröffentlicht wird.

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