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Wirtschaftsverbände in Baden-Württemberg: Absicherung der Kreditversorgung gefordert

Eine Regulierung mit Augenmaß, mehr Verständnis für kleinere und mittelgroße Unternehmen und die Sicherung der Kreditfinanzierung des Mittelstands – das sind zentrale Forderungen der Wirtschaftsverbände in Baden-Württemberg an Brüssel.

Themenseite: Kapitalmarkt

Die vier großen Dachverbände der Wirtschaft in Baden-Württemberg, der Handwerkstag (BWHT), der Industrie- und Handelskammertags(BWIHK), der Genossenschaftsverband (BWGV) und der Sparkassenverbands (SVBW) haben sich zusammengetan, um sich zur Zukunft der Kreditversorgung des Mittelstands zu äußern.

In einem Positionspapier unter der Überschrift „Mittelstand stärken – Kreditfinanzierung sichern – Finanzmarktregulierung anpassen“ wenden sie sich mit konkreten Forderungen an die politisch Verantwortlichen in Stuttgart, Berlin und Brüssel. Dabei geht es um die zukünftige Regulierung des Finanzmarkts, um die Sicherung der bankgestützten Kreditfinanzierung des Mittelstands und um die künftige Einlagensicherung.

Brüssel berücksichtigt Interessen der KMUs zuwenig

„Wir haben uns zu dieser gemeinsamen Initiative entschlossen, da wir überzeugt sind, dass insbesondere in Brüssel das deutsche Erfolgsmodell der kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die auf langlaufende Bankkredite ihrer Hausbanken setzen können, zu wenig berücksichtigt wird“, so die vier Präsidenten Rainer Reichhold (BWHT), Dr. Peter Kulitz (BWIHK), Roman Glaser (BWGV) und Peter Schneider (SVBW) bei der Präsentation des Papiers in den Räumen des Baden-Württembergischen Handwerkstags in Stuttgart. „Mit dem Positionspapier wollen wir insbesondere die Politik und die EU-Kommission dazu auffordern, die nationalen, sehr erfolgreichen Unterschiede nicht mit dem Rasenmäher wegzumähen. Das ist auch eine der zentralen Lehren aus der Brexit-Entscheidung in Großbritannien.“

Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold betont die Bedeutung der Kredit­finanzierung für das Handwerk in Baden-Württemberg: „Ein breites Angebot an Finanzdienstleistungen ist der Idealfall, aber es muss sich am Bedarf orientieren.“ Für einen durchschnittlichen Handwerksbetrieb komme eine Kapitalmarktfinanzie­rung in aller Regel nicht in Frage.

Handwerk braucht starke Regionalbanken

Reichhold: „Unsere Betriebe brauchen starke regionale Banken, die sich in den Gegebenheiten eines regional verwurzelten Handwerks auskennen. Sie brauchen Firmenkundenbetreuer, die ihre Sprache sprechen.“ Seit jeher sei die klassische Finanzierung über Bankkredite die wichtigste Finanzierungsquelle für kleine und mittlere Betriebe. Sie dürfe deshalb im Rahmen der Kapitalmarktunion nicht geschwächt, sondern müsse im Gegenteil gestärkt werden.

Zum Schluss des Positionspapiers fordern die vier Verbände auch die nationale Eigenständigkeit der Einlagensicherung. „Wir lehnen gemeinsam die Pläne der EU-Kommission zur Schaffung eines vergemeinschafteten Systems der Einlagensicherung in Europa ab“, so Sparkassenpräsident Peter Schneider.

„Sparkassen und Genossenschaftsbanken bieten mit ihrer Institutssicherung den besten Schutz innerhalb der gesamten EU. Da ist es weder im Interesse der Unternehmen, noch der Privatkunden, die bisher zurückgelegten Mittel für die Absicherung der Spargelder in einen großen europäischen Topf zu werfen. Ohne die hohe Sicherheit der Ersparnisse wäre die Stabilität der Wirtschafts- und Finanzierungskreisläufe gefährdet.“

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