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Insolvenzvermeidung Messebau und Eventbranche: 6 Tipps gegen die Insolvenz durch Corona-Verluste

Die Corona-Krise trifft alle Unternehmer im Handwerk, besonders aber diejenigen, die eng mit der Messe- und Eventwirtschaft zusammenarbeiten. Welche Möglichkeiten haben sie, Verluste zu begrenzen und sich gegen weitere Schocks abzusichern? Die wichtigsten sechs Tipps zur Vermeidung der Insolvenz.

Topic channels: TS Messen und TS Coronavirus

So etwas hat Denny Sekora noch nie erlebt. Seit zehn Jahren leitet er mit Geschäftspartner Maik Freder das Messebau-Unternehmen „Harnisch creativ planning“ in Wittenberg. Mit einem zwölfköpfigen Team plant, baut und montiert er Messestände. Eigentlich wäre jetzt gerade Hochsaison für die Handwerker aus Sachsen-Anhalt. Allein im März hätten sie zwölf verschiedene Stände für acht Messen im ganzen Bundesgebiet fertigstellen und liefern sollen. „Jetzt stehen im Auftragsbuch: null Messen für den März. Und eine kleine Ersatzveranstaltung im April“, berichtet Sekora. Sein eigenes Team, die Zulieferer und Subunternehmer für Transport und Spedition, die er beauftragt hatte: Alle stehen ohne Arbeit da.

Auch Bäcker und Fleischer leiden unter Corona-Absagen

Messebauer wie Sekora zählen zu den vom Corona-Schock am heftigsten betroffenen Unternehmen im Handwerk. Ähnlich stark trifft es auch Lebensmittelhandwerker wie Bäcker und Fleischer, die sich auf Catering-Dienstleistungen für Messen und andere große Events spezialisiert haben. Seit Ende Februar brach ihnen das Geschäft in nie zuvor dagewesenem Ausmaß weg: Wurden zunächst nur Großevents wie Messen mit mehreren tausend Besuchern abgesagt, liegt inzwischen das öffentliche Leben fast überall in der Republik und auch in den europäischen Nachbarländern lahm. „Innerhalb einer Woche fiel die Auftragslage von 100 auf unter fünf Prozent“, berichtet Messebauer Sekora.

Wie können sich Handwerker absichern?

Die Betriebe haben schnell in den Krisenmodus umgeschaltet und versuchen, den Schaden zu begrenzen und den Schock zu verarbeiten. Nun fragen sich viele Handwerker: Wie geht es weiter? Wie können sie sich gegen weitere Umsatzeinbrüche im Verlauf der Pandemie absichern? Was, wenn die erste Erkrankungswelle abebbt – nur um dann im Herbst oder im nächsten Jahr wiederzukommen?

Wie lassen sich langfristig vernünftige Lösungen finden, um weiteren finanziellen Schaden zu vermeiden – ohne dabei das Verhältnis zu Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern aufs Spiel zu setzen? „Das Problem ist, dass wir derzeit nicht wissen, wie lange das öffentliche Leben stillstehen wird – und ob womöglich auch der kommende Herbst oder gar die nächste Messesaison im kommenden Jahr ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wird“, fasst Jan Kalbfleisch, Chef des Verbands der Messebauunternehmen (FAMAB), die Lage zusammen.

Ende Mai 2020 beträgt der Schaden für Messebauer und Cateringfirmen in Deutschland knapp 3,6 Milliarden Euro. „Wir müssen unbedingt verhindern, dass die Schäden noch weiter steigen“, sagt Kalbfleisch. Sonst stünden viele Unternehmen vor dem Aus.

1. Nicht auf Versicherer verlassen

Sind Versicherungen eine Lösung? „Das fragt derzeit jeder“, winkt Kalbfleisch leicht genervt ab. „Als hätten es die Unternehmer nur versäumt, sich vernünftig zu versichern.“ Tatsächlich gibt es zwar spezielle Versicherungen gegen Geschäftsausfälle, sogar solche gegen Epidemien oder gegen einzelne Krankheiten. „Aber diese Versicherungen sind sehr teuer und sehr spezifisch – oft zahlen sie dann am Ende doch nicht, weil irgendein Kriterium nicht erfüllt wurde.“ Für mittelständische Unternehmer wie Messebauer und Caterer seien diese Versicherungen nicht bezahlbar. Kalbfleisch will das in Zukunft ändern: „Wir sind in Kontakt mit unseren Versicherungsberatern und arbeiten daran, bessere Versicherungsangebote zu entwickeln, die wir in Zukunft zum Beispiel als Verband unseren Mitgliedern anbieten könnten.“

Für die nächsten Monate, vielleicht auch die nächsten Jahre, werde eine solche Versicherungslösung für Messebauer und Caterer aber wohl kaum zustande kommen, stellt Kalbfleisch klar. „Das ist so, als würde man versuchen, ein brennendes Haus zu versichern.“ Also: unmöglich. „Versicherungslösungen für künftige ähnliche Ereignisse sind etwas für die Post-Corona-Phase.“

Auch Messebauer Sekora hat schnell herausgefunden, dass er von seinen Versicherern nicht viel Unterstützung zu erwarten hat: „Betriebsunterbrechungsversicherungen oder Versicherungen gegen den Ausfall von Veranstaltungen verweisen auf höhere Gewalt und zahlen nicht“, sagt er. „Von unseren Versicherungen würden wir wohl ohnehin höchstens ein paar Euro der Ausfallkosten für gebuchte Hotels zurückbekommen.“ Dafür aber lohne es sich nicht, sich mit den Versicherungskonzernen zu streiten, findet er.

