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Strategieberatung Voll auf Zukunft eingestellt

Die Beratungen der Handwerkskammern führen aktuell ein neues Analyse-Werkzeug ein: Es soll Betrieben die Chancen der Digitalisierung deutlich machen. handwerk magazin organisierte einen ersten Probelauf.

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Also, ich würde in jedem Fall wiederkommen“, stellt Stafen Windisch am Spätnachmittag fest. Über vier Stunden hat der Dachdeckermeister und Industrie-Kletterer aus Hemmingen im Süden von Hannover, Fragen zu seinem Betrieb beantwortet. Er ließ sich die Hintergründe für die Fragestellungen erläutern und diskutierte mit den Forschern und mir deren Relevanz für Handwerksunternehmer.

Seit halb elf am Vormittag sitzen wir in einem Besprechungsraum im Souterrain des Heinz-Piest-Instituts für Handwerkstechnik, kurz HPI, in der Nähe der Leibniz Universität Hannover. Das HPI ist eines der fünf Forschungsinstitute der Handwerksorganisation. Mit dabei sind Diplom-Ingenieur Walter Pirk und Karen Bartelt, beide vom HPI.

Big-Data im Handwerk

Die rund 40 Fragen bilden ein neues Analyse-Werkzeug, das seit Anfang März – und erstmalig auf der diesjährigen Internationalen Handwerksmesse IHM – von den Betriebsberatungen der 53 Handwerkskammern eingesetzt werden soll. Es soll Betrieben wichtige Handlungsfelder und Chancen der Digitalisierung aufzeigen.

Mit dieser ersten Analyse soll der Handwerksunternehmer dann zur Vertiefung und Umsetzung an eines der vier digitalen Kompetenzzentren „überwiesen“ werden. Jedes Zentrum verfügt über einen anderen Schwerpunkt: Um Informations- und Kommunikationstechnologien kümmert man sich im Zentrum Nord in Oldenburg/Niedersachsen, um neue IT-gestützte Geschäftsmodelle im Zentrum Ost in Dresden, im Zentrum West in Koblenz wird digitales Prozessmanagement vertieft und in Bayreuth das Thema digitale Produktionstechnologien.

Entwickelt wurde der Analyse-Dialog in den vergangenen zehn Monaten zusammen mit den Kammerberatern und Digitallotsen. Jetzt, Anfang Februar, ist man beinahe fertig. Es wird noch ein wenig an den Fragestellungen geschliffen und eine digitale Plattform zur Erfassung der Daten realisert. Wir dürfen das Analyse-Werkzeug schon einmal in Augenschein nehmen und konnten Unternehmer Windisch dafür gewinnen.

Die Fragen beginnen mit Betriebsdaten wie Gewerk, Standort, Umsatz und Mitarbeiter. „Das ist wichtig“, erklärt Walter Pirk. Setzen erst einmal alle Kammerberatungen in Deutschland das Analyse-Werkzeug ein, kommen schnell viele Fälle zusammen. Und daraus lassen sich dann etwa betriebsgrößenabhängige oder gewerkspezifische Trends und Benchmarks erkennen: Big-Data im Handwerk.

Individuelle Chancen erkennen

Die Fragen zur Strategie gliedern sich in vier Kapitel: 1. Kunden und Lieferanten, 2. Geschäftsmodelle, 3. Prozesse, 4. Mitarbeiter und IT-Sicherheit. In der ersten Gruppe geht es etwa um den Einsatz digitaler Lösungen zur Erschließung neuer Kundensegmente oder der digitalen Erfassung und systematischen Auswertung von Kundendaten. Bei „Prozesse“ wird abgefragt, ob aktuelle Technologien wie 3D-Druck, Datenbrille oder Robotik verwendet werden oder sich externe Ressourcen digital in den Betrieb einbinden lassen.

Jede Frage wird dabei aus zwei Perspektiven betrachtet. Die erste: Welche Situation herrscht im Betrieb vor? Die zweite: Welches Potenzial hat das jeweilige Thema für den Betrieb – heute und in Zukunft? Führt man beide Ergebnisse zusammen, erkennt man, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht: Nämlich dort, wo hohes Potenzial vohanden ist, der Betrieb aber schlecht aufgestellt ist. Diese Fragen hinterlegt Walter Pirk in der Excel-Tabelle auf seinem Laptop mit Rot.

Handlungsbedarf wird aufgezeigt

Das Ergebnis für die Firma Windisch: Handlungsbedarf bei individuellen, digitalen Dienstleistungen, der Integration externer Ressourcen, bei Mitarbeiterschulungen und Kundenbewertungstools. Der Dachdeckermeister nickt: „Das trifft auf meinen Betrieb zu!“

In der Diskussion stellt sich später heraus, dass die Überarbeitung der Website wegen geringer Suchmaschinensichtbarkeit eine höhere Bedeutung hat als ein Engagement bei Bewertungs-Plattformen. Zumal die Firmen-Website ein wichtiges Akquiseinstrument ist. Wir werfen einen Blick auf die Google-Ergebnisseiten. Tatsächlich. Walter Pirk freut sich über das Feedback. „Ich glaube, wir sollten die Priorität der Website noch ein wenig erhöhen“, sagt er zum Schluss.

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