2. Besser kein Rechtsstreit mit den Kunden

Als konkrete Absicherung gegen weitere Verdienstausfälle kann Verbandschef Kalbfleisch Handwerksunternehmen derzeit nur empfehlen, bei der Vertragsgestaltung mit Kunden konkrete Regelungen für den Fall weiterer Event-Ausfälle zu finden. „Man sollte, wie bisher auch schon, möglichst klare und frühe Zahlungszeitpunkte für Teil- und Vorleistungen vereinbaren“, sagt Kalbfleisch. „Beim Vertragsabschluss sollte man die Möglichkeit weiterer Eventausfälle dabei klar ansprechen und schon im Vorfeld klären, wie man im Fall der Fälle vorgehen will.“

Denn in der aktuellen Krise zeige sich: „Es will keiner seine Kunden verprellen. Deshalb legen Messebauer und Caterer ihre Verträge oft sehr kulant aus und akzeptieren zähneknirschend hohe Verluste“, beobachtet Kalbfleisch. In vielen Fällen hoffen die Handwerker darauf, dass Veranstaltungen doch schon bald nachgeholt werden können, wenn die Pandemie-Welle abebbt. Dann wollen sie mit den Ausstellern wieder eng zusammenarbeiten – und sie daher jetzt nicht mit hohen Ausfallpauschalen verschrecken. „Zurzeit können sich viele Betriebe solch kulante Lösungen in einem gewissen Maß erlauben. Wir kommen aus guten Jahren und die Branche hat sich vorausschauend gut aufgestellt“, sagt Verbandschef Kalbfleisch. Diese Polster seien nun aber schnell aufgebraucht.

3. Finanzielle Löcher mit Staatshilfe stopfen

Die aktuellen staatlichen Krisenhilfen können die Löcher in den Unternehmensbilanzen nicht vollständig füllen: „Der Staat stellt bislang ja keine direkten Nothilfen zur Verfügung, sondern nur Kredite“, sagt Kalbfleisch. Besser als nichts, aber: „Was haben die Unternehmen davon, wenn sie dann nach der Corona-Krise bis über beide Ohren verschuldet sind?“ Die finanzielle Situation vieler Betriebe werde in den kommenden Monaten und Jahren mindestens angespannt sein. „Deshalb müssen die Unternehmen in Zukunft finanziell noch besser planen und kalkulieren und sich gegen weitere Ausfallrisiken so gut es geht vertraglich absichern.“

4. Auf Solidarität in der Branche setzen

Unterm Strich allerdings gilt: „Eine hundertprozentige Sicherheit, dass man in Zukunft aus solchen Situationen schadensfrei rauskommt, gibt es nicht“, sagt Silvia Bauermeister, Rechtsexpertin des deutschen Messeverbandes AUMA. „Es wird nie die eine perfekte Versicherung geben oder die eine rechtliche Vereinbarung im Vertrag, die einen vor so etwas Unvorhersehbarem wie der Corona-Krise bewahren kann“, sagt sie. Für die Messen selbst, die Handwerker und auch für die anderen von der Eventbranche abhängigen Branchen wie Gastronomie und Hotels gelte: „Am Ende bleiben alle Beteiligten auf ihrem jeweiligen Schaden sitzen.“ Man könne nur versuchen, sich in der Branche gegenseitig zu unterstützen, pragmatisch gemeinsame Lösungen zu finden, und auf bessere Zeiten hoffen.

5. In anderen Branchen Ersatzaufträge suchen

So hält es auch Messebauer Sekora. Er hat für die nächsten Wochen zunächst eine pragmatische Lösung gefunden, um die Verluste zu minimieren: „Meine Mitarbeiter übernehmen jetzt kleinere, leichte Trockenbau- und Montagearbeiten auf Baustellen in der Region.“ In der Bauwirtschaft laufe das Geschäft bislang noch weiter. Das nutzt der Messebauer, um an Ersatzaufträge jenseits seiner eigenen Branche zu kommen. So will er möglichst lange den Schritt herauszögern, Kurzarbeit anzumelden oder gar Mitarbeiter entlassen zu müssen. Womöglich könnte es für Messebauer wie ihn in Zukunft auch generell sinnvoll sein, sich in anderen Branchen ein zweites Standbein aufzubauen.

6. Langfristig planen und kalkulieren

Für die Zukunft wünscht sich der Messebauer vor allem mehr Planungssicherheit und schnellere, klarere Entscheidungen der Politik, an denen sich die Unternehmer orientieren können. Denn bislang gilt: Wie das Geschäft im April und Mai und dann zu Beginn der nächsten Messesaison im Herbst weitergeht, ist für Sekora und andere von der Eventwirtschaft abhängige Handwerker kaum abzusehen. „Wenn die Politiker frühzeitig gesagt hätten: So, für die nächsten zwei oder drei Monate gibt es grundsätzlich keine Events – dann hätten wir nicht die ganze Zeit auf heißen Kohlen sitzen und die kurzfristigen Absagen von Woche zu Woche abwarten müssen.“ Das hätte das Krisenmanagement erleichtert.

Bislang entstandener Schaden im deutschen Messebau durch die Corona-Pandemie:

abgesagte Messen 98
finanzieller Schaden in Milliarden 3.576
gefährdete Arbeitsplätze 500.000

Quelle: FAMAB e.V., 26. Mai 2020

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